FAZ 07.05.2026
06:47 Uhr

Scholz meldet sich: Scholz’ Antwort im Kanzlerfernduell


Der Bundeskanzler a. D. erinnert die Union daran, dass sie mit der AfD nicht zusammengehen dürfe. Warum tut er das?

Scholz meldet sich: Scholz’ Antwort im Kanzlerfernduell

Als hätte es dieser Erinnerung bedurft: Die AfD sei eine „antipluralistische Partei“, mit der kein Staat zu machen sei, sagte Olaf Scholz am Dienstagabend in einer Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion. Das sei so wie 2005, als es – in diesem Falle – eine linke Mehrheit im Bundestag gegeben habe, aber die SPD der Versuchung sozusagen nicht erlag, mit der damaligen PDS zu koalieren oder sich von ihr auch nur dulden zu lassen. Scholz’ Wortmeldung war ungewöhnlich, weil sich der Bundeskanzler a. D. und nun normale Bundestagsabgeordnete bisher strikt an seine Ankündigung hielt, die Politik seiner Fraktion nicht öffentlich zu kommentieren. Das zeigt, dass es in der SPD womöglich doch die Sorge gibt, aus Gedankenspielen über ein Zusammengehen von Union und AfD könnte einst mehr werden – da kann Scholz’ Nachfolger im Amt noch so oft sagen, dass das mit ihm nicht zu machen sei. Friedrich Merz hatte seinerseits zuvor die SPD daran erinnert, dass sie wenig andere Handlungsmöglichkeiten hat, als mit CDU und CSU vernünftig zu regieren, und dass sie dafür ein paar mehr Kompromisse eingehen müsse. Scholz’ Antwort im Kanzlerfernduell heißt darum übersetzt: Danke gleichfalls! Das nennt man politisches Patt oder auch Schicksalsgemeinschaft. Scholz hat darauf noch einmal Zement gegossen, anstatt einen Lösungsversuch zu unternehmen. Voraussetzung des gegenseitigen Am-Boden-Haltens ist, dass die AfD so bleibt, wie sie ist. Wovon man leider ausgehen muss.