FAZ 06.10.2026
12:41 Uhr

Sachsen-Anhalt: Tobias Rausch ist der erste Landtagspräsident der AfD


Sein Vater war der erste Landtagsvizepräsident der AfD, nun wurde Tobias Rausch in Magdeburg zu ihrem ersten Landtagspräsidenten gewählt. Belastet ist er durch die Verwandtenaffäre.

Sachsen-Anhalt: Tobias Rausch ist der erste Landtagspräsident der AfD

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker an die Spitze eines deutschen Landtags gewählt worden. Der 35 Jahre alte Abgeordnete ist ein langjähriger Weggefährte von Ulrich Siegmund, der sich im Dezember zum ersten Ministerpräsidenten der AfD wählen lassen möchte. Beide wurden 1990 im Abstand von nur wenigen Wochen geboren und zählen zu einer Riege von sehr jungen AfD-Politikern, die 2016 gemeinsam in den Landtag eingezogen sind. Im Lauf der Jahre konnten sie dann ihren Einfluss im sachsen-anhaltischen AfD-Landesverband immer weiter ausbauen. Siegmund konzentrierte sich dabei auf die Außendarstellung der Partei und wurde Spitzenkandidat, Rausch kümmerte sich als Parlamentarischer Geschäftsführer stärker um eine effiziente Organisation. Zumindest in dieser Hinsicht dürfte Tobias Rausch das nötige Rüstzeug für die neue Aufgabe mitbringen. Das war bei seinem Vater, Daniel Rausch, noch anders: Der wurde 2016 zum ersten Landtagsvizepräsidenten der AfD gewählt, warf sein Amt aber kurz darauf wieder hin, nachdem er bei dessen Ausübung überfordert gewirkt hatte. Gut vernetzt mit dem bisherigen Amtsinhaber von der CDU Der Hinweis auf Rauschs Familie führt auch zur größten Hypothek, die auf ihm lastet: Tobias Rausch stand Anfang 2026 im Mittelpunkt der Verwandtenaffäre in seiner Partei, da sein persönliches Umfeld umfänglich von den Steuergeldern für die AfD profitierte. Drei seiner Geschwister und ein Schwager waren bei zwei AfD-Bundestagsabgeordneten aus Sachsen-Anhalt angestellt. Rauschs Ehefrau bezieht ein hohes Gehalt in der AfD-Landtagsfraktion. Und Tobias Rausch beschäftigte in seinem Abgeordnetenbüro vier Spieler des örtlichen Fußballklubs SV 09 Staßfurt als Minijobber. Der ausgebildete Kfz-Mechaniker und Immobilienkaufmann Rausch ist auch der Vorsitzende des Vereins und unterstützte ihn mit Geldern seiner Immobilienfirma. Der Vorgang rund um den Fußballverein belegt auch, wie weit die AfD bei der Festigung ihrer Machtbasis in Sachsen-Anhalt in den zurückliegenden Jahren gekommen ist. Die Partei ist in den ländlichen Gegenden tief verwurzelt, ihre Repräsentanten übernehmen dort lokale Honoratiorenposten. Dem Vernehmen nach ist Tobias Rausch auch mit dem bisherigen Landtagspräsidenten Gunnar Schellenberger von der CDU bestens vernetzt. Beide stammen aus dem Salzlandkreis und sitzen dort gemeinsam im Kreistag. Eine reibungslose Amtsübergabe dürfte damit  gewährleistet sein. Schellenberger, der wegen einiger Vorfälle und Eigenheiten bis tief in die Reihen der bisherigen Regierungskoalition für eine Fehlbesetzung gehalten wird, hat in seiner Amtszeit zudem die Einflussmöglichkeiten des Landtagspräsidenten ausgebaut. Auch das könnte Tobias Rausch nun zugutekommen.