Man muss zwar etwas genauer hinschauen, um sie zu erkennen, aber als Botschaft sind sie Ronald Rauhe wichtig: Der neue Staatsminister für Sport und Ehrenamt trägt am Revers die olympischen Ringe. Solche Pins vergibt das Internationale Olympische Komitee (IOC) zusammen mit den eigentlichen Medaillen, in diesem Fall der goldenen, die Rauhe 2021 bei den Spielen von Tokio im Kajak gewann. Er wolle damit zeigen, wofür er stehe, sagt Rauhe, und so war es keine Frage, dass die kleinen Ringe auch am Samstag zu seiner Garderobe gehörten, als der Deutsche Olympische Sportbund seinen Kandidaten für die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 kürte. Olympia ist ein Lebensthema für den 44 Jahre alten Rauhe, der Anfang September von Friedrich Merz zum Nachfolger von Christiane Schenderlein ernannt wurde. Es war eine überraschende Personalie, vor ihm waren andere gehandelt worden. Zugleich passt sein Profil ziemlich gut zu dem Posten, den Merz auch deshalb mit einem früheren Athleten besetzen wollte, um selbst etwas vom Glanz zu profitieren. In Sydney geweann er seine erste Medaille Rauhe hat schon vorher daran gearbeitet, eine Art olympischen Kreislauf in Gang zu bringen. Für ihn selbst begann er auf dem Sofa in Berlin, wo er 1992 mit seinem Vater, früherer deutscher Juniorenmeister, die Spiele von Barcelona im Fernsehen verfolgte. Ein Jahr später bewarb Berlin sich für die Spiele 2000, Rauhe setzte alles daran, dabei zu sein, und auch wenn die Spiele nach Sydney gingen: Rauhe gewann dort seine erste von fünf olympischen Medaillen. Im Sommer 2024 in Paris war er nach sechs Teilnahmen erstmals als Zuschauer dabei, zusammen mit seiner Frau Fanny, ebenfalls eine frühere Olympia-Kanutin, und den beiden Söhnen. Vom Glanz in den Kinderaugen schwärmte Rauhe, als er noch einen anderen Pin trug: den der Berliner Bewerbung, für die er sich als Botschafter einsetzte. Daraus wurde zu seinem Bedauern nichts. Als Staatsminister sitzt er jetzt an einem mächtigeren Hebel. Den will er nutzen, um die Spiele nun eben nach München zu holen, um die Voraussetzungen für Leistungssport zu stärken und so eine neue „olympische Generation“ für Deutschland zu gewinnen. Medaillen sind für Rauhe einerseits kein Selbstzweck. Es gehe darum, möglichst viele Kinder in Bewegung zu bringen. Aber Dabeisein ist ihm auch nicht alles. Plädoyers für mehr Leistungsbereitschaft und für einen „positiven Patriotismus“ hat er schon als Autor und Redner nach seinem Karriereende gehalten. Nach dem schwungvollen Start beginnt für Rauhe nun die eigentliche politische Arbeit. Olympia nach Deutschland zu holen, wird viel Geld und Einsatz erfordern. An seinem wird es nicht scheitern. Aber es wird auch darauf ankommen, anderen Beine zu machen – nicht zuletzt dem Kanzler.
