Etwa 2500 zivile Schiffe warten darauf, durch die Straße von Hormus fahren zu können. Viele von ihnen transportieren Öl und Gas, die Energiepreise schossen in die Höhe. Die Blockade der Meerenge werde fortgesetzt, verkündete der neue geistliche Führer Irans, Modschtaba Khamenei, in einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung. Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur haben damit begonnen, Ölreserven freizugeben – und die G-7-Staaten wollen Schiffe bei der Durchfahrt durch die Meerenge schützen. Was haben die G-7-Staaten vor? Die G-7-Staaten haben sich bei ihrer Videokonferenz am Mittwoch auf einen Plan verständigt, um die freie Schifffahrt in der Straße von Hormus zu garantieren. Der Vorstoß geht auf den französischen Präsidenten Emmanuel Macron zurück, der derzeit die G-7-Präsidentschaft innehat. Es handele sich um eine „rein defensive“ Mission nach dem Vorbild der EU-Mission Aspides, an der außereuropäische Partner beteiligt werden sollten, hieß es. Diese Mission zur Eskorte von Tankern und Containerschiffen solle „so bald wie möglich nach dem Ende der heißesten Phase des Konflikts“ beginnen, sagte Macron bei einem Besuch in Zypern zu Wochenbeginn. In Frankreich überwiegt die Einschätzung, dass dem Westen vonseiten Irans ein langer Zermürbungskrieg in der Meerenge droht. Über eine amerikanische Beteiligung an der Sicherungsmission ist bislang nichts bekannt. In der G-7-Erklärung heißt es, es werde auch mit Reedern, Transportunternehmen und Versicherungen verhandelt. Was ist das Problem in der Straße von Hormus? Auch zivile Schiffe in der Region und insbesondere in der Straße von Hormus werden Opfer von Beschuss. Das United Kingdom Maritime Trade Operations Centre hat seit dem 1. März 14 Meldungen über angegriffene zivile Schiffe veröffentlicht. In den meisten Fällen wurden sie von unbekannten Projektilen getroffen. Zudem meldete die deutsche Reederei Hapag-Lloyd an diesem Donnerstag, dass eines ihrer Containerschiffe von einem Granatensplitter getroffen worden sei. Das US Naval Institute berichtet von drei angegriffenen Containerschiffen alleine am 11. März, vermutlich durch Iran. Im Persischen Golf stecken nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder insgesamt rund 2000 zivile Schiffe fest, darunter etwa 30 Schiffe deutscher Reedereien. Ihr einziger Weg aus dem Binnenmeer heraus führt durch die Straße von Hormus. Auf der anderen Seite der Meerenge warten demnach rund 500 Schiffe darauf, durch die Straße in den Persischen Golf hineinfahren zu können. Die Blockade trifft vor allem den Ölmarkt: Die Preise schossen in die Höhe. Der Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, sagt, die globalen Energiemärkte befänden sich in einer „extrem kritischen Phase“. Rund ein Viertel des weltweiten Ölhandels läuft über die Straße von Hormus. Welche Kriegsschiffe sind in der Region oder sollen dorthin verlegt werden? Macron hat angekündigt, dass Frankreich acht Fregatten, zwei Hubschrauberträger und den Flugzeugträger Charles de Gaulle in die Region verlegen will. Der Flugzeugträger war bereits am Wochenende im östlichen Mittelmeer angekommen. „Diese Mobilisierung unserer Marine ist beispiellos“, sagte Macron auf einem Militärstützpunkt in Zypern. Er erklärte, dass die Charles de Gaulle im Rahmen der angekündigten Mission möglicherweise auch in der Straße von Hormus eingesetzt werden könnte. Die Charles de Gaulle ist das Flaggschiff der französischen Marine, ist ausgerüstet mit verschiedenen Waffensystemen und trägt derzeit 30 Rafale-Kampfflugzeuge sowie mehrere Hubschrauber und Aufklärungsflugzeuge mit sich. Sie wird begleitet von Fregatten aus Frankreich, den Niederlanden, Italien und Spanien sowie von einem französischen U-Boot. Auch Griechenland will mit zwei Fregatten zum Schutz von Zypern beitragen. Die EU-Mission Aspides im Roten Meer soll parallel dazu weiterlaufen und zudem verstärkt werden, hieß es in Paris. Es wird befürchtet, dass die mit Iran verbündeten Huthi im Jemen ihre Angriffe auf die Meerenge am Golf von Aden verstärken könnten. Am Dienstag schickte Großbritannien den Zerstörer HMS Dragon in Richtung Zypern. Laut BBC soll er in ungefähr einer Woche seinen Zielort erreichen. Seine Hauptaufgabe ist die Luftverteidigung: Ausgerüstet ist der Zerstörer mit dem Flugabwehrsystem Sea Viper. Außerdem trägt er zwei Hubschrauber mit sich, die feindliche Drohnen abwehren sollen. Der Flugzeugträger HMS Prince of Wales wurde in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, was nicht zwingend bedeutet, dass er in den Nahen Osten verlegt wird. Die größte Marinepräsenz in der Region haben nach wie vor die Vereinigten Staaten. Vor den Angriffen auf Iran hat das Land eine riesige Flotte im Nahen Osten zusammengezogen. Sie besteht unter anderem aus zwei Flugzeugträgern und deren Kampfgruppen, mehreren Zerstörern sowie U-Booten. Welcher Schutz wird in der Straße von Hormus gebraucht? Im Rahmen der Marinemission Aspides der EU operieren mehrere Kriegsschiffe im Seegebiet zwischen dem Golf von Oman, dem Golf von Aden und dem Roten Meer, um Handelsschiffe zu begleiten und zu beschützen. Sie bietet Anhaltspunkte dafür, was in der Straße von Hormus nötig sein könnte. In den ersten zwei Jahren hat Aspides 1570 Handelsschiffe unterstützt. Die Huthi griffen rund 180 Schiffe an, mindestens 30 wurden beschädigt und vier von ihnen versenkt. Die EU betrachtet den Einsatz gleichwohl als Erfolg. Fachleute in Brüssel glauben, dass für einen Einsatz an der Meerenge von Hormus deutlich mehr Kriegsschiffe eingesetzt werden müssten – wegen der Gefahr durch iranische Drohnen und der weit größeren Zahl iranischer Soldaten und Milizen. Erwartet wird, dass die EU-Außenminister am kommenden Montag auch über einen solchen Einsatz beraten werden. Derzeit sind im Rahmen von Aspides je eine Fregatte aus Italien, Griechenland und Frankreich im Einsatz. Zwei weitere französische Fregatten sind zur Verstärkung unterwegs. Das Mandat, das gerade um zwei Jahre verlängert wurde, lässt schon jetzt Einsätze im Persischen Golf zu. Allerdings operieren die Schiffe gemäß internen Festlegungen, die sich ändern lassen, nicht im gesamten Golf. Was ist, wenn die Straße von Hormus vermint wurde? In den vergangenen Tagen kamen Spekulationen auf, Iran könnte Seeminen in der Straße von Hormus ausgelegt haben. Sollte sich das erhärten, würde es die Durchfahrt noch erheblich erschweren. Die G-7-Staaten müssten dann einen sicheren Weg durch die Meerenge finden und gegebenenfalls freiräumen, den die Schiffe nicht verlassen dürften. Einen guten Überblick über eine Passage von etwa 1000 Metern Breite zu bekommen, könnte nach Einschätzung eines Sprechers der Deutschen Marine zwei bis drei Wochen dauern. Und selbst dann müssten Kriegsschiffe, die den Meeresboden mit Sonaranlagen nach Minen absuchen können, die Handelsschiffe durch die Straße von Hormus eskortieren. Der Marinesprecher geht davon aus, dass Iran grundsätzlich die Fähigkeiten hat, die Meerenge zu verminen. Seeminen lassen sich mit wenig Aufwand auch mit zivilen Schiffen auslegen. Was leistet Deutschland? Deutschland hält sich weiterhin fern vom Krisengebiet und dem Mittelmeer. Zwar befindet sich mit der Fregatte Nordrhein-Westfalen ein Schiff der Marine im Mittelmeer, allerdings handelt es sich um eine weniger gut bewaffnete Fregatte der F125-Klasse, die für Friedenseinsätze gebaut wurde. Die Entsendung einer kampfkräftigen Flugabwehrfregatte wäre möglich. Nach Auskunft des Verteidigungsministeriums ist aber in Absprache mit den EU- und NATO-Partnern vereinbart, dass Deutschland derzeit seine Aufgaben an der NATO-Ostflanke und im Nordatlantik beibehält und die Fregatte Sachsen nicht aus norwegischen Gewässern abgezogen wird. Die Fregatte Nordrhein-Westfalen nimmt an der UN-Mission Unifil in Libanon teil. Weitere seegehende Einheiten sind derzeit nicht in der Region. Bei der EU-Mission Aspides zum Schutz der Seewege im Roten Meer sind derzeit nur ein Dutzend Bundeswehrangehörige in Stabsdiensten eingesetzt. Ein Vorschlag aus der Union, Israels Luftwaffe zur Luftbetankung ein in Jordanien stationiertes Tankflugzeug zur Verfügung zu stellen, fand im parlamentarischen Raum keine Zustimmung. Dazu müsste zudem die Mission Counter Daesh geändert werden, die der Bekämpfung des IS-Terrors diente. Für Deutschland sind daran im Auftrag des Bundestages 280 Soldaten beteiligt, teils in Erbil im Nordirak, in Bagdad und auf der jordanischen Luftwaffenbasis Al Azrak, die zuletzt unter iranischem Beschuss gelegen hat. Und die Amerikaner? Die Behauptung von Energieminister Chris Wright, die Marine habe einen Öltanker durch die Straße eskortiert, wurde vom Weißen Haus dementiert. Militärische Eskorten blieben aber eine Option, wenn die iranischen Raketen zerstört seien, hieß es – obwohl das Pentagon sie als riskant erachtet. Donald Trump drohte Iran zwischenzeitlich mit noch viel härteren Schlägen, sollte es die Blockade fortsetzen. Er erwog zudem, die Kontrolle über die Straße zu übernehmen – und verlangte mehr Schneid von den Kapitänen der Schiffe. „Diese Schiffe sollten durch die Straße von Hormus fahren und ein bisschen Mumm beweisen“, zitierte der Sender Fox News Trump am Montag. „Es gibt nichts, wovor man Angst haben müsste. Sie (die Iraner) haben keine Marine. Wir haben alle ihre Schiffe versenkt.“
