FAZ 03.06.2026
12:37 Uhr

Proteste in Frankfurt: Für sie ist Klette keine Terroristin, sondern Vorbild


In Frankfurt droht der früheren RAF-Terroristin Daniela Klette ein Prozess wegen der Beteiligung an drei Anschlägen. Linksextremisten wollen die Verhandlung mit Protesten begleiten – und verteidigen im Internet die Gewalt.

Proteste in Frankfurt: Für sie ist Klette keine Terroristin, sondern Vorbild

Der Frust ist nicht zu überhören: Für die Sache der früheren RAF-Terroristin Daniela Klette hätten sich die Verfasser des Blogbeitrags mehr Einsatz gewünscht. Über „schwächelnde Solidarität“ beklagen sie sich in ihrem Text. Nur „gut eine Handvoll solidarischer Prozessbesucher*innen“ seien regelmäßig zu den Verhandlungen gegen Klette im niedersächsischen Verden gekommen, bloß „zwei spärlich bestückte Webseiten“ hätten über den Prozess berichtet. „Weshalb mobilisiert ein Verfahren gegen eine ehemalige Militante heute anscheinend niemanden mehr?“, fragen sie in ihrem Artikel. Und machen deutlich, dass sie sich damit nicht abfinden wollen: Sollte die RAF-Terroristin Klette demnächst in Frankfurt vor Gericht stehen, hofften sie auf mehr Aufmerksamkeit und schärfere Proteste. „Dieser Prozess verspricht größere Auseinandersetzungen und Kontroversen – nicht nur im Gerichtssaal“, schreiben sie. Veröffentlicht wurde der Beitrag auf einer Website der linksextremistischen Gruppe Interventionistische Linke (IL), die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Verbreitet wurde der Blogbeitrag auch über den Instagram-Account der Frankfurter IL-Gruppe. Mit der Beute haben die Terroristen ihr Leben im Untergrund finanziert Vor dem Landgericht in Verden war Klette wegen Überfällen auf Geldtransporter und Supermärkte angeklagt. Mehrere Jahre hatte das frühere RAF-Mitglied unerkannt in der Illegalität gelebt, bis sie im Februar 2024 in Berlin festgenommen wurde. Mit ihren Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Straub soll sie die Überfälle verübt haben, mit dem erbeuteten Geld sollen die Ex-Terroristen ihr Leben im Untergrund finanziert haben. Garweg und Straub sind weiterhin auf der Flucht. Klette wurde in Verden zu 13 Jahren Haft verurteilt. Noch ist das Urteil gegen die Siebenundsechzigjährige nicht rechtskräftig. Bei dem möglichen Verfahren in Frankfurt geht es um drei RAF-Anschläge, die zwischen 1990 und 1993 verübt wurden: einen Sprengstoffanschlag im Februar 1990 auf ein Deutsche-Bank-Gebäude in Eschborn, den Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Bonn im Februar 1991 sowie um die Sprengung eines Gefängnisneubaus im April 1998 in Weiterstadt. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass Klette an allen drei Attentaten beteiligt war. Deshalb hat sie am Frankfurter Oberlandesgericht Anklage gegen sie erhoben. Die Ermittler werfen Klette zwei Mordversuche vor Die Ermittler sagen, dass es bei den Anschlägen in Eschborn und in Bonn zur Tötung von Menschen hätte kommen können. Klette werfen sie vor, bei dem Anschlag auf die Bonner Botschaft zu den drei Tätern gezählt zu haben, die mindestens 250 Schüsse auf das Gebäude abgegeben haben. 20 Personen seien dadurch in Gefahr gewesen. In Eschborn haben die Terroristen einen mit Sprengstoff beladenen VW-Golf vor der Bank geparkt. Weil der Zünder der Bombe nicht funktionierte, kam es nicht zur Explosion. Klette soll laut Bundesanwaltschaft dabei geholfen haben, den Sprengstoff im Kofferraum des Autos einzubauen. Wäre der Sprengsatz explodiert, hätten dabei drei Sicherheitsmitarbeiter der Bank getötet werden können, glauben die Ermittler. Klette werfen sie zweifachen versuchten Mord, die Beteiligung an versuchten und vollendeten Sprengstoffanschlägen, erpresserischen Menschenraub sowie besonders schweren Raub in Mittäterschaft vor. Der im Internet veröffentlichte Aufruf, der um mehr Solidarität für das frühere RAF-Mitglied wirbt, wurde von der Initiative „Freiheit für Daniela Klette“ geschrieben. In ihr seien „Genoss*innen der IL, die seit den 1980/1990er Jahren politisch aktiv sind“, organisiert, heißt es. In deren Augen ist Klette keine gefährliche Terroristin, sondern ein Vorbild. „Da sitzt eine standhafte Linke vor Gericht, die klare Kriterien und ein klares Verhältnis zu Staat und Repression hat“, schreiben sie. Für die linksextremen Autoren gehört die RAF-Terroristin Klette zu den „Menschen, die einen konsequenten Weg gegangen sind und bewaffnet gekämpft haben“. Und sie sagen sogar, dass „eine zeitgemäße militante Politik“ auch heute noch „notwendig“ sei: Sie würde „die Möglichkeiten linker Kämpfe erweitern und diese erfolgreicher machen“. Von der Gewalt der RAF, die zu zahlreichen Toten führte, distanzieren sich die Verfasser in ihrem Beitrag nicht. Die RAF sei früher „nicht isoliert“ gewesen, „Tausende waren für die RAF auf der Straße, Zehntausende wurden in Zeiten mancher Hungerstreiks mobilisiert“, behaupten die RAF-Sympathisanten in ihrem Blogbeitrag – und übertreiben damit sicherlich deutlich. Ihr Ziel für den anstehenden Klette-Prozess in Frankfurt formulieren sie klar: Den Protest wollen sie auf „eine breitere Basis“ als in Verden stellen. Ob das gelingt, wird sich zeigen.