FAZ 02.06.2026
10:01 Uhr

Trotz Dollarschwäche: International geringe Zuwächse für den Euro


Vor allem Anleihen und Schulden lauten häufiger als früher auf Euro. Im Devisenhandel holt der Renminbi auf. In den Währungsreserven liegt Gold jetzt ganz oben.

Trotz Dollarschwäche: International geringe Zuwächse für den Euro

Der Euro hat im internationalen Geschäft jetzt im Schnitt einen Anteil von 20 Prozent unter den Währungen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies zu konstanten Wechselkursen ein kleines Plus von 0,2 Prozentpunkten. Das geht aus den jährlichen Berechnungen der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurden. Dieser EZB-Indikator ist eine Art Durchschnittswert für unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten der Währung, von der Verwendung des Euros für Kredite und Einlagen über den Devisenhandel bis hin zu den Währungsreserven. Nummer zwei hinter dem Dollar Der Euro bleibt damit die Nummer zwei unter den Währungen in aller Welt nach dem Dollar. In den vergangenen zehn Jahren sei der Anteil des Euros im internationalen Geschäft „allmählich, aber stetig“ gewachsen, schreibt die Notenbank in dem Bericht. Allerdings: In den Jahren davor war der Anteil des Euros auch schon mal höher gewesen. Nach der Euroeinführung war sein Anteil bald gestiegen. Zeitweise hatte er mal fast 25 Prozent erreicht. Mehr Bedeutung gegenüber dem Vorjahr hat der Euro insbesondere als Währung für Schulden und Anleihen bekommen. „Das Emissionsvolumen internationaler Kredite und Anleihen in Euro stieg im Vergleich zu 2024 um rund 30 Prozent und überstieg den Gegenwert von 1,1 Billionen Dollar – das höchste Niveau seit der Einführung des Euros“, schreibt die EZB. Die EZB berichtet unter anderem von großen Unternehmensanleihen in Euro aus den Vereinigten Staaten, beispielsweise von der Google-Muttergesellschaft Alphabet sowie von zahlreichen Nachhaltigkeitsanleihen in Euro. Der Euro sei 2025 zur „führenden Währung auf dem internationalen Markt für grüne und nachhaltige Anleihen“ geworden und habe mit Emissionen in Höhe von rund 85 Milliarden Euro auf diesem Gebiet erstmals den Dollar überholt. Einen leichten Zugewinn verbuchte der Euro zudem hinsichtlich der ausstehenden internationalen Einlagen, der internationalen Schuldverschreibungen sowie in der Abrechnung im Ex- und Import. Die Zuflüsse ausländischer Portfolioinvestitionen in den Euroraum lägen zudem nahe an historischen Höchstständen. Rückgang im Devisenhandel Rückläufig war der Anteil des Euros hingegen im Devisenhandel. Dieser Rückgang sei im vergangenen Jahr einhergegangen mit einem Anstieg der Absicherungsmaßnahmen gegen einen schwächer werdenden Dollar im Zusammenhang mit den US-Zöllen von Donald Trump, schreibt die Notenbank. Zudem spiegle der Rückgang des Anteils des Euros an den globalen Devisentransaktionen aber auch einen längerfristigen Abwärtstrend, der schon während der globalen Finanzkrise eingesetzt habe. Im Gegenzug sei der Anteil des chinesischen Renminbi zuletzt deutlich gestiegen und habe im April 2025 zeitweise fast neun Prozent erreicht. Auch der Anteil des Euros an den Währungsreserven in aller Welt ging zu konstanten Wechselkursen 2025 leicht zurück. Viele Notenbanken hatten in den vergangenen Jahren Gold gekauft, um sich unabhängiger vom Dollar zu machen. Das hatte dazu geführt, dass Gold unter den Reserven schon im Vorjahr den Euro überholt hatte. Der starke Anstieg des Goldpreises hat nun offenbar bewirkt, dass Gold zu Preisen von Ende 2025 insgesamt auf dem ersten Platz steht, wenn man in der Statistik amerikanische Staatsanleihen und sonstige Dollar-Reserven getrennt auflistet, wie es die EZB macht. 27 Prozent Anteil für Gold Gold hat dann einen Anteil an den Reserven von 27 Prozent, amerikanische Staatsanleihen kommen auf 22 Prozent, sonstige Dollarreserven auf 20 Prozent, der Euro kommt auf 15 Prozent und andere Reserven kommen auf 17 Prozent. Diese Entwicklung sei jedoch größtenteils auf Bewertungseffekte zurückzuführen, schreibt die EZB. Die Notenbanken kauften weiterhin Gold, aber die Mengen hätten abgenommen. Die Zentralbankkäufe seien 2025 auf rund 850 Tonnen zurückgegangen, nach mehr als 1000 Tonnen je Jahr zwischen 2022 und 2024. Gleichzeitig seien die Notenbankkäufe aber deutlich höher geblieben als in der Zeit vor dem Ukrainekrieg. Die EZB strebt eine stärkere internationale Rolle des Euros an neben dem Dollar als Weltleitwährung, unter anderem auch als Antwort auf die Politik von US-Präsident Donald Trump. Wechselkursschwankungen hätten dann weniger Folgen, da mehr Handel in Euro ablaufe, zudem wäre Europa besser gegen Sanktionen gefeit. EZB-Präsidentin Christine Lagarde kommentierte den Bericht: „Es gibt eine Chance für den Euro, seine globale Attraktivität zu steigern – vorausgesetzt, die europäischen Entscheidungsträger schaffen die notwendigen Voraussetzungen und lassen ihren Worten Taten folgen.“ Insbesondere die Vollendung des Binnenmarkts bleibe unerlässlich. Damit sich der Euro zu einer wahrhaft globalen Währung entwickeln könne, müsse der Euroraum  tiefere, liquidere Kapitalmärkte aufbauen. „Daher müssen wir unsere Kapitalmärkte integrieren und konkrete Schritte zur Vollendung der Spar- und Investitionsunion unternehmen“, sagte Lagarde. Zudem plädierte sie für eine gemeinsame Schuldenaufnahme in der EU: Eine gemeinsame Finanzierung öffentlicher Güter könne dazu beitragen, einen „sicheren und liquiden Pool öffentlicher Schulden“ der EU zu schaffen, sagte Lagarde. Dem Bericht zufolge ist der Markt für amerikanische Staatsanleihen fast dreimal so groß wie die in den EU begebenen Staatsschulden mit guter Bonität. Es gibt Ökonomen, Notenbanker und Politiker, die daraus die Notwendigkeit gemeinsamer Anleihen in Europa ableiten. „Da Devisenreserven typischerweise aus hoch bewerteten Staatsanleihen und Einlagen bestehen, könnte das begrenzte Angebot an derartigen Schuldtiteln im Euroraum das Wachstum der Rolle des Euroa einschränken“, heißt es in dem Bericht.  Gemeinsame EU-Schulden, sogenannte Eurobonds, sind allerdings politisch sehr umstritten.