Thiel hätte am 7. Juni im Hotel Intercontinental mit Milo Rau und dem Theologen Wolfgang Palaver unter dem Titel „Armageddon und Antichrist? Von der Theologie zur Realpolitik“ diskutieren sollen. Die Entscheidung sei „nach eingehender Reflexion unterschiedlicher Positionen“ getroffen worden, gaben die Festspiele am Samstagabend bekannt. Wie der ORF und die österreichische Nachrichtenagentur APA berichten, war der Entscheidung am Freitagnachmittag eine interne Debatte vorangegangen. Diskutiert wurde, ob man einem der einflussreichsten und finanziell potentesten Proponenten der Silicon-Valley-Rechten, der gegen Multilateralismus und freiheitliche Demokratie eintritt, ein Forum bieten dürfe. Dabei sei das Stimmungsbild im „Rat der Republik“ und bei drei externen Experten tendenziell für die Durchführung der Veranstaltung gewesen, teilten die Festwochen mit. „Ich nehme die kritischen Stimmen sehr ernst“ Gleichzeitig habe sich das Festival „einer wachsenden Anzahl kritischer Stimmen und immer zahlreicheren politisch oder ethisch motivierten Absagen von Beteiligten des künstlerischen Programms gegenüber“ gesehen. „Diese Absagen schwächen in ihrer Gesamtheit die diesjährigen Festwochen in einem untragbaren Umfang, weshalb sich die Geschäftsführung entschlossen hat, die Debatte mit Peter Thiel abzusagen.“ Aus „Verantwortung für das Gesamtprogramm“ habe er sich „leider gegen die geplante Veranstaltung mit Peter Thiel“ entschieden, obwohl er diese „extrem spannend“ und „thematisch konsequent“ gefunden hätte, so der Intendant. Milo Rau wörtlich: „Nicht um jeden Preis: Ich nehme die kritischen Stimmen sehr ernst.“ Ein Beharren auf der Veranstaltung stünde im Widerspruch zu seiner Wertschätzung für das künstlerische Programm und aller Beteiligten. Thiel wurde mit Paypal reich, mit der Überwachungssoftware Palantir einflussreich und besitzt als Unterstützer von US-Präsident Donald Trump und Mentor von dessen Vizepräsidenten JD Vance politischen Einfluss.
