FAZ 17.09.2026
12:03 Uhr

Olympia in Australien: Rudern im Krokodil-Fluss


Die Krokodile sind nur ein Problem: Der Fitzroy River gilt als anfällig für Überschwemmungen und starke Strömungen. Dennoch sollen hier olympische Ruder- und Kanu-Wettbewerbe ausgetragen werden.

Olympia in Australien: Rudern im Krokodil-Fluss

Die Ruder- und Kanu-Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen 2032 in Australien werden im Fitzroy River ausgetragen – der Fluss ist Lebensraum für Salzwasserkrokodile. Die Entscheidung fiel nach einer „gründlichen und umfassenden Prüfung“, wie es hieß. Um den Standort gab es seit der Bekanntgabe der Pläne im März 2025 Debatten. Mehr als 500 Ruderinnen und Ruderer, darunter der ehemalige australische Olympiasieger Drew Ginn, hatten sich in einem offenen Brief für einen anderen Standort im Südosten Queenslands ausgesprochen. Doch die Wahl des Fitzroy River gilt gar nicht so sehr wegen der dort lebenden Krokodile als umstritten, vielmehr galten die größten Bedenken den technischen Voraussetzungen und der Chancengleichheit für die Athleten. Schließlich ist der Fluss anfällig für Überschwemmungen und weist starke Strömungen auf, die zu ungleichen Wettkampfbedingungen führen können. „Es geht darum, Dinge möglich zu machen“ Nun sagte der Regierungschef von Queensland, David Crisafulli, die internationale technische Prüfung der geplanten Wettkampfstrecke sei abgeschlossen und positiv ausgefallen: „Es ist offiziell, unter Dach und Fach und besiegelt“. Der Wettkampfort habe die unabhängige Begutachtung „mit Bravour“ bestanden, erklärte Crisafulli im Landesparlament. Auch der Ruder-Weltverband World Rowing und der Kanuverband Paddle Worldwide hätten die Ergebnisse geprüft und den Standort gebilligt. Die Gefahr durch Krokodile wurde in der Untersuchung nicht berücksichtigt. Verantwortliche hatten jedoch bereits zuvor erklärt, dass es „entsprechende Verfahren“ für die Meldung von Krokodilsichtungen geben werde. Zudem gibt es schon länger einen Managementplan der Behörden: Große Tiere und Krokodile mit gefährlichem Verhalten sollen gezielt „entfernt“ werden. Andrew Liveris, Chef des Organisationskomitees von Brisbane 2032, hatte das Problem bereits im vergangenen Jahr heruntergespielt. „Im Meer gibt es Haie und wir surfen trotzdem. Es geht darum, Dinge möglich zu machen und nicht darum, zu sagen, dass sie nicht möglich sind“, sagte er damals. Nach Angaben der Regionalregierung bietet der Fluss auf einem 2,7 Kilometer langen Abschnitt genügend Platz für eine internationale Strecke. Vorgesehen ist eine 2.000 Meter lange Regattastrecke mit acht Bahnen sowie Bereichen für Start und Ziel. Eine Verbreiterung des Flusses oder Ausbaggerungen seien nach den Untersuchungen nicht erforderlich, sagte Queenslands stellvertretender Premier Jarrod Bleijie. Nach der Bestätigung des Austragungsorts beginnt nun die detaillierte Planung für die Wettkampfanlagen. Rockhamptons Bürgermeister Tony Williams begrüßte die Entscheidung. „Jetzt ist es an der Zeit, mit der Planung der Infrastruktur zu beginnen und die notwendigen Arbeiten auf den Weg zu bringen“, zitierte ihn die AAP. Der Fitzroy River fließt rund 600 Kilometer nördlich von Brisbane, dem Zentrum der Olympischen Spiele 2032. Sichtungen von Krokodilen sind dort gelegentlich zu verzeichnen, weiter nördlich sind die Raubtiere deutlich häufiger anzutreffen.