FAZ 18.09.2026
18:04 Uhr

aUTOKONZERN SCHWÄCHELT: VW rechnet dieses Jahr kaum noch mit Gewinn


Der größte Autohersteller Europas steckt seit Langem in einer Krise. Nun hat der Konzern seine Gewinnprognose deutlich nach unten korrigiert.

aUTOKONZERN SCHWÄCHELT: VW rechnet dieses Jahr kaum noch mit Gewinn

Gerade erst haben sich das Volkswagen-Management und die IG Metall mit Mühe und Not auf den Rahmen für ein neues Sparprogramm verständigt. Jetzt zeigt sich, dass der Druck durch die Umbrüche am Markt und durch Kosten für den Konzernumbau weiter wächst. Wie der VW-Konzern am Freitag nach einer Sitzung des Vorstands in Wolfsburg mitteilte, wird die Geschäftsprognose für das laufende Jahr deutlich gesenkt. Demnach erwartet der Konzern nur noch eine operative Umsatzrendite von einem Prozent, nachdem VW zuvor einen Korridor von vier bis 5,5 Prozent angepeilt hatte. Ausschlaggebend seien Sondereffekte in Höhe von zehn Milliarden Euro, von denen der Konzern im ersten Halbjahr schon eine knappe Milliarde Euro verbucht habe, heißt es in der Pflichtmitteilung, die VW an den Kapitalmarkt verschickt hat. Die Börse reagierte überrascht: Die Vorzugsaktie gab im späten Freitagshandel um mehr als sechs Prozent nach und war damit größter Verlierer im Dax. Nachbörslich sank der Kurs weiter. VW begründete die angepasste Vorausplanung unter anderem mit der zunehmend schwierigen Situation in China. Auf dem größten Automarkt der Welt stecken die Wolfsburger schon seit Monaten in einer Abwärtsspirale. Die „weitere Verschärfung des Marktumfelds, insbesondere in China“, verbunden mit einer beschleunigten Verschiebung der Nachfrage in Richtung Elektroautos, schlage sich nun in den Geschäften der Marken VW und Audi nieder, hieß es. Dazu kämen Wertberichtigungen auf die vollkonsolidierten Gesellschaften in der Volksrepublik. Bei Porsche bleibt es still Darüber hinaus berichtigt der VW-Konzern seine Beteiligung an der Tochtergesellschaft Porsche im Wert. Ausschlaggebend sei die geänderte Langfristplanung der Stuttgarter Sportwagenmarke, die nun von einer Rendite zwischen zehn und 15 Prozent ausgehe. In der Folge werde der „Goodwill“, also der als Vermögensposten bilanzierte Unternehmenswert, um sechs Milliarden Euro korrigiert. Dieser nicht zahlungswirksame Schritt werde das Ergebnis des VW-Konzerns im dritten Quartal belasten, heißt es aus Wolfsburg. Vom Sportwagenhersteller Porsche gab es indes am Freitag – zumindest öffentlich – keine Aktualisierung der Gewinnaussichten. Das Stuttgarter Unternehmen hat seine Prognose für das laufende Jahr nicht verändert, geht von einer operativen Umsatzrendite (Ebit) zwischen 5,5 und 7,5 Prozent aus und verweist für alle weiteren Fragen auf den Mutterkonzern. „Wir haben die Mitteilung der Volkswagen AG zur Kenntnis genommen. Zu den Gründen der Bewertungskorrektur der Volkswagen AG können wir keine Auskunft geben“, sagte ein Sprecher auf Anfrage der F.A.Z. „Die Porsche AG hält unverändert an ihrer mittelfristigen Ambition für die operative Umsatzrendite fest.“ Nähere Einzelheiten zu den mittelfristigen Renditezielen und den diesen zugrundeliegenden Annahmen will Porsche auf einem Kapitalmarkttag am 7. Oktober im Entwicklungszentrum im baden-württembergischen Weissach erläutern. Am Kapitalmarkt wird spekuliert, dass Porsche dann seine Planung präzisieren könnte, und dass die Ad-hoc-Meldung von VW dies am Freitag schon ein Stück weit vorweggenommen hat. Auch die Holding der Familien Porsche und Piëch, die Porsche SE, teilte noch am Freitag mit, dass sie ihre Ergebnisprognose als Reaktion auf die Nachrichten aus Wolfsburg reduziert. Sie kontrolliert etwa die Hälfte der Stimmrechte im Konzern und hält außerdem eine direkte Sperrminorität am Sportwagenhersteller Porsche. Der VW-Konzern will seine Kosten drastisch senken und weitere Zehntausende Stellen abbauen. Nachdem sich Management und IG Metall dafür auf einen groben Rahmen verständigt hatten, wird es in den nächsten Monaten um weitere Detailplanungen gehen, auch für die unterausgelasteten Fabriken in Deutschland. Seine offiziellen Zahlen für das dritte Quartal will der Konzern am 29. Oktober veröffentlichen.