Lippenlesen ist eine Kunst für sich. Als Jonathan Burkardt am vergangenen Freitag in Dortmund für die Frankfurter Eintracht ein Tor schoss, schnappte er sich den Ball und rannte Richtung Mittellinie. Dann hielt er sich den Finger vor den Mund und zeigte Richtung Tribüne. Was aber sagte er in diesem Moment? Freunde der spanischen Sprache erkannten zwei Wörter: „puta madre“. Das heißt so viel wie: Hurenmutter. Allzu viele Spanier waren mutmaßlich nicht im Stadion, am Spielfeldrand aber war Burkardts mallorquinischer Trainer Albert Riera. Nach F.A.Z.-Informationen hat er seinen Angreifer bei einer Videokonferenz vor versammelter Mannschaft darauf angesprochen. Die „Bild“-Zeitung berichtete zuerst darüber und schrieb: Burkardt soll das Vergehen eingeräumt haben und muss nun 20.000 Euro zahlen. Riera bestätigte diesen Ablauf am Freitagnachmittag bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart. „Johnny hat etwas gemacht, das bestraft gehört. Er hat das akzeptiert. Er hat sich entschuldigt. Wir müssen ihn natürlich bestrafen und an die Tasche greifen. Wie lernt man etwas? Wenn man an die Tasche greift.“ Riera: „Es ist unglaublich. Wissen Sie auch, was ich frühstücke?“ So viel zur Pädagogik. Die nächste Klage über die Frankfurter Öffentlichkeit gab es obendrein: „Es ist unglaublich. Und es ist traurig für den Klub. Ich war in sieben Ländern und es ist immer dasselbe: Wenn man nicht die Regeln befolgt, wird man bestraft. Johnny ist ein sehr netter Charakter. Wieso suchen wir Probleme mit ihm?“ So etwas passiere in jedem Unternehmen, sagte Riera. Und er fügte an: „Aber interne Disziplin muss intern bleiben. Wissen Sie auch, was ich morgens frühstücke? Richtig: Toast mit Avocado und Lachs.“ Vor zwei Wochen, vor der Begegnung mit dem HSV (1:2), hatte der Coach auf Frage der F.A.Z. zu einem Bericht über eine Meinungsverschiedenheit mit Burkardt mit einer Sechs-Minuten-Wutrede reagiert, in der er sich über „Bullshit“, „Lügen“ und „Gift“ echauffierte. In den Tagen zuvor hatte es Wirbel um Riera und Burkardt gegeben. Der Stürmer kam mit erhöhten Körperfettwerten von einer Verletzung zurück, Riera setzte ihn auf die Bank. Nach dem Dortmund-Spiel stand Burkardt mit Tränen in den Augen auf dem Platz. Seine Hoffnungen auf einen Kaderplatz für die WM im Juni schwinden. Nun also des Dramas nächster Akt.
