Heise 06.05.2026
15:03 Uhr

80 Jahre Vespa: Blech auf Taille


Vespa gehört zu den bekanntesten Marken, der Name ruft jedem sofort das Bild des liebenswerten Rollers vor Augen. Die italienische Ikone wird 80.

80 Jahre Vespa: Blech auf Taille

Fast vergessen ist heute, dass die Marke Vespa ihren Ursprung im Flugzeugbau hat, obwohl dieser bis heute unter dem Namen Piaggio Aerospace weiterbesteht. Nach dem Zweiten Weltkrieg aber waren die Fabriken zerstört, und Piaggio musste sich nach einer neuen Einkommenswelle umsehen. In Italien wurden günstige Transportmittel gebraucht und so beauftragte Firmenboss Enrico Piaggio den Flugzeugingenieur Corradino d’Ascanio, ein motorisiertes Zweirad zu entwerfen.

Sebastian Bauer​

D’Ascanio war kein Motorrad-Fan, er fand sie unbequem, unhandlich und außerdem machte man sich an der Kette schmutzig. Deshalb verfolgte er einen anderen Ansatz, mit einem komfortablen Sitz und einem bequemen Durchstieg. Auf dem Bodenblech konnte der Fahrer die Füße abstellen, ein Beinschild diente zum Schutz vor Regen und Dreck. Die ganze Struktur dachte d’Ascanio als selbsttragende Stahlblechkarosserie, kapselte den gebläsegekühlten Einzylinder-Zweitakter dort hinein und verlegte die Gangschaltung an den Lenker. Die damals noch häufigen Reifenpannen verloren ihren Schrecken, weil die beiden untereinander austauschbaren Räder ganz einfach seitlich von ihrer Nabe abnehmbar waren, wie es auch beim Auto der Fall ist. Das bedingte eine Vorderradaufhängung an einer geschobenen, seitlichen Schwinge, während die hintere als sogenannte Triebsatzschwinge gleichzeitig Motor, Getriebe und die Räderkaskade für den Hinterradantrieb aufnahm.

Piaggio

Es gibt zwei Legenden, wie die Vespa – zu Deutsch: Wespe – zu ihrem Namen gekommen sein soll, beide sind sich jedoch einig, dass Enrico Piaggio persönlich ihr ihn verliehen habe. Als er den fertigen Roller in seinem Werk in Pontedera begutachtete, habe er beim ersten Anblick gemeint, sie sehe mit der schmalen Taille zwischen dem breiten Vor- und Hinterbau aus wie eine Wespe. Die andere besagt, er habe ausgerufen, sie höre sich an wie eine Wespe. Am 23. April 1946 meldete Piaggio sie zum Patent an. Die erste Serie der Vespa 98 mit 3,2 PS und 60 km/h Höchstgeschwindigkeit betrug 2000 Einheiten. Man wollte erst einmal sehen, wie das neue zweirädrige Fortbewegungsmittel beim Publikum ankam. Die Vespa erwies sich als Volltreffer, sie war rasch ausverkauft und in den nächsten Jahren explodierten die Verkaufszahlen. 1950 stieg die Zahl auf 60.000 und noch einmal drei Jahre später erreichte die weltweite Produktion 500.000 Vespas, die es ab 1948 auch als 125er mit 5 PS gab. Im Juni 1956 übersprang die Vespa die Eine-Million-Grenze.

Denn sie kam auch im Ausland gut an: Ab 1950 wurde sie in Lizenz in Deutschland von den Hoffmann-Werken gebaut. Bald folgten Großbritannien, Frankreich und Spanien. Vespa zog in den 1950er Jahren Werke unter anderem in Brasilien, Indien, Südafrika, Australien, Iran und China hoch. Doch die Vespa blieb nicht allein: Ab 1948 entstand der dreirädrige Kleintransporter Ape (Biene) auf Basis der Vespa, der zeitweise das Haupttransportmittel in der italienischen Landwirtschaft zu sein schien. 1953 erfuhr die Vespa einen zusätzlichen Schub, als Audrey Hepburn und Gregory Peck in dem erfolgreichen Hollywood-Film „Roman Holidays“ auf ihr durch die Ewige Stadt kurvten.

Es gab eine kontinuierliche Evolution des knuffigen Rollers. 1953 kletterte der runde Scheinwerfer vom Kotflügel nach oben und fand am Lenker der Vespa 125 U seinen Platz. Zwei Jahre später kam die Vespa 15 GS mit einer gepolsterten Zwei-Personen-Sitzbank als Serienausstattung und Vierganggetriebe. Sie hatte 10 Zoll große Räder, leistete 8 PS und erreichte Tempo 100. Auffällig war ihr neues Design, der Motor verschwand jetzt komplett unter runden Blechteilen. 1962 wuchs ihr Hubraum in der Vespa 160 GS leicht.