FAZ 02.10.2026
10:53 Uhr

Nach Stichwahl: Reindl neuer Präsident des Eishockey-Weltverbands


Auf Teneriffa setzt sich Franz Reindl gegen seine Mitbewerber durch und wird zum Präsidenten des Eishockey-Weltverbands IIHF gewählt. Er ist der zweite Deutsche in dieser Rolle.

Nach Stichwahl: Reindl neuer Präsident des Eishockey-Weltverbands

Es ging eng zu, ganze drei Stimmen gaben den Ausschlag, und diesmal lag Franz Reindl vorn. Fünf Jahre nach dem Scheitern von Sankt Petersburg hat der 71-Jährige auf Teneriffa die Wahl zum Präsidenten des Eishockey-Weltverbandes IIHF gewonnen. Er wird das Amt in den kommenden vier Jahren als zweiter Deutscher nach Günther Sabetzki (1975 bis 1994) ausüben. „Franz Reindl hat das deutsche Eishockey über Jahrzehnte geprägt. Dass die internationale Eishockeyfamilie ihm nun die Führung der IIHF anvertraut, ist eine große Anerkennung seiner Arbeit“, sagte Frank Lutz, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB): „Wir freuen uns mit ihm und auf die Zusammenarbeit, gerade mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2027 im eigenen Land.“ In der Stichwahl gewinnt Reindl 60:57 gegen Briza Reindl setzte sich beim IIHF-Kongress auf der spanischen Ferieninsel gegen ursprünglich acht andere Kandidaten durch, nur drei traten am Ende an, es waren zwei Wahlgänge nötig. Im ersten führte der ehemalige tschechoslowakische und tschechische Nationaltorwart Petr Briza mit 48 Stimmen vor Reindl (36) und Aiwas Omorkanow (Kirgisistan/33) – in der Stichwahl ging es eng zu. Reindl gewann gegen Briza 60:57, mit 51,28 Prozent. Als 15. Präsident der IIHF-Geschichte folgt Reindl auf den Franzosen Luc Tardif (73), der vor fünf Jahren nach einem klaren Sieg im entscheidenden vierten Wahlgang (67:39) gegen den früheren deutschen Nationalspieler das Amt übernommen hatte. Tardif trat nicht mehr an, Reindl suchte seine zweite Chance gut siebeneinhalb Monate vor der Heim-WM (13. bis 30. Mai) mit Spielen in Düsseldorf, Mannheim und Gelsenkirchen – und hatte Erfolg. Was wird aus der Rückkehr Russlands? Es warten nun diverse Problemfelder. Es gilt, die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) empfohlene Rückkehr Russlands zu moderieren, die in einflussreichen Eishockeynationen auf großen Widerstand stößt. Zudem drängt die nordamerikanische Profiliga NHL immer mehr nach Europa und bringt mit der Neuauflage des World Cups im Februar 2028 das IIHF-Geschäftsmodell mit der jährlichen Weltmeisterschaft in Gefahr. „Wir stehen vor großen Herausforderungen, da braucht es eine ruhige Hand, Erfahrung und eine gute Kommunikation“, hatte Reindl vor den Wahlen dem Sport-Informations-Dienst (SID) gesagt. Er wolle „Brücken bauen“ und „die Eishockeyfamilie wieder vereinen“. Reindl, geboren in Garmisch-Partenkirchen, hat im Eishockey alles erlebt. Er wurde 1972 in seiner Heimatstadt Profi beim SC Riessersee und gehörte zum Nationalteam, das 1976 in Innsbruck sensationell Olympia-Bronze gewann. Als Stürmer nahm Reindl dreimal an Winterspielen teil, dazu an acht Weltmeisterschaften. 1988 beendete er seine aktive Karriere, wurde erst Trainer, dann Funktionär. Von 2014 bis 2022 fungierte er als DEB-Präsident. Vor fünf Jahren hatte Reindl gegen Tardif den Kürzeren gezogen, obwohl er als Favorit ins Rennen gegangen war. Vorwürfe, er sei als Geschäftsführer der DEB GmbH „verdeckt“ für seine ehrenamtliche Tätigkeit als Verbandspräsident bezahlt worden und habe sich in einem „Interessenskonflikt“ befunden, überschatteten die Wahl und kosteten ihn womöglich den Sieg. Die Ethikkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) empfahl damals „dringend“ eine Untersuchung, die Staatsanwaltschaft ermittelte ab Anfang 2022. Reindl trat im selben Jahr nach zwei erfolgreichen Amtszeiten, in denen er den Dauerstreit mit der Deutschen Eishockey Liga (DEL) beendete und den Grundstein für die Silbercoups der Nationalmannschaft bei Olympia 2018 und der WM 2023 legte, nicht zur Wiederwahl als DEB-Präsident an. Jetzt ist er wieder da. Gewählt ist er bis Oktober 2030 an die Spitze des Eishockeys.