FAZ 18.05.2026
16:41 Uhr

Neues Strafjustizzentrum: „Ein transparentes Gebäude, keine Burg“


Die Strafgerichte in München bekommen eine neue Heimat. Bei aller Pracht soll das Gebäude Bürgernähe und Transparenz ausstrahlen. Das mobile Mobiliar wurde von Gefangenen gefertigt.

Neues Strafjustizzentrum: „Ein transparentes Gebäude, keine Burg“

München bekommt ein neues Strafjustizzentrum. Am Montag wurde es im Beisein von Ministerpräsident Markus Söder, Justizminister Georg Eisenreich, Bauminister Christian Bernreiter (alle CSU) und dem ehemaligen Fernsehrichter Alexander Hold (Freie Wähler, heute Landtagsvizepräsident) eingeweiht. Die Justiz, genauer gesagt, das Amtsgericht, die Landgerichte München I und II, das Oberlandesgericht sowie die Staatsanwaltschaften München I und II hätten eigentlich schon 2020 von der etwas heruntergerockten Nymphenburger Straße 16 an den nahen Leonrodplatz (benannt nach einem früheren Justizminister) umziehen sollen. Es kam einiges dazwischen: Man stieß beim Erdaushub auf kontaminierten Boden und Weltkriegswaffen, eine Baufirma klagte gegen das Vergabeverfahren, auch Corona, der Ukrainekrieg und Schimmelbefall wirkten als Zeit- und Preistreiber. Gemessen daran ist die Baukostensteigerung von den 2015 veranschlagten 295 Millionen auf 434 Millionen Euro im Rahmen, jedenfalls für deutsche Verhältnisse. Ein wenig kostendämpfend dürfte gewirkt haben, dass das mobile Mobiliar von Gefangenen gefertigt wurde. Söder fragt, wo der Spa-Bereich ist Außerdem besteht die Aussicht, dass das Gebäude mit 54 Sitzungssälen vergleichsweise kostengünstig betrieben werden kann. Bei einer Presseführung war zu erfahren, dass die Photovoltaikanlage auf dem Flachdach schon in Betrieb ist und wie Dreifachverglasung und Wärmepumpen dazu beitragen, dass das Gebäude mit etwa 39.000 Quadratmetern Nutzfläche „annähernd Passivhausstandard“ erreicht. Dass das neue Strafjustizzentrum nun bezugsfertig ist – am 7. Juli soll die erste Sitzung stattfinden –, ist nicht nur für die 1300 Mitarbeiter erfreulich, sondern auch für die Bürger. Es liegt zentral, die Architekten vom Münchner Büro „Plan 2“ haben viel auf Glas gesetzt. Botschaft: Wir öffnen uns der Stadt. Es sei „keine Burg“, sondern „ein transparentes Gebäude“, sagte bei der Einweihungsfeier Hans-Joachim Heßler, der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs und des OLG München. Söder lobte neben Transparenz und Sicherheitskonzept auch die Ästhetik, die laut ihm zur Frage einlädt, wo denn der Spa-Bereich sei. Jedenfalls gibt es keinen besseren Ort, um Leuten in höchst unterschiedlichen emotionalen Zuständen zu begegnen. Daran ändert selbst die Wegeführung nichts, die Häftlinge, Richter und Besucher auseinanderhalten soll. Die Kantine, ausgelegt für 500 Essen, mit zwei Kaffeeinseln und direktem Zugang zum pittoresken Justizgarten, wird öffentlich zugänglich sein.