FAZ 06.05.2026
18:01 Uhr

Novo Nordisk: Abnehmpille Wegovy federt Umsatzrückgang ab


Der dänische Pharmakonzern findet in die Spur zurück. Die Prognose für das laufende Jahr wird angehoben. Aber die Lage bleibt angespannt.

Novo Nordisk: Abnehmpille Wegovy federt Umsatzrückgang ab

Viel selbstbewusster als noch im Februar äußerte sich Mike Doustdar, Chef des dänischen Pharmaunternehmens Novo Nordisk, nun nach Ablauf der ersten drei Monate zu den Geschäftszahlen. Der Grund: Die Abnehmpille Wegovy sei in den USA gut angelaufen. Mehr als eine Million Menschen hätten die Tablette seit der Markteinführung im Januar eingenommen. Mehr als zwei Millionen Mal sei sie bisher verschrieben worden, sagte Doustdar am Mittwoch. Es sei der beste Start, den ein Produkt auf Basis des Hormons GLP-1 bisher in den Vereinigten Staaten hingelegt habe. Den Ausblick auf das Jahr 2026 hat das Unternehmen daher leicht angehoben: Statt eines währungsbereinigten Umsatz- und Gewinnrückgangs zwischen fünf und 13 Prozent erwartet das Unternehmen nun ein Minus zwischen vier und zwölf Prozent. Der Markt reagierte darauf prompt, zeitweise stieg der Kurs der Novo-Aktie um mehr als neun Prozent an. Tablette lockt neue Kunden an Die Lage bleibt dennoch angespannt: Trotz neuer Umsätze, die die Wegovy-Tablette im wichtigen US-Markt bringt, sind die bereinigten Erlöse von Novo Nordisk im ersten Quartal um vier Prozent gesunken auf rund 70,1 Milliarden Dänische Kronen (rund 9,4 Milliarden Euro). Der Betriebsgewinn schrumpfte währungsbereinigt um sechs Prozent auf 32,86 Milliarden Dänische Kronen (rund 4,4 ‌Milliarden Euro) im Vergleich zum Vorjahresquartal. Es sei nicht klar, wann das Unternehmen wieder auf seinen Wachstumspfad zurückkehren werde, sagte Fondsmanager Markus Manns von Union Investment, die in Novo Nordisk investiert. Der Druck auf das Unternehmen wächst, weil US-Rabatte belasten und zunehmend Nachahmer in den Markt um Abnehmpräparate drängen. Der Patentschutz für den Wirkstoff Semaglutid, den Novo Nordisk in seinen Spritzen Wegovy (bei Adipositas) und Ozempic (bei Diabetes) verwendet, ist in China und Kanada bereits ausgelaufen. In Europa und den USA wird es vom Jahr 2031 an der Fall sein. Mit der Abnehmpille will Novo Nordisk gegensteuern und Marktanteile zurückgewinnen. Zudem lockt die Tablette neue Kunden an. Laut Doustdar hätten fast 80 Prozent der Pillennutzer zuvor noch keine GLP-1-Therapie probiert. Auch würden Patienten, die zuvor Produkte der Konkurrenz gebraucht hätten, nun auf die Wegovy-Pille wechseln. Hoffnung auf dem Nachfolgemedikament Zenagamtide Ein langfristiger Erfolgsgarant ist das nicht. Vor rund einem Monat zog der amerikanische Rivale Eli Lilly mit seiner Abnehmpille Fundayo nach. Noch gibt sich Doustdar gelassen: „Wie die Zahlen zeigen, ist das Interesse an unserem Medikament trotz des eingetretenen Wettbewerbs ungebrochen.“ Er beruft sich auf die hohe Wirksamkeit und Verträglichkeit des Produkts. In Studien hatten Teilnehmer mit Adipositas durchschnittlich 16,6 Prozent ihres Körpergewichts verloren. Lillys Pille ist nicht so wirksam. Dafür sind dessen Abnehmspritzen Mounjaro und Zepbound in ihrer Wirksamkeit weiterhin unangefochten. Als Antwort darauf hat Konkurrent Novo Nordisk eine höher dosierte Wegovy-Spritze auf den Markt gebracht, die in Studien zu einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von fast 21 Prozent führte. Fondsmanager Manns sieht die langfristige Hoffnung auf dem Nachfolgemedikament Zenagamtide. Dieses wirkt sowohl auf das Darmhormon GLP-1 als auch auf das Bauchspeicheldrüsenhormon Amylin und hat in ersten Studien gut abgeschnitten. Einen Rückschlag musste Novo Nordisk bei einem anderen Nachfolgekandidaten verkraften. In einer direkten Vergleichsstudie mit dem Lilly-Wirkstoff Tirzepatid schnitt ihr Wirkstoff Cagrisema deutlich schlechter ab. Doustdar gibt sich zuversichtlich. Er sei überzeugt, noch in diesem Jahr eine Zulassung zu erhalten und erster Anbieter eines Medikaments zu werden, das Semaglutid mit einer Amylin-Komponente kombiniert. Auch versprach der Novo-Chef, in diesem Jahr die Wegovy-Pille noch in anderen Märkten einzuführen. In welchen, wollte er noch nicht verraten.