Nach Frühling sieht es an diesem Abend leider nicht aus. Die Skyline hinter der großen Fensterfront des Opernfoyers zeichnet sich gegen dunkle Wolken ab. „Der Regen gehört ja auch zum Frühling dazu“, sagt Frank Dievernich, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, trotzdem optimistisch. „Ohne Wasser kein Grün.“ Am Mittwochabend hat die Stiftung zu ihrem traditionellen Frühlingsempfang in die Frankfurter Oper eingeladen. Rund 400 Gäste aus Kultur, Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft sind zusammengekommen. Zum Sekt gibt es Brötchen und Käsekuchen. Vor der Begrüßungsrede von Frank Dievernich singt ein Bariton des Frankfurter Opernstudios. Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft ist eine der größten gemeinnützigen Stiftungen Deutschlands. Seit 2005 engagiert sie sich in Frankfurt für Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Entsprechend stand auch der diesjährige Empfang unter einem politischen und gesellschaftlichen Leitgedanken. Hinter der Bühne leuchtet auf einem Banner das Motto des Abends: „Verbinden statt spalten“. Ein Fonds der Stiftung fördert erstmals auch Privatpersonen Damit bleibt die Stiftung ihren Grundwerten treu. „Ich kann es nur immer wieder betonen: Wir sind eine Potential- und Entfaltungsgemeinschaft“, sagt Dievernich. Das Motto sei auch als Appell gemeint, wie er sagt: „Wir wollen der gefährlichen Polarisierung unserer Zeit etwas entgegensetzen.“ Mit diesen Worten trifft er den Nerv des Publikums, immer wieder fällt spontan Beifall. Die Gäste scheinen Dievernich darin zuzustimmen, dass die gesellschaftliche Spaltung eines der größten Probleme der Gegenwart sei. In diese Stimmung reiht sich auch der Vortrag der iranisch-deutschen Journalistin Gilda Sahebi ein, die ganz direkt zu der Wahl des Mottos auch verholfen hat. „Verbinden statt spalten“ ist der Titel ihres jüngst erschienenen Buches, dessen Botschaft sich an diesem Abend mit folgendem Zitat zusammenfassen lässt: „In Wirklichkeit eint uns als Gesellschaft viel mehr, als uns trennt.“ In ihrem Vortrag seziert Sahebi die Mechanismen autoritärer Kräfte in den Vereinigten Staaten, Iran oder Ungarn. Und sie appelliert an unsere Kraft der Reflexion: „Verurteilen Sie nicht diejenigen, die autoritäre Kräfte wählen. Versuchen Sie, es zu verstehen, und tun Sie etwas dagegen.“ Auch während Sahebi spricht, klatschen die Besucher immer wieder. Um die Anstöße von Frank Dievernich und Gilda Sahebi direkt umzusetzen, gibt es zwischen den Essenstafeln auch Mitmachstände der Stiftung. An einem davon wird der Frankfurter Miteinanderfonds vorgestellt. Seit September 2025 kann man sich als Privatperson mit einer Projektidee um eine Förderung von 500 Euro bewerben – sonst können das in Deutschland nur gemeinnützige Vereine. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt, wichtig ist nur: Sie sollen zum Gemeinschaftsgefühl in der Stadt beitragen. Und auch der Weg zum Geld ist dabei unbürokratisch: Auf der Website der Stiftung muss man dafür lediglich einen kurzen Antrag ausfüllen.
