FAZ 05.06.2026
19:37 Uhr

Training in Formel 1: Hamilton fährt die Bestzeit in Monaco


Das zweite Training für das Formel-1-Rennen in Monaco liefert ein enges Feld und zwei, drei kleine Überraschungen. Im Zweikampf der Mercedes-Piloten hat diesmal George Russell die Nase vorn.

Training in Formel 1: Hamilton fährt die Bestzeit in Monaco

Das war eng. Mancher Formel-1-Bolide touchierte die Streckenbegrenzung im zweiten Training für den Großen Preis von Monaco. Doch abgesehen von kleineren Schäden, der Entzündung einer Vorderradbremse am Cadillac von Sergio Perez präsentierte das Feld eine vielversprechende Leistungsdichte – und zwei, drei kleine Überraschungen. Lewis Hamilton fuhr die Bestzeit auf der Suche nach der besten Form für das Qualifying am Samstag (16 Uhr MESZ/Sky/RTL). Der Rekordpilot und siebenmalige Weltmeister ließ dabei den Lokalhelden Charles Leclerc im weitgehend identischen Ferrari um 0,11 Sekunden hinter sich. Zwar winken die Piloten am Freitagabend nach getaner Arbeit am Lenkrad auf dem Weg zum Briefing mit den Ingenieuren gerne ab, weil Freitagszeiten über Nacht dank fixer Ideen ihre Bedeutung verlieren könnten. Aber freiwillig lässt kein Teamkollege dem anderen den Vortritt. Schon gar nicht im Fürstentum, wo es darum geht, schnell Vertrauen in den Boliden zu gewinnen, um dessen Potential ausfahren zu können. Und um den ersten Gegner möglichst tief zu beeindrucken. Verstappen als Beschleunigungsfaktor Außergewöhnlich geschickte Piloten unter den besten auf dem Planeten – wie Hamilton zu seiner glorreichen Zeit – gelten als Beschleunigungsfaktor. Nun wieder zu sehen am frühen Freitagabend beim Blick auf den Red Bull mit dem viermaligen Champion im Cockpit. Verstappen sitzt Ferrari im Nacken. Der Niederländer brauchte nur einen Hauch länger als Leclerc auf seiner schnellsten Stadtrundfahrt, nicht mal sechs Hundertstelsekunden. Wie sehr eine Fehlkalkulation samt Schrottproduktion bremst, erfuhr dessen junger Teamkollege Isack Hadjar. Nach seinem Crash in der Schwimmbad-Passage beim ersten Training wurde der Franzose im zweiten Red Bull zwar noch Sechster im reparierten Dienstwagen. Aber zwischen ihm und Verstappen lag eine Sekunde. In der Formel-1-Sprache ist das eine Welt. Aber kein Grund, am Vorabend des wichtigsten Startplatzrennens der Saison die Nerven zu verlieren. Hadjar riskierte nichts mehr. Gelassen wirkend, kehrte George Russell zurück ins Fahrerlager. Auch das erschien überraschend: Der Engländer ist an die Côte d’Azur gekommen, um einiges geradezurücken in der verschobenen Hierarchie des Teams. Mit dem besten Silberpfeil seit Jahren gewann Mercedes fünf der ersten fünf Rennen. Russell allerdings nur das erste – in Australien. Weshalb er sich in Monaco am Sonntag beim Große Preis (15 Uhr MESZ/Sky/RTL) zu gerne für ein paar Tage zum „König der Autofahrer“ krönen würde, zumindest aber dem jungen Seriensieger Kimi Antonelli (vier Siege) zeigen will, wer den Topspeed besitzt. Als Vierter mit fast vier Zehntelsekunden Rückstand hinter Hamilton schien er noch nicht auf dem Weg zum Triumph: „Wir hatten erwartet, dass Ferrari der Favorit sein würde. Viele dachten, ich würde nur so daherreden, aber es ist klar, dass sie das Team sind, das es zu schlagen gilt.“ Der Mercedes gilt als etwas steifer, „bockiger“ beim Ritt über die Randsteine. Immerhin wähnt sich Russell halbwegs auf Kurs. Er fuhr eine gute Zehntelsekunde schneller als Antonelli (5.).  Beide sehen Spielraum. Der Italiener vor allem dann, wenn sein Dienstwagen im „zweiten Sektor“ nicht so „unberechenbar“ wäre. Ein Blick auf die Datenanalyse zeigt, welche Bremswirkung hinter seinem Urteil steckt: 0,1 Sekunden. Besonders begabte Formel-1-Piloten eint die Fähigkeit, im Winzigen schon mal großes Ungemach zu sehen. Eine größere Sorge könnte aber der Blick auf den Weltmeister auslösen. Lando Norris blieb mit seinem McLaren liegen wegen eines Batterieproblems, wie das Team vermutete. Das Antriebssystem stammt aus dem Hause Mercedes. Der Audi scheint dagegen, wenn auch deutlich langsamer, für seine Besatzung kalkulierbar zu sein bei der Formel-1-Premiere des deutschen Herstellers in Monaco. Nico Hülkenberg wurde Achter vor seinem Teamkollegen Gabriel Bortoleto.