FAZ 19.03.2026
15:59 Uhr

Verteidiger Marius Borg Høibys: „Keine Beweise für Vergewaltigungen“


Am letzten Prozesstag gegen den Sohn der norwegischen Kronprinzessin plädiert sein Verteidiger größtenteils auf Freispruch: Sein Mandant verliere zwar leicht die Beherrschung, respektiere aber „die Grenzen der Mädchen“.

Verteidiger Marius Borg Høibys: „Keine Beweise für Vergewaltigungen“

Die Verteidigung von Marius Borg Høiby plädiert dafür, ihn in Bezug auf die schwersten Anklagepunkte freizusprechen. Für Vergewaltigungen gebe es keine Beweise, sagte Verteidiger Petar Sekulic am Donnerstag vor dem Osloer Bezirksgericht. Der Sohn der norwegischen Kronprinzessin hatte in allen vier mutmaßlichen Vergewaltigungsfällen Filmaufnahmen der betroffenen Frauen gemacht. Diese reichen aus Sicht der Verteidiger aber nicht aus, um den Tatbestand der Vergewaltigung zu erfüllen. Auch beweisen sie demnach nicht, dass die Frauen zum Tatzeitpunkt schliefen. Einer der geschädigten Frauen warf Sekulic vor, bewusst falsche Angaben in Bezug auf frühere sexuelle Kontakte zu Høiby gemacht zu haben. Die Frau habe ein „leichtfertiges Verhältnis zur Wahrheit und zu den Tatsachen“. In Bezug auf Straftaten die Høiby selbst gestanden hat – darunter Gewalt in der Beziehung zu einer Ex-Freundin, Verstöße gegen ein Kontaktverbot zu der Frau, verschiedene Verkehrsdelikte sowie den Transport von 3,5 Kilo Marihuana – plädierte Sekulic für eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre und sieben Monate Haft für Høiby gefordert. Høibys Verteidiger gestand ein, dass sich sein Mandant zuweilen fahrlässig verhalten habe. Auch glaube Høiby, dass gesellschaftliche Regeln nicht für ihn gälten, zudem verliere er leicht die Beherrschung. Doch respektiere er „die Grenzen der Mädchen“, so der Verteidiger. Sekulic übte scharfe Kritik an der medialen Berichterstattung über den Fall, die „alles überschritten“ habe, was befürchtet worden sei. Zur Eröffnung des letzten Prozesstags, bevor das Gericht zu einem späteren Zeitpunkt sein Urteil fällen wird, hatte Høiby lächelnd den Gerichtssaal betreten. Anwesend war sein Vater Morten Borg, mit dem Kronprinzessin Mette-Marit zu Studienzeiten eine kurze Verbindung eingegangen war.