FAZ 22.05.2026
16:14 Uhr

Rapper Flo Rida: Schuhe aus, die Party beginnt


Zwischen Champagnerdusche, Rosenregen und signierten Schuhen: Flo Rida ist nach langer Pause wieder auf Tour und macht Party in der Frankfurter Festhalle.

Rapper Flo Rida: Schuhe aus, die Party beginnt

Während sich die einen in der Festhalle noch etwas zu trinken holen, nehmen die anderen schon mal Platz. Dazwischen ein Sanitäter, der nach dem Rechten schaut. Anglerhut, Brille und Handy in der Hand – er wirkt etwas suspekt, doch niemand beachtet ihn. Erst später, auf Instagram, wird klar: Das war kein Sanitäter. Das war der Superstar des Abends, US-Rapper Flo Rida. Das passt zu ihm: Flo Rida gilt als musikalisches Chamäleon. Der 46 Jahre alte Musiker aus Miami – bürgerlich Tramar Dillard – gehört in den Nullerjahren zu den ersten Künstlern, die Rap mit Pop und EDM zusammengebracht haben, als elektronische Beats im Hip-Hop noch eher skeptisch beäugt wurden. Das Ergebnis: Songs wie „Wild Ones“, „Club Canʼt Handle Me“ oder „GDFR“, die weniger über Tiefgang funktionieren als über die Frage: Kann man dazu feiern? Die klare Antwort gibt die Menge: Ja. Er animiert dazu, steilzugehen. Denn: „Was in Frankfurt passiert, bleibt in Frankfurt.“ Mischt sich als Gastgeber unter die Menge Die Halle ist nur zu einem Drittel mit überwiegend weiblichem Publikum gefüllt, aber es gilt: „Das ist keine Performance. Das ist auch keine Show. Das ist eine Party.“ Also Hände hoch, und los gehtʼs. Zum Auftakt fliegen Rosen ins Publikum. Später folgen Champagnerduschen. Flo Rida läuft nicht nur über die Bühne, der Gastgeber mischt sich auch während seines Sets unter die Menge: Bei „Right Round“ taucht er plötzlich auf dem Rang auf und singt mitten zwischen den Fans – und lässt sich auf den Schultern seines Leibwächters durch die Menge tragen. Dabei hilft ihm seine Liveband „Flo Fusion“ – eine kleine Überraschung. Viele Rapshows verlassen sich heute auf DJ plus Playback. Flo Rida bringt Musiker mit. Das gibt Songs wie „In the Ayer“, „Cake“ oder „Whistle“ mehr Druck, mehr Dynamik und vor allem mehr Konzertgefühl. Der eigentliche Star des Abends bleibt aber das Publikum. Bei „Low“, seinem wohl größten Hit, holt Flo Rida rund 40 Frauen auf die Bühne, die mit ihm gemeinsam feiern und zu „Move Shake Drop“ alles schütteln, was sie haben. Aber er holt auch seine „Fellas“ auf die Bühne: Drei Dutzend Männer scharen sich um ihn und posieren mit den Armen verschränkt für ein Foto. Mittendrin zwei Grundschuljungs, einer bekommt kurzerhand Flo Ridas Lederjacke und Sonnenbrille angezogen, dazu eine Einweisung vom Profi, wie man sich richtig in Szene setzt. Diese Party bleibt im Gedächtnis Es sind diese Momente, die den Abend besonders machen: Flo Rida wirkt nicht wie jemand, der ein Konzert abarbeitet. Eher wie jemand, der tatsächlich Spaß daran hat, mit Menschen zu feiern. Spätestens als er sagt: „Immer, wenn ich nach Deutschland komme, fühlt es sich an wie Zuhause. Ich mach es mir gemütlich, ziehe meine Schuhe aus“, ist klar, dass das keine Floskel bleiben wird. Er zieht die Schuhe wirklich aus, signiert sie, wirft sie ins Publikum und singt direkt danach „My House“. Flo Rida liefert keine große künstlerische Neuerfindung. Er erzählt keine komplizierten Geschichten. Er verwandelt die Festhalle für anderthalb Stunden in einen überdimensionierten Club – und beweist, dass Partyhits manchmal genau das sein dürfen: Partyhits. Obwohl sein letztes Album „My House“ vor mehr als zehn Jahren erschienen ist, tourt er durch die großen Hallen Europas unter dem Motto „Club Canʼt Handle“. Und konnte Frankfurt mit Flo Rida umgehen? Definitiv. So mancher hat schließlich eine Dekade auf diesen Moment gewartet, da seine Tour 2016 ausfiel. Und was sagt der Rapper dazu? „There ainʼt no party like a Frankfurt party, because a Frankfurt party donʼt stop“.