Taxifahrer, die Kunden mit Gepäck bis auf den Bahnsteig bringen, Bewegung bei den Fahrpreisen und ein Abschied von der Einheitsfarbe Elfenbein: So stellt sich Thomas Mohnke die Zukunft der Branche vor. „Dafür ist Frankfurt die Forschungs- und Entwicklungsabteilung“, sagt der Unternehmer, der im Juni die größte Taxizentrale der Stadt gekauft hat. Die Übernahme von Taxi Frankfurt hat in der Branche einiges Aufsehen erregt, weil Mohnkes Unternehmensgruppe Safe Driver Group eng mit Uber zusammenarbeitet – der Onlineplattform, die dem Taxigewerbe seit Jahren das Leben schwer macht. Uber vermittelt Fahrten zu Preisen, die im Schnitt deutlich unter den Taxitarifen liegen. Die Autos und die Fahrer dafür organisiert die Safe Driver Group. Sie nutzt dafür ihre eigene Flotte, gibt aber auch Aufträge an Subunternehmer weiter. Mohnke betreibt in Berlin, wo die Safe Driver Group ihren Sitz hat, aber auch rund 200 Taxis. Aus seiner Sicht ergänzen sich die Zusammenarbeit mit Uber und das Taxigeschäft: Während junge Leute überwiegend die Apps von Fahrdienstvermittlern wie Uber oder Bolt nutzten, erreichten diese Plattformen viele Ältere nicht, sagt er. Taxis sollen mehr Service bieten Dass sich die Präferenzen verschiedener Altersgruppen unterscheiden, bestätigt eine Erhebung, die Mohnke beim Forschungsinstitut Mobilution in Auftrag gegeben hat. Im Juni wurden dafür in Frankfurt rund 900 Personen gefragt, ob sie mindestens einmal im Jahr in ein Taxi steigen. Von den Befragten zwischen 18 und 34 Jahren wurde das mehrheitlich verneint. In der Altersgruppe von 35 aufwärts nutzt dagegen gut jeder Zweite Taxis – allerdings „meist seltener als monatlich“, wie die Marktforscher notierten. Mohnke glaubt: Ältere Kunden würden öfter ein Taxi bestellen, wenn die Fahrer ihnen zum Beispiel Einkäufe zur Wohnungstür tragen würden oder Gepäck bis in den Zug. „Das Taxi muss sich servicemäßig neu erfinden“, sagt der Unternehmer, der selbst auf die Siebzig zugeht. Zwar gebe es auch heute Taxifahrer, die hilfsbedürftige Fahrgäste bis zur Wohnungstür brächten – aber vielen Kunden fehle die Gewissheit, dass derartige Wünsche auch wirklich erfüllt würden, sagt Mohnke. Wer schlecht zu Fuß sei, brauche diese Sicherheit, um sich überhaupt für einen Ausflug zu entscheiden. Wenn derartige Zusatzleistungen verbindlich gebucht werden könnten, wäre ein Teil der Kundschaft auch bereit, dafür einen Aufpreis zu zahlen, glaubt der Unternehmer. Gleichzeitig böten Leistungen jenseits des Transports von einer Adresse zur nächsten den Fahrern eine Zukunftsperspektive, argumentiert Mohnke. In den USA und in London sind schließlich schon die ersten Robotaxis unterwegs. „Das autonome Auto trägt aber keine Koffer“, sagt der Unternehmer. Bei der Taxizentrale Frankfurt will er für diese und andere Dienstleistungen ein „modulares Zubuchungssystem“ einführen. Außerdem will der Berliner neue, komfortablere Fahrzeuge anschaffen, die Taxiunternehmer dann bei der Taxizentrale mieten könnten – das soll die Modernisierung der Flotte beschleunigen, die dann aus Mohnkes Sicht auch nicht mehr durchgehend elfenbeinfarben sein müsste. Der neue Eigentümer will „einen breiteren Tarifkorridor“ Gleichzeitig will Mohnke an die Preise ran. Zu nachfrageschwachen Zeiten müsse Taxifahren günstiger werden, meint er. „Tagsüber werden viele Fahrten vom Arbeitgeber bezahlt oder von der Krankenkasse.“ Aber die Bereitschaft, am Feierabend ein Taxi zu bezahlen, sei bei den aktuellen Preisen gering. Der neue Eigentümer der Taxizentrale will deshalb an die Stadt Frankfurt herantreten und „um einen breiteren Tarifkorridor bitten“. Weil Taxen als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge gelten, werden die Tarife behördlich festgesetzt. In Frankfurt liegt die Kilometerpauschale bei 2,40 Euro, hinzu kommen ein Grundpreis von 4 Euro je Fahrt und gegebenenfalls Entgelte für Wartezeiten. Seit Ende 2024 kann anstelle der Abrechnung mit dem Taxameter aber auch vor der Fahrt ein Festbetrag für die gewünschte Strecke vereinbart werden; bei dessen Berechnung dürfen Kilometerpreise zwischen 2,40 und 4 Euro zugrunde gelegt werden. Genau an dieser Stelle wünscht sich Mohnke mehr Flexibilität. Außer der Stadt wird er davon allerdings auch die Taxi-Vereinigung Frankfurt überzeugen müssen. Anders als die von Mohnke gekaufte Taxizentrale, die als Dienstleister für die Vermittlung zuständig ist, ist die Vereinigung eine Interessenvertretung. Im Auftrag von rund 900 Taxiunternehmern handelt die Taxi-Vereinigung mit der Stadt alle paar Jahre neue Tarife aus. Ihr Vorsitzender Ergin Koc sagt: „Wir sind uns mit Herrn Mohnke einig, dass der Service besser werden muss und die Preise bezahlbar sein müssen. Aber sie müssen auch wirtschaftlich sein für die Unternehmer.“ Eine Halbierung des gegenwärtigen Taxitarifs von 2,40 Euro je Kilometer hielte Koc für nicht auskömmlich. Er weist darauf hin, dass mittlerweile selbst Mietwagen-Unternehmer, deren Fahrzeuge für Uber und andere Onlineplattformen unterwegs sind, die dafür gezahlten Honorare als zu niedrig kritisierten. Umgekehrt wäre es auch falsch, in nachfragestarken Zeiten Preise weit über dem aktuellen Taxitarif zu berechnen, findet Koc. „Damit nehmen Sie alten Leuten, die mit dem Taxi zum Markt wollen, die Mobilität.“ Für Zusatzdienste müssten auch neue Parkmöglichkeiten her Zusatzleistungen anzubieten, hält der Vorsitzende der Taxi-Vereinigung für sinnvoll – allerdings sieht er bei der praktischen Umsetzung noch Fragezeichen. Wenn ein Taxifahrer einem Fahrgast den Koffer ins oberste Stockwerk trage, brauche er einen Parkplatz. Das sei in dicht besiedelten Wohnvierteln wie dem Westend nicht einfach. „Schon jetzt gibt es oft Schwierigkeiten, wenn Taxifahrer von ihrem Recht Gebrauch machen, in der zweiten Reihe zu parken, wenn sie Fahrgäste ein- und aussteigen lassen.“ Die Frage nach einem geeigneten Parkplatz stellt sich auch bei einer Begleitung zum Zug. Zwar gibt es vor dem Hauptbahnhof einen großen Taxi-Standplatz, bislang ist der aber nicht darauf ausgelegt, dass Fahrer ihre Autos dort längere Zeit allein stehen lassen. Mohnke gibt sich zuversichtlich, für diese Fragen mit der Stadt Lösungen zu finden. Die von ihm selbst in Auftrag gegebene Umfrage ergab indes, dass sich die Bereitschaft, für Zusatzleistungen einen Aufpreis zu zahlen, in Grenzen hält. Nur 260 der 570 Taxinutzer unter den Befragten zeigten sich damit einverstanden, die meisten davon wiederum gaben an, der Aufschlag sollte höchstens zehn Prozent betragen. In der Auswertung wird diesbezüglich allerdings nicht zwischen verschiedenen Zusatzdiensten differenziert – ob für einen so aufwändigen Service wie die Begleitung auf den Bahnsteig auch höhere Zuschläge akzeptiert würden, bleibt damit offen. Neues Buchungssystem kommt Anfang 2027 Bis die neuen Angebote am Markt getestet werden können, werden noch einige Monate vergehen – denn Mohnke will dafür eine neue Buchungs-Software einführen, die wohl erst im ersten Quartal 2027 voll funktionsfähig sein wird. Der Unternehmer investiert in die Taxizentrale, die künftig Taxi First Mobility heißen soll, einen höheren einstelligen Millionenbetrag. Darin enthalten ist auch der Kaufpreis für das Gebäude im Gutleutviertel, wo die Taxizentrale mit rund 40 Beschäftigten ihren Sitz hat. Aufgelöst wird allerdings ein Callcenter in der Türkei, das bislang einen Teil der Anrufe entgegennahm. Künftig soll in Spitzenzeiten eine Künstliche Intelligenz aushelfen. Dazu muss man wissen, dass das Callcenter im Gutleutviertel auch Taxibestellungen aus anderen Städten aufnimmt: aus Hanau, Offenbach, Rüsselsheim, Fulda, Heidelberg und Dortmund. Auch der kleinere Frankfurter Taxivermittler Main Taxi, der von der Best Ways GmbH aus Eschborn betrieben wird, bietet seine Dienste in verschiedenen Städten an. Dadurch lohne sich der Betrieb der Infrastruktur trotz rückläufiger Taxinutzung, sagt Best-Ways-Geschäftsführer Holger Brück. Die telefonische Vermittlung, heißt es bei beiden Anbietern, bleibe für viele Kunden attraktiv: So kommen mehr als die Hälfte der Anrufe, die bei Taxi Frankfurt eingehen, vom Handy. Von Kunden also, die theoretisch auch eine App nutzen könnten – das aber nicht machen.
