Rheinmetall hat einen Großauftrag aus Rumänien bekommen – auch für den mit Abstand größten deutschen Rüstungskonzern ist es einer der größten Einzelaufträge überhaupt. Und das Milliardenpaket zeigt, wie wichtig die Aufstellung des Dax-Konzerns ist als Lieferant in allen Bereichen der Verteidigung. Es geht nämlich um Gefechtsfahrzeuge, Flugabwehrsysteme, Munition und Munitionskomponenten sowie vier Marineschiffe. Den Auftrag kommunizierte Rheinmetall am Dienstagnachmittag. Unterzeichnet wurde er aber schon ein paar Tage zuvor: Am 29. Mai ist das Finanzinstrument „Sicherheitsmaßnahmen für Europa“, kurz SAFE, in Kraft getreten. Damit stellt die Europäische Union bis zu 150 Milliarden Euro für Mitgliedstaaten bereit, die gemeinsam Verteidigungsgüter beschaffen. Am selben Tag hat der Dax-Konzern aus Rumänien, das im Süden an die Ukraine und das Schwarze Meer grenzt, Aufträge für 5,7 Milliarden Euro erhalten. Lynx-Schützenpanzer und Skyranger-Systeme Der Vorstandsvorsitzende Armin Papperger hatte schon im März zur Vorlage der Jahreszahlen angedeutet, dass ein Großauftrag aus Rumänien anstehe. In der Investorenpräsentation zur Prognose des Auftragsbestandes war Rumänien neben der Ukraine und Italien als wichtiges Kundenland aufgeführt, aus diesen Ländern erwartete Rheinmetall Aufträge in Höhe von 16 Milliarden. Neben einem erwarteten Großauftrag unter anderem für Boxer-Kampffahrzeuge sollen die Aufträge aus anderen NATO-Partnerländern dazu beitragen, den Auftragsbestand im laufenden Jahr auf 135 Milliarden Euro zu steigern. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte der sogenannte Backlog, der auch Rahmenverträge umfasst, bei 63,8 Milliarden Euro gelegen. Rheinmetall kündigte an, seine Kapazitäten in Rumänien „deutlich auszuweiten“, mehrere Hundert Millionen Euro vor Ort zu investieren und „einen Technologietransfer“ zu gewährleisten. So solle ein Großteil der Wertschöpfung vor Ort stattfinden. Die Auslieferungen sollen 2028 beginnen und bis 2030 abgeschlossen sein. Bestellt wurden 298 Lynx-Fahrzeuge, zu einem Großteil in der Variante des Schützenpanzers. Doch auch Spähpanzer und Sanitätsfahrzeuge soll der Rüstungskonzern liefern. Die Bundeswehr wartet noch, Rumänien bestellt dennoch Teil des Milliardenauftrags ist zudem das Flugabwehrsystem Skyranger, das auf die Lynx-Fahrzeuge montiert werden soll und etwa zur Drohnenabwehr genutzt werden kann. Diese Systeme will Rheinmetall auch der Bundeswehr anbieten, dabei hatte es zuletzt allerdings Verzögerungen gegeben. Die Bundeswehr hatte 19 Flugabwehrkanonen-Systeme geordert, die auf dem GTK Boxer montiert werden sollen, die treffen allerdings voraussichtlich erst 2027 bei der Truppe ein. Im schlimmsten Fall wären das 18 Monate Verzögerung gegenüber dem ursprünglichen Plan. Davon lässt sich Rumänien offenbar nicht abschrecken: Das Land bestellt noch viel mehr, nämlich auch Mittelkalibermunition für Flugabwehr und Schützenpanzer. Außerdem zwei Offshore-Patrouillenboote und zwei Taucherunterstützungsboote. Diese Schiffe hat Rheinmetall seit der Übernahme des Marinegeschäfts der Lürssen-Werft im Portfolio, es gehört zum neuen Segment Naval Systems. Von dem Milliardenauftrag sollen auch lokale Unternehmen profitieren, mehr als 200 Unterauftragnehmer sollen in das Liefernetzwerk integriert werden, zudem Arbeitsplätze „in einer vierstelligen Anzahl“ entstehen, kündigte Rheinmetall an. „Der zwischen den rumänischen Behörden und Rheinmetall geschlossene Vertrag stellt nicht nur eine Gelegenheit zur Modernisierung der Verteidigungskapazitäten Rumäniens dar, sondern auch einen wichtigen Schritt zur Wiederbelebung der nationalen Verteidigungsindustrie“, sagte Mihai Jurca, Leiter der Kanzlei des Ministerpräsidenten Ilie Bolojan. Viel wird in Rumänien produziert Mehr als die Hälfte der Produktion finde in Rumänien oder in Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen statt. Der Auftrag markiere den „Beginn einer neuen Phase der industriellen Entwicklung, die das Potential hat, im nächsten Jahrzehnt zu einem wichtigen Motor für das Wirtschaftswachstum Rumäniens und für die Integration der lokalen Industrie in das europäische Ökosystem zu werden“, sagte Jurca. Der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende Armin Papperger bezeichnete den Auftrag als einen „bedeutenden Erfolg“. „Dies bestätigt auch unseren Anspruch, unsere Rolle als eine der industriellen Stützen der europäischen Sicherheitsvorsorge weiter auszubauen“, sagte Papperger.
