Der amerikanische Präsident Donald Trump hat im Irankrieg seine Strategie schon oft und immer wieder auch abrupt geändert. Jetzt hat er das „Project Freedom“, mit dem Handelsschiffen die Fahrt durch die Straße von Hormus ermöglicht werden sollte, am Tag nach seinem Beginn gleich wieder ausgesetzt. Auf seiner Plattform Truth Social teilte er mit, er sei von „Pakistan und anderen Ländern“ gebeten worden, den Einsatz „für kurze Zeit auszusetzen, um zu sehen, ob eine Einigung erreicht und unterschrieben werden kann“. Pakistan ist ein Vermittler zwischen den Vereinigten Staaten und Iran; Trump hat einzelne Schritte in dem Konflikt schon in der Vergangenheit mit Bitten Pakistans begründet. Die Operation „Project Freedom“, an der eine große Zahl amerikanischer Soldaten beteiligt ist, hatte erst am Montag begonnen. Sie sollte durch militärischen Schutz im südlichen Teil der Straße von Hormus eine sichere Durchfahrt ermöglichen. Der US-Generalstabschef Dan Caine sagte, amerikanische Lenkwaffenzerstörer und andere Kriegsschiffe gingen gegen iranische Schnellboote und Drohnen vor, die eine Bedrohung in der Meerenge darstellten. Nach seinen Angaben stecken mehr als 1500 Schiffe mit etwa 22.500 Seeleuten im Persischen Golf fest. Am Montag, dem ersten Tag der Operation, nutzten nach amerikanischen Medienberichten zwei Handelsschiffe den amerikanischen Schutz, um die Straße von Hormus zu durchqueren. Die Aussetzung der Operation begründete Trump auch mit „großen Fortschritten“ in den Verhandlungen mit Iran. Weitere öffentliche Angaben dazu machte er nicht. Allerdings hat Trump schon in der Vergangenheit Fortschritte verkündet, ohne dass der Konflikt beigelegt werden konnte. Dabei wird Trumps Strategie weiterhin von innenpolitischen Problemen erschwert, einem neuen und zwei alten. Der Kongress Das neue Problem ist eine Folge der sogenannten „War Powers Resolution“ von 1973. Danach darf der Präsident bewaffnete Streitkräfte nur für 60 Tage ohne Zustimmung des Kongresses einsetzen. Diese Frist ist für den Irankrieg am 1. Mai abgelaufen, weil der Präsident den Kongress formal am 2. März von der Operation gegen Iran in Kenntnis gesetzt hatte. Die Regierung argumentiert nun, dass die Operation „Epic Fury“, mit der der Krieg begann, mit der jüngst verabredeten Waffenruhe beendet sei, weshalb eine Zustimmung des Kongresses nicht nötig sei. „Project Freedom“ in der Straße von Hormus sei ein neuer Einsatz. Diese Argumentation, die von den Demokraten kritisiert wird, dürfte es Trump erschweren, zu größeren Schlägen gegen Iran zurückzukehren, auch wenn er damit am Mittwoch wieder drohte. Selbst den als neu deklarierten Einsatz in der Straße von Hormus stellt die Regierung als begrenzt dar. „Wir suchen keinen Kampf“, sagte Verteidigungsminister Pete Hegseth. Die Wirtschaft Wie fast überall auf der Welt sind auch in den Vereinigten Staaten die Benzinpreise stark gestiegen. Eine Gallone (3,785 Liter) kostete am Montag durchschnittlich 4,452 Dollar. Am 23. Februar, wenige Tage vor Kriegsbeginn, lag der Preis noch bei 2,937 Dollar. Das Centre for Economic Policy Research, eine Forschungseinrichtung in Paris, hat zu Beginn der Woche eine Schätzung veröffentlicht, wonach die Inflation in den Vereinigten Staaten im Jahr 2026 um 0,6 Prozent (Kerninflation: 0,2 Prozent) steigen könnte, wenn die Blockade der Straße von Hormus „in einem optimistischen Szenario“ nur ein Quartal dauern würde. Das wäre nicht nur ein Problem für die amerikanische Volkswirtschaft, sondern auch ein politisches für Trump. Amerikanische Wähler sehen Preissteigerungen ähnlich ungern wie die Bürger in anderen Ländern. In der öffentlichen Debatte in den USA ist verstärkt von einer „Bezahlbarkeitskrise“ die Rede, worunter verstanden wird, dass viele Güter des täglichen Lebens besonders für Bezieher unterer und mittlerer Einkommen unerschwinglich werden. Die unter seinem Vorgänger Biden gestiegene Inflation wieder in den Griff zu bekommen, war ein wichtiges Wahlversprechen Trumps. Das macht es für den Präsidenten schwerer, eine Strategie durchzuhalten, die auf langfristigen Druck setzt, wie derzeit vor allem die Blockade iranischer Häfen. Die Politik Die wirtschaftliche Lage ist eng verbunden mit dem politischen Problem, das Trump sich mit dem Krieg eingehandelt hat. In einer Umfrage von „Washington Post“, ABC und Ipsos gaben jetzt 61 Prozent der Befragten an, dass der Einsatz militärischer Mittel ein Fehler gewesen sei. In den Kriegen in Vietnam und im Irak, in denen es hohe amerikanische Verluste gab, hatte es Jahre gedauert, bis die Ablehnung in den Meinungsumfragen so hoch war. Allerdings genießt Trump unter republikanischen Wählern noch viel Zustimmung. 79 Prozent gaben an, der Krieg sei eine richtige Entscheidung gewesen. Diese Stimmung könnte sich trotzdem auf die Kongresswahl im Herbst auswirken, weil es in der ja auch auf die Mobilisierung von Demokraten und auf die Stimmen von Unabhängigen ankommt. Unter Unabhängigen, die zu den Republikanern neigen, hielten 52 Prozent den Krieg für richtig, 46 Prozent für einen Fehler. Auswirkungen hat der Krieg auch auf die einflussreichen politischen Influencer, die wichtig sind für Trumps MAGA-Bewegung. Einige seiner prominentesten Unterstützer werfen dem Präsidenten vor, er habe mit seinem Wahlversprechen gebrochen, „Amerikas ewige Kriege“ zu beenden; unter anderem hat der bekannte Journalist Tucker Carlson öffentlich mit Trump gebrochen. Auch das erhöht den heimischen Druck auf den Präsidenten, eine schnelle Lösung herbeizuführen, und es begrenzt seine militärischen Möglichkeiten. Ein Einsatz von Bodentruppen etwa, den das Pentagon im März schon vorbereitet haben soll, würde die Risse in der Anhängerschaft Trumps wahrscheinlich noch einmal vertiefen.
