Als Christoph König die Treppe herunterkommt, klatschen einige unten im Saal. Die Wahlhelfer in Kronberg haben zwar noch nicht alle 15 Wahlbezirke ausgezählt. Aber es zeichnet sich schon ab, dass der Bürgermeister das Dienstzimmer gleich oberhalb des Sitzungssaals im historischen Rathaus für eine zweite Amtszeit wird behalten können. Etwas später am Sonntagabend dann steht das Ergebnis der Direktwahl fest: Für den 60 Jahre alten Amtsinhaber von der SPD, der als Einzelbewerber angetreten ist, haben 62,8 Prozent gestimmt. Das sind 4067 Personen. Die 59 Jahre alte CDU-Kandidatin Katharina Merklein haben 2412 Kronberger gewählt, das entspricht 37,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung in der Stadt im Taunus mit rund 19.000 Einwohnern liegt bei 47,5 Prozent. Richtig voll ist es nicht in dem holzvertäfelten Raum, in dem die Stadt die Ergebnisse auf einer Leinwand überträgt. Das mag am Spätsommerwetter liegen. Aber auch die Wahl in Sachsen-Anhalt am selben Tag dürfte eine Rolle spielen. Manch ein Kommunalpolitiker aus dem Hochtaunuskreis, der nach 18 Uhr vorbeischaut, sagt, er habe erst noch die Prognose aus Magdeburg verfolgt. Merklein ist schon früh da. Nach und nach erscheinen von der CDU noch Landrat Ulrich Krebs, der selbst in Kronberg lebt, der Bundestagsabgeordnete Norbert Altenkamp, in dessen Wahlkreis die Stadt liegt, und Steffen Bonk, der Bürgermeister der Nachbarstadt Steinbach. Königs Unterstützer kommen vor allem aus der Stadt. Auf einem Tisch stehen Wasserflaschen und eine Schale Fruchtgummis. Weil die Technik stockt, liest der Wahlleiter das Ergebnis vor. Dann übernimmt König das Mikrofon. Der Bürgermeister dankt den Wahlhelfern, seiner Familie, vor allem aber den Wählern. Er nehme deren „für mich überwältigendes Vertrauen“ dankbar und mit Respekt entgegen. König verspricht, in den nächsten sechs Jahren mit vollem Einsatz für die Stadt tätig zu sein. Die nächste Zeit werde „finanziell deutlich herausfordernder“, sagt der Amtsinhaber dann etwas später am Abend. Es stünden wichtige Entscheidungen zu Verkehr, Klima und Wohnungsbau an, die breite Mehrheiten erforderten. Geringe Wahlbeteiligung „sehr schade“ Die Großbaustelle am Bahnhof, ein zentrales Thema auch im Wahlkampf, wird den Bürgermeister ebenfalls weiter begleiten. Außerdem, sagt König, habe ihm vorhin der Stadtbrandinspektor gratuliert und gesagt: „Wir weihen das Feuerwehrhaus gemeinsam ein!“ Der Neubau müsste dafür in den nächsten sechs Jahren bezugsfertig für die Freiwillige Feuerwehr sein. Zu den Kameraden zählt seit der Jugend auch König selbst, der im damals noch unabhängigen Stadtteil Oberhöchstadt aufgewachsen ist. Eine dritte Amtszeit wird der dann 66 Jahre alte Sozialdemokrat, vorher Amtsrichter in der Nachbarstadt Königstein, nicht anstreben, wie er zumindest am Sonntag sagt. Das gute Wahlergebnis habe er sich erhofft. Dass aber die Wahlbeteiligung nicht höher lag, nennt König „sehr schade“. Der Wiedergewählte dankt auch der Mitbewerberin. Die Auseinandersetzung um Inhalte gehöre zu einer wehrhaften Demokratie, genauso, wie eine Auswahl zu haben, sagt König. Merklein spricht nicht ins Mikrofon, sagt aber schon während der Auszählung im Saal, das Ergebnis sei für sie in Ordnung. Als die Zahlen feststehen, weist sie darauf hin, dass es höher liege als das CDU-Ergebnis für die Stadtverordnetenversammlung in der Kommunalwahl. Da hat die Partei im März 32,9 Prozent erzielt. Merklein sagt ebenfalls, Demokratie bedeute Auswahl. Auch deshalb sei sie angetreten. Sie werde „selbstverständlich“ weiter Kommunalpolitik in Kronberg machen, „meiner Wahlheimat“. In Königstein aufgewachsen, hat Merklein lange in Niedersachsen gelebt, bevor sie und ihr Mann 2023 nach Kronberg gezogen sind. Im Mai dieses Jahres ist sie in die Stadtverordnetenversammlung nachgerückt. Vielleicht suche sie sich nun auch andere Schwerpunkte, etwa in der Frauenunion, in der sie schon lange aktiv ist. „Ich habe ja jetzt Zeit hinzugewonnen.“ Der Job im Büro bei einer Agentur für Vertrieb und Marketing sei schließlich nicht mit einem Bürgermeisteramt vergleichbar. Im Wahlkampf hat die Kandidatin etwa auf Wirtschaftsförderung gesetzt und versprochen, Kronberg sicherer und sauberer zu machen, die Innenstadt zu beleben. Ob sie in sechs Jahren noch einmal kandidieren würde, lässt Merklein am Wahlabend offen. Dann verlassen alle nach und nach das Rathaus. Merklein geht noch mit ihren Unterstützern zum Italiener „Deli Fiona“ in der Innenstadt. Bürgermeister König will mit seinen Leuten im „Haus Altkönig“ im Stadtteil Schönberg feiern.
