FAZ 24.09.2026
13:54 Uhr

Ukraine: Russland greift jetzt täglich an


Moskau eskaliert im Luftkrieg gegen die ukrainische Zivilbevölkerung. Polens Außenminister Sikorski sendet in New York eine klare Botschaft an Putin.

Ukraine: Russland greift jetzt täglich an

Russland greift zivile Ziele in der Ukraine mit unverminderter Härte an. Am Donnerstagmorgen schlugen drei russische Marschflugkörper in einem Landwirtschaftsunternehmen im Gebiet Charkiw ein, wobei sieben Menschen getötet und zwölf weitere verletzt wurden, vier davon schwer, berichtete der Leiter der Militärverwaltung des Gebiets, Oleh Synjehubow, auf Telegram. Die Opfer seien Landarbeiter. Bilder zeigten die Toten in zerstörten Lagerhäusern zwischen Kartoffeln und Zwiebeln liegen. Zudem wurden durch den Angriff große Lagerbestände an Gemüse vernichtet. In Kiew wurden durch russische Raketenangriffe in der Nacht zum Donnerstag zwei Menschen getötet. Nach Mitternacht schlugen im kurzen Abstand Raketen ein, Abfangraketen stiegen zum Himmel auf. Der ukrainischen Luftwaffe zufolge feuerte Russland 282 Drohnen auf die Ukraine ab, darunter die von der Flugabwehr nur schwer abzufangenden strahlgetriebenen Versionen, sowie in mehreren Wellen zahlreiche ballistische Raketen verschiedener Bauarten. Abermals feuerte Russland die Raketen vor allem mit bodengestützten Systemen aus den Gebieten Brjansk und Kursk an der Grenze zur Ukraine ab. Den ukrainischen Streitkräften sei es gelungen, 219 Drohnen und acht Raketen unschädlich zu machen. Dennoch habe es Einschläge an 13 Orten gegeben. Rettungskräfte suchten am Morgen noch nach Verschütteten in einem teilweise zerstörten Wohnhaus. Rund 100.000 Haushalte von Internetstörungen betroffen Bereits am Mittwoch waren durch russische Tagesangriffe auf die ukrainische Hauptstadt zwei Menschen getötet und 43 weitere verletzt worden. Dabei wurden den Behörden zufolge zudem ein historischer Markt in Brand gesetzt und zahlreiche Wohngebäude beschädigt. Die Angriffe richteten sich gegen Bahnanlagen, Tankstellen, Geschäftshäuser, ein Kongresszentrum und Rechenzentren. In der Folge waren rund 100.000 Haushalte von Internetstörungen betroffen. In einem mehrfach getroffenen Kongresszentrum befinden sich die Büros von Abgeordneten der Regierungspartei „Diener des Volkes“. Am Kiewer Hauptbahnhof wurden zahlreiche Züge evakuiert, da mehrere Drohnen um die Mittagszeit in der Gegend rund um den Bahnhof einschlugen. Offenbar wurden auch Bahnanlagen getroffen, die Station selbst aber blieb unversehrt. Handyvideos zeigten vor den Angriffen fliehende Menschen sowie zahlreiche schwarze Rauchwolken über der Stadt. Auch am Dienstag hatte Russland Kiew mit Drohnen angegriffen, wobei mindestens acht Menschen in mehreren Stadtteilen verletzt wurden. Ukraine vor weiterem harten Winter Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der während der Angriffe bei der UN-Vollversammlung in New York weilte, erklärte, seine Priorität sei es, den Krieg zu beenden. „Wir sind bereit“, schrieb Selenskyj auf X. Er schlug abermals einen Waffenstillstand im Energiesektor vor, was Russland jedoch ablehnte. Die Ukraine steht jedoch vor einem weiteren harten Winter, weshalb Selenskyj im direkten Gespräch mit US-Präsident Donald Trump wiederholt um Unterstützung seines Landes vor allem bei der Flugabwehr bat. Konkret gehe es dabei um ein „Winterpaket mit Patriot-Raketen“ sowie „Lizenzen zur Produktion von Patriots“. Zugleich appellierte Selenskyj an alle Partnerländer, den Druck auf Moskau zu erhöhen, um den Krieg zu beenden. Der polnische Außenminister Radosław Sikorski hatte sich am Mittwoch in einer aufsehenerregenden Rede bei der UN-Vollversammlung in New York direkt an Russland gewandt und den Krieg sowie die gegenwärtige Eskalation scharf verurteilt. „Russland eskaliert, weil die russische Führung in Panik gerät. Nach mehr als vier Jahren eines sinnlosen kolonialen Krieges hat Putin nichts erreicht“, so Sikorski. Putins „unnötiger Krieg“ habe bereits anderthalb Millionen Russen getötet oder verwundet. Dennoch sei es Russland in mehr als zwölf Jahren nicht gelungen, den Donbas zu erobern oder in vier Jahren Kiew. Stattdessen halte die Ukraine, ein Land mit einem Zehntel der Wirtschaftsleistung Russlands, heldenhaft stand. Polen habe fast die Hälfte der russischen Wirtschaftsleistung, Europa das Zehnfache und die NATO das 25-fache, sagte Sikorski in Richtung Moskau. „Ihr könnt immer noch viele Menschen töten, aber ihr könnt nicht gewinnen.“