FAZ 11.05.2026
17:40 Uhr

Nach Hantavirus-ausbruch: Die Hondius fährt mit Leichnam an Bord weiter


Am Montagabend soll die Hondius Teneriffa verlassen – und etwa 30 Besatzungsmitglieder in die Niederlande bringen. Die spanische Regierung lobt sich selbst für die Rettungsaktion – und Papst Leo XIV. dankt für die „Gastfreundschaft“.

Nach Hantavirus-ausbruch: Die Hondius fährt mit Leichnam an Bord weiter

Spätestens um 19 Uhr sollte die Hondius weg sein. Das hatte die spanische Regierung den besorgten Menschen auf den Kanaren versprochen. Viele von ihnen wollten das Kreuzfahrtschiff, auf dem das Hantavirus ausgebrochen war, nicht in ihren Gewässern haben – allen voran der regionale Regierungschef. Am Montag ging die bizarre Debatte über die Langschwanz-Zwergreisratte weiter, die Fernando Clavijo vom Zaun gebrochen hatte. Gestützt auf eine KI-Recherche, wollte der kanarische Regionalpräsident am Sonntagmorgen in letzter Minute verhindern, dass das Schiff mit mehr als 140 Menschen an Bord im Industriehafen von Granadilla vor Anker geht: Infizierte Landratten aus Südamerika könnten sich ins Meer stürzen und an die Mole schwimmen und das Virus in Spanien einschleppen, warnte Clavijo. Das spanische Gesundheitsministerium und mehrere Wissenschaftler wiesen diese Theorie zurück; an Bord waren auch keine Nagetiere gefunden worden. Am Montag klagte Clavijo darüber, dass ihn die Regierung „lächerlich gemacht“ habe. Fast schon routiniert und wie geplant bereiteten sich am Montag die letzten Passagiere und ein Teil der Besatzung darauf vor, nach mehr als 40 Tagen auf See das Schiff zu verlassen. Am Sonntag hatten schon 94 Personen am nahe gelegenen Flughafen Teneriffa Süd sieben Sonderflüge bestiegen. Am Montag sollen die zwei letzten Maschinen in die Niederlande starten. Das erste Flugzeug war für etwa 20 Besatzungsmitglieder, die meisten von ihnen Philippiner; sie werden in den Niederlanden in Quarantäne gehen. Nachdem ein Sonderflug aus Australien nicht rechtzeitig eingetroffen war, sollte ein zweites Flugzeug auch vier Australier, einen Briten, der in Australien lebt, sowie einen Neuseeländer zunächst in die Niederlande bringen. Besatzung wird in fünf Tagen in Rotterdam erwartet Die Hondius wurde nach Informationen spanischer Medien am Montagnachmittag betankt. Um 19 Uhr soll sie aufbrechen und etwa 30 Besatzungsmitglieder binnen fünf Tagen nach Rotterdam zurückbringen, wo das Schiff desinfiziert wird. An Bord ist auch der Leichnam der auf See verstorbenen Deutschen; zuvor war schon ein niederländisches Ehepaar gestorben. Der Reiseveranstalter wirbt auf seiner Website für eine Island-Kreuzfahrt am 29. Mai – mit größeren Rabatten. In Spanien sparte die Regierung nicht mit Eigenlob. Die Welt blicke auf Spanien, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez, dessen Regierung zuvor wegen schlechter Kommunikation und zu viel Improvisation kritisiert worden war. „Es macht stolz, Spanier zu sein, denn Spanien hält immer sein Wort. Es hält seine Versprechen“, sagte der Regierungschef. Anerkennung kam aber auch vom UN-Generalsekretär, der EU-Kommissionspräsidentin und sogar vom Papst. Er dankte für die „Gastfreundschaft, die das Volk der Kanarischen Inseln auszeichnet“, sagte Leo XIV., der im Juni auf den Kanaren erwartet wird. Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, lobte auf Teneriffa die „technische Exzellenz“ der Spanier und ermahnte zugleich die internationale Gemeinschaft, weiter eng zusammenzuarbeiten. Die WHO empfiehlt für alle Menschen auf der Hondius eine Quarantäne von 42 Tagen. In Madrid wurde sie (gerechnet vom 6. Mai an) sofort für die 14 Spanier angeordnet, die in einem Militärkrankenhaus in der Hauptstadt isoliert sind. In Frankreich gelten seit Sonntag besonders strenge Sicherheitsvorkehrungen für die fünf Rückkehrer. Eine Frau wurde positiv getestet. Ihr Zustand verschlechtere sich weiter, sagte die französische Gesundheitsministerin Stéphanie Rist am Montag. Die vier anderen Passagiere seien negativ getestet worden. Zuvor hatte das amerikanische Gesundheitsministerium mitgeteilt, dass einer der 17 in die USA zurückgekehrten Amerikaner positiv getestet worden sei. Vier deutsche Passagiere in Frankfurter Universitätsklinik untersucht Die vier deutschen Passagiere waren mit einem niederländischen Flugzeug am Sonntagabend in Eindhoven gelandet. Ein sogenannter Sonderisolationstransport der Feuerwehr brachte sie in die Frankfurter Universitätsklinik, wo sie zunächst untersucht und beobachtet werden. Ein Patient aus Brandenburg wird in der Berliner Charité in Quarantäne gehen, ein ebenfalls symptomfreier deutscher Passagier in Baden-Württemberg in häusliche Isolation, wie die jeweiligen Landesministerien mitteilten. In der Universitätsklinik in Düsseldorf ist seit Mittwoch die Begleiterin der auf dem Schiff verstorbenen Deutschen in Quarantäne. Auf der Rückfahrt aus Südamerika hatten Kapitän und Reederei die Infektionsgefahr anfangs nicht hoch eingeschätzt. Auf einem Video, das ein türkischer Reiseblogger verbreitete, sagte der Kapitän am 12. April, ein Niederländer sei in der Nacht zuvor eines „natürlichen Todes“ gestorben und „nicht ansteckend“ gewesen. Es wird vermutet, dass er und möglicherweise auch seine später verstorbene Ehefrau sich schon vor der Abreise in Feuerland mit dem Andes-Stamm angesteckt haben. Am Montag verbreitete der Kapitän der Hondius eine Videobotschaft, in der er sich bei den Passagieren und der Besatzung bedankte. Was ihn unterwegs am meisten berührt habe, sei „die Geduld, die Disziplin und die Freundlichkeit“ aller Menschen an Bord gewesen – besonders, wie alle zusammengestanden hätten, als keine regulären Rettungskräfte in der Nähe gewesen seien. Jan Dobrogowski lobte seine Besatzung für ihre selbstlose Entschlossenheit und ihren Mut unter schwierigsten Bedingungen. Die drei Verstorbenen trügen alle in ihren Herzen. Auf dem Weg über den Atlantik legte die Hondius noch auf mehreren Inseln an, auf denen mehr als 30 Passagiere ausstiegen, auch auf der Insel Tristan da Cunha. Dort zeigte am Wochenende ein Passagier Krankheitssymptome. Aus der Gegend von Oxford setzte sich eine einzigartige militärische Mission in das britische Überseegebiet in Marsch. Nach einem Zwischenstopp auf der Insel Ascension und einer Luftbetankung sprangen die Helfer schließlich mit Fallschirmen ab, danach wurde medizinisches Material aus dem Flugzeug abgeworfen. Das Testergebnis lag am Montag noch nicht vor.