FAZ 19.08.2026
06:14 Uhr

Panettone mal anders: Auch mal Trendsetter sein


Neuer Food-Trend aus Italien: Panettone muss nicht immer süß sein. So schafft das italienische Traditionsgebäck den Sprung von Weihnachten zum Sommer-Aperitif.

Panettone mal anders: Auch mal Trendsetter sein

Es gibt Food-Trends, an denen kommt fast niemand vorbei – zumindest diejenigen nicht, die sich in den sozialen Medien bewegen. Auf Instagram und Tiktok wird praktisch im Wochentakt ein neuer Trend geboren. Einige sind langlebig, andere verschwinden so schnell, wie sie aufgetaucht sind. Dabei sind die trendigen Produkte nicht unbedingt neu. Im Gegenteil. Sie werden oft wieder- oder schlicht von einer anderen Gruppe von Menschen entdeckt. So wie die Açai Bowl, die ihren Ursprung in Südamerika hat, oder das sogenannte Scandinavian Breakfast, das in den meisten Fällen eigentlich nur aus Sauerteigbrot und einer Scheibe Käse besteht. Es gibt aber auch Trends, die tatsächlich Neukreationen entsprungen sind – unvergessen selbstverständlich die vor einiger Zeit weitverbreitete Obsession mit der Dubai-Schokolade. Als Fan von Food-Trends kann man aber schnell gelangweilt sein. Entweder sagen die gehypten Produkte einem nicht zu, oder man hat sie bis zum Überdruss gesehen und verzehrt. Wer also ganz heiß darauf ist, vom nächsten großen Ding zu erfahren, der ist hier genau richtig. Denn an dieser Stelle wagen wir eine Trendvorhersage. Wem diese Kreation bald über den Weg läuft, der denkt womöglich daran: Hier haben Sie es zuerst gelesen. Und diese Köstlichkeit hat Rampenlicht wirklich verdient: Die Rede ist vom Panettone salato. Panettone macht einen Wandel durch Den traditionellen Panettone kennen die meisten. Es handelt sich dabei um ein traditionelles, italienisches, mit kandierten Zitrusfrüchten und Rosinen versetztes, ausgesprochen fluffiges Kuppelgebäck. Und wie es in Italien eben ist, gibt es Traditionen, mit denen niemand brechen sollte. Den Italienern ist ihre Kulinarik schließlich heilig. Dass Panettone, das italienische Traditionsgebäck schlechthin, nun aber schon seit einer Weile einen Wandel vollzieht, ist also erstaunlich. Eigentlich wird das ursprünglich aus Mailand stammende Gebäck nur zur Weihnachtszeit gegessen. Alternativ gibt es auch den Pandoro, ein etwas schlichteres, aber nicht weniger fluffiges Gebäck ohne Rosinen und Zitronat, dafür mit Puderzucker ummantelt. An Ostern wird in Italien dann die verwandte Colomba pasquale serviert. Jedes Gebäck hat seine eigenen Regeln und seine eigene Zeit. „Gut panettonisiert“ Nun zeichnet sich auf dem italienischen Markt aber der Trend zum Zweitpanettone ab, ja, wenn nicht sogar Alljahrespanettone. Hört man sich in der kulinarischen Szene um, bestätigen viele Italiener, dass man da nicht mehr so streng sei. Ganz neu ist das aber wohl auch nicht. Schon der berühmte italienische Schriftsteller Alessandro Manzoni (1785–1873) soll ein so großer Fan des Weihnachtsgebäcks gewesen sein, dass er das ganze Jahr über Panettone gegessen haben soll. Seine Frau prägte angeblich den Begriff „bene panatonata“, also so etwas wie „gut panettonisiert“, um das wohlige Gefühl durch den Verzehr des Kuchens zu beschreiben. Das sollen Dokumente belegen. Ob das so stimmt oder nicht, sei dahingestellt. Fest steht: Heute wird das Gebäck immer häufiger auch fernab der Weihnachtssaison angeboten – und den Jahreszeiten entsprechend variiert. Ob mit Aprikosen, Ananas, Pistazien, Kirschen oder anderen Früchten und Nüssen. Mittlerweile gibt es ihn auch in sozusagen hippen Varianten. Zum Beispiel mit Schokolade oder Pistaziencreme gefüllt, wo wir wieder beim Thema Dubai wären. Doch die Offenheit der italienischen Panettone-Garde geht noch weiter. Mit dem Panettone salato etabliert sich neuerdings eine herzhafte Variante des Gebäcks auf dem Markt, wenn auch langsam. Geht man auf Feinkostmessen in Italien durch die Hallen, kommt man an den allein dem Panettone gewidmeten Gängen nicht vorbei. Dort ist die salzige Variante des Gebäcks noch nicht in großer Zahl vertreten, doch schaut man genau hin, entdeckt man einige interessante Kreationen. Von Pecorino und Pfeffer bis hin zu Sardellen und Zitronen Es gibt Varianten mit getrockneten Tomaten, Oliven, Grana Padano, Basilikum und Oregano, wie die des Spitzenkochs Antonio Cannavacciuolo. Oder die des Luxus-Steakhouses Beefbar Milano, mit Pecorino und Pfeffer, die es eigentlich, ganz exklusiv, nur in dem Mailänder Restaurant selbst zu kaufen gibt. Doch eine der aufregendsten neuen Panettonekreationen ist wohl die des Produzenten Armatore. Das Familienunternehmen aus Cetara an der Amalfiküste hat im Mittelmeer schon seit vielen Jahren eine Fangflotte für Blauflossenthunfisch und Sardellen, wobei sich das Unternehmen der nachhaltigen und umweltbewussten Fischerei verschrieben hat. Seit einigen Jahren verarbeiten sie ihren Fang zu Konserven, Saucen und allerlei anderen Produkten rund um den Fisch. Und sie bieten nun auch den sogenannten Pan del Mar an, einen herzhaften Panettone mit Sardellenfilets, Büffel-Caciocavallo-Käse und Zitronen von der Amalfiküste. Es gibt auch eine Variante mit getrockneten Tomaten, Kapern und Sardellen. Das fluffige, leicht süßliche Gebäck in Kombination mit den salzigen Anchovis ist ein wahres Wunderwerk und könnte auch alle, die bisher keine Fans des Panettone waren, für das Gebäck begeistern. Auf Zimmertemperatur oder leicht erwärmt, ist es genau die richtige Ergänzung zum Aperitif im Sommer, ob mit alkoholischer oder alkoholfreier Begleitung. Es gilt: probieren, bevor alle anderen es tun. Dann kann man vielleicht auch mal Trendsetter sein.