FAZ 07.05.2026
19:57 Uhr

Spaltmaterial: Iran, Trump und der „Atomstaub“


Wieder stellt Trump einen raschen Atom-Deal mit Iran in Aussicht. Worum geht es bei der Anreicherung? Welches Spaltmaterial hat Iran? Die wichtigsten Fragen und Antworten

Spaltmaterial: Iran, Trump und der „Atomstaub“

Donald Trump wird nicht müde, einen umfassenden Deal mit Iran in Aussicht zu stellen. Besonders wichtig ist dabei die Atomfrage – schon weil Trump beweisen muss, dass er mehr erreicht als vor gut zehn Jahren Barack Obama mit dem Nuklearabkommen, das Trump später aushöhlte. Nach amerikanischen Medienberichten wird zwischen Washington und Teheran unter anderem intensiv um die Dauer eines möglichen Moratoriums für die Urananreicherung diskutiert. Schon vor dem Krieg hatte Iran angeboten, die Urananreicherung für fünf Jahre auszusetzen. Nach US-Medienberichten verlangen die USA derzeit ein erheblich längeres Moratorium und ein dauerhaftes Verbot, Uran zu mehr als vier Prozent anzureichern, sowie weitreichende Kontrollrechte für die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA). Welches Spaltmaterial hat Iran? Laut einem Bericht des gewöhnlich gut informierten Institute for Science and International Security (ISIS) vom 9. April hat Iran insgesamt etwa 1235 Kilogramm angereichertes Uran in den vergangenen 15 Jahren produziert. „Das seit Anfang 2021 produzierte Uran wurde größtenteils zur weiteren Anreicherung auf 60 Prozent verwendet. Von den 933 Kilogramm wurden 731 Kilogramm, also 78 Prozent, zwischen Dezember 2024 und Juni 2025 auf 60 Prozent angereichert“, heißt es im Report. Warum sind die Schwellenwerte von 20 und 60 Prozent relevant? Jenseits von 20 Prozent spricht man von hoch angereichertem Uran. Material, das bereits auf 20 Prozent angereichert wurde, lässt sich vergleichsweise schnell zu waffenfähigem Uran weiterverarbeiten. Während für die Herstellung von Brennstäben für gängige Leichtwasserreaktoren zur Energiegewinnung zu weniger als vier Prozent angereichertes Uran ausreicht, lässt sich Material, das schon auf 20 Prozent angereichert wurde, schnell noch stärker anreichern. Das gilt umso mehr für das auf 60 Prozent angereicherte Material. Für die Waffenfähigkeit ist ein Anreicherungsgrad von gut 90 Prozent erforderlich. Die Analysten des ISIS legen dar, dass Iran von April 2021 bis Dezember 2024 etwa 230 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran produziert habe. Bis im Juni 2025 die Anlagen bombardiert wurden, habe sich dieser Bestand in nur sechs Monaten auf 440 Kilogramm gesteigert. Diese Dynamik verstärke den Verdacht, Iran habe eine Atomwaffe bauen wollen. Was ist „Atomstaub“? Trump hat oft das Wort „Atomstaub“ verwendet. Damit scheint er darauf anzuspielen, dass Irans Bestände von angereichertem Uran wohl ganz oder zu großen Teilen unter den im Juni 2025 bombardierten Anreicherungsanlagen verschüttet liegen, wie die IAEA annimmt. Die USA und Israel haben die drei wichtigsten iranischen Nuklearanlagen Natans, Fordo und Isfahan angegriffen. Deren Produktionshallen liegen teils tief unter Bergen. Trump hat zuletzt im April nahegelegt, Iran habe zugesagt, seine Bestände an angereichertem Uran den USA zu übergeben. „Sie haben zugestimmt, uns den Atomstaub zurückzugeben“, sagte Trump vor Journalisten. Teheran wies dies umgehend zurück. Früher hatte der US-Präsident sogar davon geredet, die USA und Iran könnten das Material gemeinsam ausgraben und verschiffen. Wofür braucht Iran das Uran? Von iranischer Seite heißt es, man brauche Uran für zivile Zwecke. Auf 20 Prozent angereichertes Uran sei für den Betrieb eines Forschungsreaktors in Teheran (TRR) nötig, wo vor allem Radionuklide hergestellt würden. Diese braucht man etwa für Krebstherapien. Rafael Grossi, Generaldirektor der IAEA, sagte in einem Interview im März 2026 jedoch, der Forschungsreaktor, den die IAEA regelmäßig inspiziert, sei ein „Reaktor, der potentiell zur Produktion von Radioisotopen genutzt werden könnte. Es gab nur sehr, sehr wenig … Es gab nur eine begrenzte Nutzung.“ Der Report des ISIS verweist zudem auf den tatsächlichen Brennstoffverbrauch des Reaktors. In vier Jahren wurden demnach in Summe nur zehn Standardbrennelemente und ein Steuerbrennelement in den Reaktorkern eingesetzt – dafür bräuchte man etwa 15,4 Kilogramm Uran, das auf 20 Prozent angereichert wurde. Hinzu kommt demnach, dass Russland Iran mit Brennstoffkomponenten versorgt. Diese „reichten aus, um den Reaktor zu betreiben“, so die Analyse. ISIS kommt zu dem Schluss: Die Begründung Irans, zwanzigprozentiges Uran für medizinische Zwecke und die Energieversorgung im TRR zu brauchen, „hat sich als stark übertrieben erwiesen“. Vielmehr habe Iran die tatsächlich geringe Nutzung des Forschungsreaktors verschleiert.