Es hatte sich abgezeichnet, dass es wieder einmal nicht gut ausgeht für den TSV München von 1860. Stunden, nein, Tage davor schon. Aber weil es schon der Vereinsslogan „Einmal Löwe, immer Löwe“ vorgibt, sind die Fans auch in den vielen schlechten Zeiten, die der Klub in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten erlebt hat, da. Am Mittwoch war eine laute Menge zum Vereinsgelände gekommen, um ihren Unmut über das kundzutun, was später an diesem Nachmittag offiziell werden würde. Um 17 Uhr endete am Mittwoch die Frist für den Klub, um die für die Drittliga-Lizenz fehlenden 2,7 Millionen Euro aufzubringen. Oder besser: um den Investor Hasan Ismaik doch noch dazu zu bringen, die Kündigung der Darlehen vom 21. Mai zurückzunehmen und das Geld beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu hinterlegen. Dass dies nicht gelungen ist, bestätigte der Verein per Pressemitteilung um 17.47 Uhr. Fast gleichzeitig traten Präsident Gernot Mang und Herbert Bergmaier, Vorsitzender des Aufsichtsrats von GmbH & Co. KGaA und Statthalter von Investor Hasan Ismaik, vor die Tür der Geschäftsstelle in München-Giesing, um sich den wartenden Journalisten und Anhängern zu erklären. Es gebe keine Einigung, sagte Bergmaier. „Daher bleibt nur die vierte Liga.“ Zwangsabstieg, zum zweiten Mal innerhalb von neun Jahren. „Das war aus der Hüfte geschossen“ Damals, 2017, war es nach dem verpassten Klassenerhalt in der zweiten Liga schon einmal in die Regionalliga Bayern gegangen, weil Ismaik, der mit seinem Unternehmen HAM International Limited 60 Prozent der Anteile an der Kommanditgesellschaft hält, wie in diesem Jahr die für die dritte Liga nötigen Zahlungen verweigert hatte. „Fakt ist, dass wir komplett überrascht wurden, dass die Darlehen gekündigt wurden. Das war aus der Hüfte geschossen“, ließ Präsident Mang am Mittwoch wissen. Sowohl Mang als auch der Aufsichtsratsvorsitzende Bergmaier wurden immer wieder von den meuternden Fans übertönt. „Sofort zurücktreten“ und „Alle raus“ schrien einige, später sangen alle zusammen „Scheiß auf den Scheich“, obwohl Ismaik gar kein Scheich ist. Ismaik hatte die Zahlung an ein paar Bedingungen geknüpft, sieben Forderungen waren es ursprünglich. Eine davon, nämlich jene, dass der Verein beim Verkauf der Investorenanteile auf sein Vorkaufsrecht verzichten solle, nahm er zurück. Alle anderen waren offenbar für ihn nicht verhandelbar, obwohl die eine oder andere dem Vernehmen nach nicht mit deutschen Fußball-Statuten vereinbar gewesen ist. Ismaik wollte die 50+1-Regel nie akzeptieren Man habe „Tag und Nacht“ verhandelt, sagte Mang. „Aber es gibt irgendwo auch Grenzen.“ Am Ende habe es zwei Vertragsentwürfe gegeben, erklärte Bergmaier. „Der eine war für den e. V. akzeptabel, der andere für die HAM. Beide waren akzeptabel für die KGaA, auch für mich und für Manfred Paula (Geschäftsführer der GmbH & KGaA, d. Red.).“ Später am Abend teilte auch noch der Hauptsponsor, eine bayerische Versicherung, mit, dass er sein Sonderkündigungsrecht in Anspruch nehme und sich zurückziehen werde.Der TSV 1860 steht vor einem Trümmerhaufen. Wieder einmal. Ismaik hatte mit seinem Einstieg 2011 den Verein damals vor der Insolvenz bewahrt, aber die Liaison zwischen dem Jordanier und dem Münchner Traditionsverein war nie eine glückliche geworden, auch weil er die im deutschen Fußball geltende 50+1-Regel zugunsten der Stammvereine nie akzeptieren wollte. Vielleicht hat er sie auch nie verstanden. Mittlerweile scheint er das Interesse am Projekt 1860 verloren zu haben. Sein Eintrag bei Facebook am Mittwoch klang nach Abschied. „Fünfzehn Jahre habe ich an diesen Verein geglaubt und ihn nach besten Kräften unterstützt“, schrieb er. Ismaik hatte bereits im vergangenen Jahr versucht, einen Käufer für seine Anteile zu finden, und war kurz vor einem Abschluss mit einer Schweizer Holding gestanden, ehe sich das Angebot für ihn als nicht seriös entpuppt hatte. Etat für den Kader muss reduziert werden Zuletzt hatte der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger zusammen mit einer Gruppe um Markus Rejek, einst Geschäftsführer bei Sechzig, Interesse an einem Einstieg bekundet, nach eigener Aussage bereits „konstruktive Gespräche“ geführt. „Das muss aber auch insgesamt passen. Im Moment ruht es erst mal“, sagte er Mitte Mai bei „Blickpunkt Sport“ im Bayerischen Fernsehen. Aktuell wollte sich Hitzlsperger auf Anfrage dazu nicht äußern. Während Ismaik womöglich versuchen wird, seine im Wert gesunkenen Anteile loszuwerden, muss Mang versuchen, die Weichen für die neue Saison zu stellen. Sportlich und finanziell. Der Etat für den Kader, der sich auf etwas über sechs Millionen Euro belief, muss deutlich reduziert werden. Der „Bild“-Zeitung zufolge haben ohnehin nur acht Spieler einen gültigen Vertrag für die Regionalliga. Immerhin empfahl sich die U-21-Mannschaft mit dem Bayernliga-Titel in der abgelaufenen Saison und könnte das Gerüst für den Regionalliga-Kader bilden. Eher unwahrscheinlich ist ein Verbleib von Trainer Markus Kauczinski. Man werde den „Verein jetzt aufstellen und nach vorne schauen“, versprach Mang, der das Präsidentenamt erst vor knapp einem Jahr übernommen hat. „Ich glaube, es kann auch eine Chance für den gesamten Verein sein.“ Ein Neuanfang vielleicht. Einer ohne Hasan Ismaik.
