SpaceX hat seinen mit Spannung erwarteten Börsenprospekt vorgelegt. Damit hat das von Elon Musk gegründete Raumfahrtunternehmen erstmals ausführliche Finanzdaten und Informationen über seine Eigentümerstruktur vorgelegt. SpaceX präsentierte sich in dem Dokument als wachstumsstarkes Unternehmen, was insbesondere seiner Satellitensparte Starlink zu verdanken ist. Eine besonders bemerkenswerte Erkenntnis aus dem Börsenprospekt ist, mit welcher Machtfülle SpaceX Musk ausgestattet hat. Das Unternehmen hat zwei Klassen von Aktien mit unterschiedlichen Stimmrechten. Musk hält eine überwältigende Mehrheit der privilegierten B-Aktien, die jeweils zehn Stimmrechte haben. Die gewöhnlichen Aktionäre werden A-Aktien mit jeweils einem Stimmrecht bekommen. Insgesamt hält Musk 85 Prozent der Stimmrechte an SpaceX. Musk hat außerdem dafür gesorgt, dass er praktisch unkündbar ist. Im Börsenprospekt heißt es, Musk könne nur von den Inhabern der B-Aktien von seinen Positionen als Vorstandschef und Vorsitzender des Verwaltungsrats entfernt werden. Da er selbst die Mehrheit an diesen Aktien hält, führt also kein Weg an ihm vorbei. Beim Autohersteller Tesla, seinem bisher einzigen börsennotierten Unternehmen, hat er seine Machtposition nicht annähernd so stark gefestigt. Tesla hat nur eine Klasse von Aktien für alle Anteilseigner, und Musk hält derzeit einen Anteil von rund 13 Prozent. Allerdings hat er sich unlängst ein Gehaltspaket gewähren lassen, das seine Beteiligung auf 25 Prozent steigen lassen könnte. „Nicht in unserem oder Ihrem besten Interesse“ In dem für Börsenprospekte üblichen Abschnitt mit „Risikofaktoren“ warnt SpaceX seine künftigen Aktionäre ausdrücklich, dass sie nur begrenzten oder gar keinen Einfluss ausüben können. Weiter wird darauf hingewiesen, dass Mitglieder des Verwaltungsrats Verbindungen zu Musk haben, was zu „Interessenkonflikten“ führen könne. „Die Lösung dieser Interessenkonflikte wird vielleicht nicht in unserem oder Ihrem besten Interesse sein“, sagt SpaceX mit Blick auf die Aktionäre. Mehrere Verwaltungsräte von SpaceX haben langjährige Geschäftsbeziehungen zu Musk. Unter den Risikofaktoren sagt das Unternehmen weiter, es sei „höchst abhängig“ von Musk: „Seine Führungsstärke, Vision und Expertise sind entscheidend für die Entwicklung unserer Technologien und die Ausführung unserer Strategie.“ In diesem Zusammenhang heißt es auch, dass Musk SpaceX wegen seiner anderen Unternehmen wie Tesla nicht seine „volle Aufmerksamkeit“ gebe. Der Börsenprospekt spielt auch darauf an, dass Musk mit seiner politischen Positionierung immer wieder für Kontroversen sorgt. Aussagen von Musk könnten „erhebliche öffentliche Aufmerksamkeit“ auf SpaceX ziehen und „positive oder negative Auswirkungen“ auf das Geschäft des Unternehmens und den Aktienkurs haben, heißt es. Musk war zeitweise ein Berater des US-Präsidenten Donald Trump und hat mit der Arbeitsgruppe DOGE radikale Einschnitte in amerikanischen Behörden durchgesetzt. Dies löste eine Welle von Protesten vor Tesla-Geschäften aus. Er hat zwar mittlerweile keine offizielle Rolle mehr in der Regierung, fällt aber weiter regelmäßig mit provozierenden politischen Äußerungen auf. Durch den Börsengang von SpaceX wird Musk auf dem Papier wohl zum Billionär werden. Er ist heute schon der mit Abstand reichste Mensch der Welt. Die Zeitschrift „Forbes“ beziffert sein Vermögen derzeit auf 808 Milliarden Dollar. Das Börsendebüt von SpaceX dürfte Rekorde brechen. Das Unternehmen will rund 75 Milliarden Dollar von Investoren einsammeln, weit mehr als jeder Börsenneuling jemals zuvor. Der bisherige Rekordhalter ist der saudische Ölkonzern Saudi Aramco, dessen Börsengang 2019 rund 29 Milliarden Dollar einbrachte. Höher bewertet als Tesla SpaceX peilt angeblich eine Marktkapitalisierung von 1,75 Billionen Dollar an und würde damit aus dem Stand zu den zehn wertvollsten börsennotierten Unternehmen gehören. SpaceX würde damit auch Tesla hinter sich lassen. Der Autohersteller wird im Moment mit rund 1,3 Billionen Dollar bewertet. Für einen Börsendebütanten ist SpaceX schon vergleichsweise alt. Das Unternehmen wurde 2002 gegründet. Es bewegt sich freilich in einer schwierigen Branche, die keine schnellen Durchbrüche verheißt. In seinen frühen Jahren hat es kaum Umsätze erzielt und musste viele Rückschläge hinnehmen, eine Reihe von Raketenstarts scheiterten. Nach und nach wurde SpaceX aber zum Vorzeigeunternehmen der amerikanischen Raumfahrtindustrie und etablierte sich als zentraler Partner der US-Raumfahrtbehörde NASA. Das Unternehmen hat Meilensteine für die ganze Branche erreicht und es zum Beispiel zur Routine gemacht, Trägerraketen nach absolvierten Missionen heil zur Erde zurückzubringen und wiederzuverwerten, was erhebliche Kostenersparnisse bringt. 2020 gelang es SpaceX, erstmals seit dem Ende des Spaceshuttle-Programms wieder Astronauten von amerikanischem Boden ins All zu befördern. Seither gab es eine ganze Reihe solcher bemannter Flüge. SpaceX entwickelt auch eine Landefähre, die der NASA bei Missionen zum Mond im Rahmen des Programms Artemis helfen soll. Auch Starlink und die Plattform X gehören zu SpaceX Ein immer wichtigerer Teil des Geschäfts ist die Satellitensparte Starlink. Sie stellt mithilfe von Satelliten aus dem Weltall Hochgeschwindigkeitszugänge zum Internet zur Verfügung. Zu den Kunden gehören Unternehmen, Regierungen und Privathaushalte. Nach Angaben im Börsenprospekt hatte Starlink Ende des ersten Quartals 10,3 Millionen Abonnenten und damit mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Starlink ist auch das profitabelste Geschäft und war 2025 und auch im ersten Quartal dieses Jahres die einzige Sparte mit einem positiven Betriebsergebnis. Musk hat SpaceX in diesem Jahr zu einem Konglomerat gemacht, dessen Geschäft weit über Raumfahrt hinausgeht. SpaceX hat das auf Künstliche Intelligenz spezialisierte Unternehmen X.AI erworben, das ebenfalls von Musk gegründet wurde und mit dem ChatGPT-Entwickler Open AI und Anthropic konkurriert. X.AI hat im vergangenen Jahr auch die Onlineplattform X gekauft, die damit nun ebenfalls zu SpaceX gehört. Wie aus dem Börsenprospekt hervorgeht, hat SpaceX im vergangenen Jahr einen Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar erzielt, ein Zuwachs von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon entfielen 11,4 Milliarden Dollar auf Starlink. Das klassische Raketengeschäft von SpaceX steuerte 4,1 Milliarden Dollar bei und die KI-Sparte 3,2 Milliarden Dollar. SpaceX hat für 2025 einen Verlust von 4,9 Milliarden Dollar ausgewiesen. Dies geht zu einem erheblichen Teil auf die neu erworbene KI-Sparte zurück. 2024 war SpaceX profitabel und erzielte einen Nettogewinn von 791 Millionen Dollar. Im Börsenprospekt stehen auch finanzielle Details einer kürzlich geschlossenen Vereinbarung mit Anthropic, die offenbar sehr lukrativ ist. Demnach wird das KI-Unternehmen künftig Computerkapazitäten in einem Rechenzentrum von X.AI nutzen. Dies bringt SpaceX über einen Zeitraum von drei Jahren monatlich 1,25 Milliarden Dollar ein, also insgesamt 45 Milliarden Dollar. Dies unterstreicht einmal mehr, wie viel Geld KI-Unternehmen für den Ausbau ihrer Infrastruktur ausgeben. Es suggeriert allerdings auch, dass X.AI überschüssige Kapazitäten hat – und somit im Wettbewerb mit Unternehmen wie Open AI, Anthropic oder Google nicht allzu gut dasteht.
