FAZ 01.10.2026
12:09 Uhr

Studie von Ökonomen: Wie der freiwillige Wehrdienst attraktiver werden könnte


Wie lässt sich mehr Nachwuchs für die Bundeswehr gewinnen? Das haben Wissenschaftler der Hochschule Rhein-Main durchgerechnet. Ihre Studie zeigt, welche Angebote Rekruten anlocken könnten.

Studie von Ökonomen: Wie der freiwillige Wehrdienst attraktiver werden könnte

Die Bundeswehr kann ihr Ziel erreichen, jährlich etwa 20.000 Menschen für den freiwilligen Wehrdienst zu gewinnen. Durch Änderungen am Angebot ließe sich das Rekrutierungspotential allerdings noch vergrößern. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Hochschule Rhein-Main. Die Wirtschaftswissenschaftler haben 785 Frauen und Männer der Jahrgänge 2001 bis 2008 dazu befragt, ob und unter welchen Bedingungen sie sich vorstellen könnten, in der Armee zu dienen. Die Forscher testeten auch die Attraktivität verschiedener Dienstmodelle und errechneten, wie viele Soldaten die Bundeswehr auf diese Weise gewinnen könnte. Fast 50 Prozent der Teilnehmer schlossen einen freiwilligen Wehrdienst nicht kategorisch aus. Aus ihren Kalkulationen schließen die Forscher, dass bei einer solchen Quote das Rekrutierungsziel erreicht werden könnte, wenn 12,7 Prozent der möglicherweise Interessierten sich tatsächlich zum Dienst entschlössen. „Eine solche Größenordnung erscheint grundsätzlich realistisch.“ Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler ließen sich noch mehr Rekruten gewinnen, wenn die Angebote für sie modifiziert würden. Hierzu wurden zwei Optionen durchgespielt: ein Heimatschutzdienst mit niedrigen Eintrittshürden, wohnortnaher Verwendung und Unterkunft nach Wahl sowie ein umfassender Wehrdienst mit Kasernierung und der Möglichkeit des Fronteinsatzes, aber dafür zusätzlichen Bildungsangeboten und Bevorzugung bei der Vergabe von Ausbildungs- und Studienplätzen. In den Modellrechnungen erhöhte sich dadurch das Rekrutierungspotential gegenüber dem Referenzangebot (Kasernierung, Frontverwendung möglich, keine Bildungsangebote, keine Bevorzugung): um fast 27 Prozent für den Heimatschutzdienst und um gut 16 Prozent für den Wehrdienst mit zusätzlichen Leistungen. In allen drei Varianten betrug der angenommene Sold 2300 Euro im Monat. Die Ausbildungszeit für den Wehrdienst wurde jeweils mit sechs Monaten angesetzt, die Reservistenzeit mit sechs Jahren. Für den Heimatschutzdienst wurden vier Monate Ausbildung und drei Jahre Reservistenzeit angenommen.