Die derzeit mit einem Börsenwert von knapp 210 Milliarden Euro teuerste Aktiengesellschaft Deutschlands, Siemens, hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 (per 30. September) durchwachsene Zahlen vorgelegt. Das war vor allem auf den schwachen Dollar und den starken Euro zurückzuführen. Der Technologiekonzern erzielte nach eigenen Angaben vom Mittwoch in den drei Monaten von Januar bis Ende März einen Gewinn nach Steuern von 2,2 Milliarden Euro. Das waren acht Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Im Industriellen Geschäft verdiente Siemens 3 Milliarden Euro, was der starken operativen Leistung der beiden Kernsparten Digital Industries (Industrieautomatisierung und Software) sowie Smart Infrastructure (Gebäudetechnik und Elektrifizierung) zu verdanken war. Im Vorjahreszeitraum lag der operative Gewinn noch bei 3,2 Milliarden Euro, wozu ein Verlaufserlös von 0,3 Milliarden Euro beigetragen hatte. „Wir haben ein erfolgreiches zweites Quartal abgeliefert, trotz des weiterhin sehr anspruchsvollen geopolitischen Umfelds“, zeigte sich der Vorstandsvorsitzende Roland Busch zufrieden. Begrente Auswirkungen des Irankriegs Siemens profitiere von seiner technologischen Stärke und seiner starken Positionierung in wichtigen Wachstumsmärkten. Dazu zählte er die Nachfrage aus Rechenzentren. Der Umsatz sei in diesem Geschäft im ersten Halbjahr um mehr als 45 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen. Busch sieht nur begrenzte Auswirkungen des Irankriegs auf das Geschäft. „Bislang sehen wir noch keinen wesentlichen Einfluss auf das Kaufverhalten unserer Kunden“, sagte er auf der Telefonkonferenz gegenüber Journalisten. Der Nahe Osten werde im laufenden Jahr mit nur drei bis vier Prozent einen begrenzten Umsatzanteil haben. Von dort komme zudem nur ein Prozent des Beschaffungsvolumens. „Wir haben trotzdem entsprechende Maßnahmen zur Begrenzung der Risiken eingeleitet“, sagte Busch. Die Leistung von Digital Industries und Smart Infrastructure wertete Busch als klaren Beleg für den profitablen Wachstumskurs. Der Umsatz legte im zweiten Quartal auf vergleichbarer Basis, also ohne Währungsumrechnungs- und Portfolioeffekte, um sechs Prozent auf 19,8 Milliarden Euro zu. Der Auftragseingang wuchs gegenüber dem Vorjahresquartal auf vergleichbarer Basis um 18 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro. Ende März lag der Auftragsbestand auf dem Höchstwert von 124 Milliarden Euro. Währungseffekte drückten das Wachstum von Auftragseingang und Umsatz um sieben beziehungsweise sechs Prozentpunkte. Digitales Geschäft wüchst um 19 Prozent In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres wuchs das digitale Geschäft von Siemens um 19 Prozent und damit deutlich über der angepeilten Rate von 15 Prozent. Wachstumstreiber waren insbesondere der organische Ausbau des Portfolios aus Software- und Digital-Services auf der Siemens-Plattform Xcelerator sowie die starke Entwicklung durch jüngste Software-Akquisitionen. Die Integration der insgesamt 15 Milliarden Dollar teuren Akquisitionen der US-Softwareunternehmen Altair und Dotmatics läuft nach den Worten von Busch sehr gut. Die von Cedrik Neike geführte Sparte Digital Industries setzte ihre Erholung fort, nachdem sie im Vorjahr noch Gegenwind in China ausgesetzt war. Ursache waren Steigerungen im Software- und im Automatisierungsgeschäft. Der Auftragseingang wuchs auf vergleichbarer Basis um zwölf Prozent auf 4,8 Milliarden Euro und der Umsatz um acht Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Das Softwaregeschäft legte um 14 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu. Jedoch könnten die neuerlichen geopolitischen Unsicherheiten das sich wieder bessernde Marktumfeld von Digital Industries in Frage stellen, warnte der Vorstand. Dazu zählte Busch Restriktionen bei der Auslieferung von Technologie. Doch akute Themen beobachtet er noch nicht. Quartalsrekord für Smart Infrastructure Die Erfolgssparte der vergangenen Jahre, Smart Infrastructure, verzeichnete im Auftragseingang einen Quartalsrekord. Er stieg auf vergleichbarer Basis um mehr als ein Drittel auf 7,5 Milliarden Euro. Das führte Siemens hauptsächlich auf das Geschäft mit Elektrifizierung und elektronischen Produkten zurück, einschließlich eines starken Wachstums durch eine Reihe größerer Aufträge von Kunden aus dem Rechenzentrum- und Halbleiterbereich, überwiegend in den USA. Die Umsatzerlöse wuchsen auf vergleichbarer Basis um zehn Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. In der Zugtechniksparte Mobility erhöhte sich der Auftragseingang auf vergleichbarer Basis um 41 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro aufgrund eines höheren Volumens aus Großaufträgen. Die Umsatzerlöse lagen mit 3,0 Milliarden Euro leicht unter dem Vorjahresniveau. Die Entwicklung sei durch die Auswirkungen der US-Zölle sowie durch verzögerte Abrufe aus Rahmenverträgen großer Bahninfrastrukturprojekte belastet worden. Die Leistung der operativen Geschäfte und der starke Mittelzufluss von 1,7 Milliarden Euro zeigt nach den Worten der im Vorstand für Finanzen verantwortlichen Veronika Bienert die resiliente Aufstellung des Siemens-Konzerns. „Damit sind wir bestens positioniert, um unsere Konzernziele für das Gesamtjahr zu erreichen“, sagte sie auf ihrer ersten Telefonkonferenz als Vorstandsmitglied. Demnach soll der Umsatz auf vergleichbarer Basis weiterhin zwischen sechs und acht Prozent zulegen. Das Ergebnis je Aktie soll wie geplant 10,70 bis 11,10 Euro erreichen, nachdem die Zielspanne bis Mitte Februar 10,40 bis 11,00 Euro betragen hatte. Darüber hinaus kündigte der Vorstand ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu sechs Milliarden Euro in einem Zeitraum von bis zu fünf Jahren an. Keine Angaben machte Busch zu den Presseberichten über einen möglichen Zukauf in Italien. Am Dienstag hatten mehrere Nachrichtenagenturen berichtet, dass Siemens seine Zugsparte mit der Übernahme des italienischen Signal- und Schienenmesstechnik-Herstellers Mer Mec stärken könnte. Die Transaktion soll ein Volumen von rund einer Milliarde Euro haben.
