FAZ 08.05.2026
07:00 Uhr

Schutz für REisende und Personal: So soll der Frankfurter Hauptbahnhof sicherer werden


Bei der ersten „Sicher FFM Infomeile“ zeigen Bahn, Stadt und Polizei, wie sie den Frankfurter Hauptbahnhof sicherer machen wollen.

Schutz für REisende und Personal: So soll der Frankfurter Hauptbahnhof sicherer werden

Die junge Frau steht vor dem Fahrkartenautomaten und sucht nach der richtigen Taste. Da stößt sie von hinten ein Mann in brauner Lederjacke an und entschuldigt sich wortreich. Als die blonde Frau nach dem Handy in der Gesäßtasche der Jeans greifen will, ist es verschwunden. Der Dieb heißt Eric Finkler, ist Bundespolizist und erklärt den Umstehenden, wie der Stoß an das Bein das Opfer abgelenkt hat. Mit seiner Kollegin Marsha Rothe führt er vor, wie Taschendiebe arbeiten. Die Stichworte kennt man aus dem Polizeibericht: der falsche Tourist, der mit dem Stadtplan den Griff nach den Wertsachen verdeckt, oder der Fleckentrick, bei dem das Opfer durch Senf auf der Jacke abgelenkt wird. Mit solchen Fällen haben es die Bundespolizisten am und im Frankfurter Hauptbahnhof regelmäßig zu tun. Dessen Foyer ist an diesem Donnerstag allerdings kein guter Ort für Taschendiebe. Es wimmelt von Polizisten, mit allerlei Utensilien bepackten Männern in Warnwesten und Stadtpolizisten, die ihre Institutionen an Ständen präsentieren. Bei der ersten „Sicher FFM Infomeile“ geht es darum, wie der Bahnhof ein möglichst sicherer Ort werden soll. Zu diesem Zweck haben Deutsche Bahn, Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), Stadt und Polizeibehörden im vergangenen September eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Sie besteht unter anderem aus gemeinsamen Streifen nicht nur im Hauptbahnhof, sondern auch im Bahnhof Höchst, an der Hauptwache und an der Konstablerwache. Außerdem wurde die Videoüberwachung ausgebaut. Die „Infomeile“ im Hauptbahnhof, eine Art Mini-Messe, soll einen Einblick in die Sicherheitskonzepte geben. Innenminister: 1000 Straftaten durch Kameras aufgeklärt „Jeder Kooperationspartner bringt sich mit seiner Zuständigkeit ein“, sagt der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU). Die Landespolizei etwa setze die Waffenverbotszone im Bahnhofsviertel durch und arbeite bei den Videoschutzanlagen gut mit der Stadt zusammen. „Dadurch wurden im vergangenen Jahr mehr als 1000 Straftaten aufgeklärt und 200 Täter überführt.“ Für Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) ist die jüngste Umfrage der Stadt zum „Leben in Frankfurt“ ein Beleg dafür, wie wichtig Sicherheit für die Menschen sei. Er verteidigt die Waffenverbotszone: „Jedes Messer, das wir aus dem Verkehr ziehen können, ist zuerst einmal Opferschutz.“ Auch die Videoüberwachung werde von Ladenbesitzern ebenso gefordert wie von Passanten. Katja Hüske, im Vorstand der Deutsche-Bahn-Tochtergesellschaft Infrago für Personenbahnhöfe zuständig, berichtet von einem Sofortprogramm Sicherheit, für das seit Anfang des Jahres 50 Millionen Euro in Deutschland zusätzlich bereitgestellt worden seien. Das Geld werde für Reinigungskolonnen und kleine Handwerkerteams ausgegeben, das Personal für Sicherheit sei um 40 Prozent aufgestockt worden. Die in Metropolbahnhöfen wie Frankfurt schon installierte Videotechnik werde auf kleinere ausgeweitet. Über die Lautsprecher ist unterdessen die Durchsage zu hören, dass im Hauptbahnhof der Konsum von Alkohol verboten ist. Diese Regelung gilt in Frankfurt seit dem 1. Mai, weshalb es für eine Bewertung noch zu früh ist. „In München und Hamburg sind die Erfahrungen mit einem Alkoholverbot aber durchaus positiv“, sagt Hüske. Dort gebe es das seit Jahren. Im Einzelfall reagiere man mit Augenmaß – etwa wenn Hunderte Fußballfans auf dem Weg zum Stadion auf dem Bahnsteig warteten. Am Stand der Landespolizei zeigt Sascha Köhler in einer Vitrine eine kleine Auswahl der 378 Gegenstände, die in der Waffenverbotszone sichergestellt wurden. Dazu zählen eine Streitaxt, eine Machete und eine Minipistole, die in einer großen Gürtelschnalle versteckt ist. „Sie kann trotzdem scharf schießen“, sagt Köhler. Ein Schweizer Taschenmesser liegt ebenfalls dort. „Seit 1. Januar 2025 gilt das Verbot auch für Messer mit einer Klinge, die kürzer als zwölf Zentimeter ist“, erläutert der Polizist. Bei der VGF geht es nicht nur um den Sicherheitsdienst, der nach den Worten von Arbeitsdirektorin Kerstin Jerchel sowohl den Fahrgästen als auch den Fahrern zugutekommen soll. Die Verkehrsgesellschaft bietet auch Führungen an, für die eigens ein U-Bahn-Zug an einem derzeit nicht genutzten Gleis steht. Darin erläutert Fabian Düsterdiek, warum die U-Bahn nicht abrupt hält, wenn man die Notbremse zieht. „Sie fährt bis zur nächsten Station, denn der Rettungswagen kommt nicht in den Tunnel.“