FAZ 13.05.2026
11:40 Uhr

Neues Luxusresort: Hier feierte George Clooney gerade seinen Geburtstag


Zannier Hotels hat die Île de Bendor an der Côte d’Azur neu belebt — elegant, lässig und erstaunlich öffentlich. Das Riviera-Feeling der Sechzigerjahre ist zurück. Kein Wunder, dass es Clooney hier gefällt.

Neues Luxusresort: Hier feierte George Clooney gerade seinen Geburtstag

Im südfranzösischen Ort Bandol fürchteten viele Bewohner, ihre Île de Bendor könnte ein abgeschottetes Hotel-Refugium für Millionäre werden, ein unwiederbringlich verlorener Sehnsuchtsort im glitzernden Meer, nur noch aus der Ferne sichtbar. Was wäre das für ein Verlust gewesen. Und welch ein Verrat an der Idee des Pastis-Schöpfers, Unternehmers und Kunstmäzens Paul Ricard, der die Insel 1950 kaufte und in einen Ort der Gastfreundschaft, des intellektuellen Austauschs und der Lebensfreude verwandelte. Ricard, der selbst leidenschaftlich malte, scharte einst Künstler und Prominente um sich. Es waren die glamourösen Sechzigerjahre, und die Insel mit zwei Hotels, Galerien und Werkstätten wurde zum Treffpunkt der Boheme und der High Society an der Côte d’Azur – jener Küste, an der das Meer so betörend blau ist und die Träume groß sind. Nun hat Zannier Hotels auf der sieben Hektar großen Île de Bendor, die weiterhin im Besitz der Familie Ricard ist, ein Luxusresort eröffnet. Zur Erleichterung der Bürger von Bandol verkehrt nach wie vor eine Fähre im Halbstundentakt und erreicht die Insel in weniger als zehn Minuten. Jeder, der möchte, kann diesen einst legendären Ort besuchen, umhüllt von seidiger Mittelmeerluft über die Insel spazieren, einen Kaffee am kleinen Hafen trinken, mit einer Reservierung in einem der Restaurants essen oder einfach nur im Meer schwimmen. Die Ansprüche, die der Zannier-Gründer Arnaud Zannier an die fünfjährige Transformation der Insel stellte, waren hoch: Der Geist der alten Riviera sollte wiederbelebt und das Zannier Île de Bendor ein Gegenentwurf zu den überinszenierten Luxushotels der Côte d’Azur und ihren Superyachten werden. Kein weiteres „White Lotus“-Resort, sondern ein Kosmos aus Lässigkeit und flüsterndem Luxus. Und genau dies ist Arnaud Zannier und seinem Team bemerkenswert gut gelungen. Man betritt die Insel und möchte sofort den ganzen Sommer bleiben, am liebsten im Delos mit seinen 39 Zimmern, das nur einem einzigen Zweck zu dienen scheint: den Gast in eine schillernde Riviera-Vergangenheit zurückzuversetzen, selbst wenn er sie lediglich aus Filmen kennt. Die von Rundbögen durchsetzte Natursteinfassade, der geschwungene Pool, die blutorangen Sonnenschirme mit ihren dicken Kordelfransen: Auf diese ästhetische Rekonstruktion eines mediterranen Mythos dürfte man auch von St. Tropez aus neidvoll blicken. Dass Marc de Jouffroy, Urenkel von Paul Ricard und Geschäftsführer der Familiengesellschaft, vor zehn Jahren auf der bereits vom Verfall gezeichneten Insel heiratete, zeigt die tiefe Bindung der Familie zu diesem Ort. De Jouffroy zu überzeugen, war also nicht leicht, doch Zannier ist es gelungen. Marc de Jouffroy sitzt auf der Terrasse des Delos, Segelschiffe kreuzen am Horizont, und aus unsichtbaren Lautsprechern fließt französische Musik. Erst vor wenigen Tagen wurde das Hotel eröffnet, und Marc de Jouffroy wirkt mit seinem verwuschelten Haar dennoch, als käme er gerade aus dem Urlaub. Magisch sei die Insel für ihn als Kind gewesen, sagt er. Jeden Sommer habe er dort einen Monat verbracht, mit Cousins und Cousinen, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, die ganze Familie sei zusammengekommen. „Für mich war es das Paradies.“ Seinen Urgroßvater Paul Ricard beschreibt er als „people person“, ein Mensch, der fast täglich mit Fremden ins Gespräch kam, rasch Freundschaften schloss und Leute unterschiedlicher Milieus zusammenbringen wollte. Luxus habe er eigentlich nicht sonderlich gemocht, sagt de Jouffroy. Geld sollte vor allem Mittel zum Zweck sein, oft für einen guten. Deswegen gründetet Ricard bereits 1966 zukunftsklug das Ozeanographische Institut auf der Insel Les Embiez, um die industrielle Verschmutzung des Mittelmeers zu bekämpfen. Und während de Jouffroy immer wieder von der Seele der Île de Bendor spricht, von einem Luxus, der auf Atmosphäre und Begegnungen setzt, nicht auf Kulissen, watschelt plötzlich ein flauschiges Möwenküken auf großen Schwimmfüßen unter den Tisch und knabbert an Marc de Jouffroys Turnschuhen. Am Hafen kommt die nächste Fähre an. Sonnenbebrillte Menschen, junge Familien und Rentnerpaare steigen aus. In den älteren Gesichtern glaubt man, ein Wiedererkennen zu entdecken, ein frohes Staunen, dass die Île de Bendor tatsächlich ihre Insel geblieben ist. „Weißt du noch“, sagt eine schick gekleidete Dame zu ihrem Mann und zeigt auf den Sandstrand. Vielleicht kannten sie einander schon als Kinder und haben hier schwimmen gelernt. Das Herzstück des Selbstverständnisses der Île de Bendor ist das Village des Artisans, ein Künstlerdorf mit „Artists in Residence“, Werkstätten und der Galerie Oraé. Über die Insel sind Skulpturen, Keramiken und andere zeitgenössische Arbeiten verteilt, die nicht wie dekorative Hotelkunst wirken, sondern sich geschmeidig in die Landschaft einfügen. Einige Besucher werfen einen schüchternen Blick in das Atelier der Französin Marion Saxod, die gemeinsam mit ihrem Mann, dem Landschaftsgärtner Charles Guerlain, das Künstlerduo Nysæ Édition bildet. Ihre von der Natur inspirierten Installationen fangen die mediterrane Atmosphäre ein, wobei Gerüche eine große Rolle spielen. Saxod, eine schöne Frau mit dunklen Augen von Ende dreißig, beschreibt ihre Kunst als eine Arbeit mit „unsichtbaren Sprachen“: mit Düften, Materialien und Landschaften, die Erinnerungen speichern. Den Parfümdiffusor erkennt man auf den ersten Blick nicht als solchen. Vier Platten aus biologisch abbaubarem Pflanzenharz aus Leinöl und Rote-Bete-Melasse scheinen um einen Kern zu schweben. Was allerdings fehlt, ist ein Preisschild. Marion Saxod lächelt. „Ja“, sagt sie „alles, was hier entsteht, kann man kaufen.“ Es ist erstaunlich, wie zurückhaltend das Hotel seine Künstler vermarktet, die entscheidend zum Inselmythos und der Atmosphäre beitragen. Eigentlich müsste Zannier sie hofieren. Als wir erfahren, dass sie jeden Cappuccino, den sie auf der Insel trinken, selbst bezahlen müssen – im Delos kostet er acht Euro –, wundern wir uns. Was hätte wohl Paul Ricard zu dieser Kleinkariertheit gesagt? Wie Saxod lebt und arbeitet auch die kroatische Keramikkünstlerin Zeljana Vidovic für einige Wochen auf der Insel. Ihre skulpturalen Gefäße sind so fließend schön, als hätten Meer und Wind sie geformt. Vidovics Kunst hat etwas Meditatives. Materialität und Haptik, sagt sie, stünden im Zentrum. Für ihre Arbeiten braucht sie kaum mehr als ihre eigenen Hände. Noch sehen beide Ateliers allerdings derart sauber aus, als seien sie Showrooms. Man kann nur hoffen, dass die Künstler freie Hand haben und bei ihrer Arbeit keine Rücksicht auf strahlend weiße Wände nehmen müssen. Ansonsten wären sie lediglich Staffage. Am späten Nachmittag fährt ein Golfwägelchen mit Dutzenden Luftballons über die Insel, und man fragt sich, welcher prominente Gast wohl seinen Geburtstag hier feiert. Dass es ein Star ist, hatte man gehört. Am nächsten Tag verrät Arnaud Zannier demonstrativ gelassen dessen Namen: George Clooney. Der Schauspieler ist inzwischen französischer Staatsbürger und Besitzer eines Weinguts in der Provence. Gestern, erzählt Zannier, sei er 65 geworden und habe mit seiner Frau Amal und ein paar Freunden im Restaurant „Nonna Bazaar“ gefeiert, in dem immer am meisten auf der Insel los ist – übrigens zwischen all den anderen Gästen. Sämtliche Angebote, den Geburtstagsabend exklusiv und ohne fremde Blicke zu erleben, hat Clooney offenbar abgelehnt. Geschlafen haben er und seine Begleiter nicht im eleganten Delos, sondern im Soukana, in dem warme Erdtöne dominieren und der Luxus mehr ein Gefühl der Regeneration versprüht als Riviera-Glanz. Für den Auftritt entscheidet sich George Clooney erst am nächsten Tag, denn da fährt die illustre Geburtstagsgruppe nach St. Tropez zum Lunch. Dort warten bereits die Paparazzi. Informationen: www.zannierhotels.com/hotels/bendor. Die beiden Hotels und die ebenfalls zu mietenden Residenzen haben 93 Zimmer, Suiten und Häuser. Ein Doppelzimmer kostet pro Nacht ab etwa 700 Euro. Die Künstlerinnen findet man im Netz unter www.nysae.studio sowie www.zeeceramics.com. Wunderschöne Kreationen aus Lavendel stellt Philippe Franc her: www.franc1884.com.