FAZ 13.03.2026
18:56 Uhr

Spiele in Düsseldorf: Wie die NHL in Deutschland das Eis brechen will


Die Deutschen mögen Eishockey, davon will die NHL mehr profitieren: Die Liga schickt ihre Stars in den nächsten drei Saisons für Pflichtspiele nach Deutschland – und hat noch etwas anderes im Sinn.

Spiele in Düsseldorf: Wie die NHL in Deutschland das Eis brechen will

Das Düsseldorfer Eishockey hat schon bessere Tage gesehen. Teams voller Nationalspieler, acht Meisterschaften. Lange her alles, die Gegenwart heißt Mittelmaß in der zweiten Liga. Dennoch ist Düsseldorf am Wochenende so etwas wie Deutschlands Eishockey-Hauptstadt. Die nordamerikanische National Hockey League (NHL) hat in der Innenstadt ein kleines Dorf mit allerlei Mitmachstationen für die Fans aufgebaut. Es gibt Talkrunden mit ehemaligen NHL-Größen, eine Leinwand mit einem Livespiel, selbst der Stanley Cup ist da, die berühmte Meistertrophäe. „Hockey Day in Deutschland“ nennt sich das. Und er ist nicht zufällig in Düsseldorf. Am Freitag gab es auch eine Pressekonferenz der NHL, die dort das verkündete, was seit Tagen spekuliert wurde: Am 18. und 20. Dezember stehen sich die Ottawa Senators und die Chicago Blackhawks in Düsseldorf gegenüber. Erstmals seit 15 Jahren wird es dann Pflichtspiele der stärksten Eishockeyliga der Welt in Deutschland geben. Was vor allem für Tim Stützle aufregende Tage werden. Der 24 Jahre alte Stürmer der Ottawa Senators wuchs in Tönisvorst am Niederrhein auf, lernte das Eishockeyspielen in Krefeld. „Das wird ein Megaerlebnis – zumal meine Familie und viele Freunde da sein werden“, sagte Stützle per Videobotschaft. Und er soll nicht der einzige deutsche NHL-Star bleiben, der künftig in der Heimat vorbeikommt. In den nächsten drei Jahren sollen regelmäßig NHL-Spiele in Deutschland stattfinden. Dann auch mit den Edmonton Oilers und Leon Draisaitl oder mit den Detroit Red Wings und Moritz Seider. Worum es dabei geht, daraus macht Bill Daly kein Geheimnis: „Deutschland hat eine große Sportwirtschaft, hier wird viel Geld im Sport ausgegeben“, sagte der NHL-Vizechef im Gespräch mit der F.A.Z.: „Außerdem wissen wir, wie leidenschaftlich die Deutschen mit ihrem Sport sind, auch im Eishockey. Dort ist die Community noch nicht so groß, wie wir es gern hätten, aber wir versuchen, sie zu vergrößern.“ DIE NHL sieht in Deutschland den größten Wachstumsmarkt Neu ist die Idee nicht. Auch andere US-Ligen wie NFL (Football), NBA (Basketball) und MLB (Baseball) kommen regelmäßig in Europa vorbei. Die NHL tat das bereits 1938. Knapp 20 Jahre später spielte sie erstmals in Deutschland und seitdem immer wieder. Zuletzt gab es im Herbst 2024 ein Testspiel der Buffalo Sabres zur Eröffnung der Arena in München. Aber es waren eben meist Freundschaftsspiele, für die „richtigen“ Spiele ging es nach Schweden, Finnland oder in die Tschechische Republik. Nun wird Deutschland in den Kreis aufgenommen, die NHL hat den hiesigen als größten Wachstumsmarkt ausgemacht. Dass sich der Aufwand nicht sofort lohnt, wissen sie auch in Nordamerika. Überhaupt sei die Auslandsvermarktung nur ein „minimaler Teil“ der jährlichen Gesamteinnahmen von rund 6,5 Milliarden Euro, „deswegen sind wir nicht hier“, sagte NHL-Business-Präsident Keith Wachtel. „Wir wissen, dass es Zeit braucht, unsere Investitionen werden sich nicht sofort rechnen.“ Daher seien die Spiele in Düsseldorf auch keine einmalige Sache: „Wir müssen über einen längeren Zeitraum hierhin kommen. Es geht nicht darum, alle paar Jahre zu kommen. Wir müssen jedes Jahr hier spielen.“ Denn die Liga will nicht nur neue Fans gewinnen, sondern auch die Zahl der Aktiven steigern. NHL und DEL wollen zusammenarbeiten Das dürfte nicht einfach werden, Deutschland hat nur noch rund 150 Eishallen, viele Vereine haben Wartelisten für den Nachwuchs. Andererseits sind die Zeiten günstig. Mit Draisaitl, Stützle und Seider gibt es erstmals deutsche Superstars in der NHL, auch die Deutsche Eishockey Liga (DEL) wächst seit Jahren, was Umsatz und Zuschauerinteresse angeht. Umso mehr freut sich die NHL, dass sich diverse deutsche Städte für die Austragung des „World Cups“ beworben haben – das eigene Länderturnier der NHL, das von 2028 an alle vier Jahre stattfinden soll. Zur neuen internationalen Ausrichtung gehörte jüngst schon die Freigabe ihrer Spieler für die Olympischen Spiele in Mailand. Um all die Events und Spiele vermarkten zu können, muss aber die Basis wachsen. Auch in Deutschland. Dafür kündigte die NHL die Zusammenarbeit mit der DEL sowie dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) an. Nur wie die aussehen soll, da gebe es noch „keine konkreten Vorstellungen“, sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke der F.A.Z. Zwar seien NHL-Spiele in Deutschland „erst mal positiv“, sagte Tripcke, „aber man muss jetzt sehen, wie man sich gegenseitig befruchten kann. Es können nicht nur zwei Spiele sein, das bringt dann keinem groß etwas.“