Heise 28.05.2026
12:12 Uhr

Apple WWDC: Deutet neue Subdomain auf eine KI-Strategieänderung hin?


Kurz vor der WWDC sorgt eine neue Apple-Subdomain für Spekulationen. Deutet „genai.apple.com“ auf eine Abkehr vom Marketingbegriff „Apple Intelligence“ hin?

Apple WWDC: Deutet neue Subdomain auf eine KI-Strategieänderung hin?

Wie weitreichend Apples Veränderungen bei seinen KI-Funktionen sein werden, ist wenige Tage vor der Keynote am Montag, 8. Juni, die Frage aller Fragen. Der Fund einer neuen Subdomain der Apple-Website und Berichte über Veränderungen bei der Bildgenerierung in Image Playground geben erste Anhaltspunkte, was auf der Entwicklerkonferenz WWDC zu erwarten ist.

Dass Apple eine neue Adresse für den Browser einrichtet, erscheint auf den ersten Blick nicht so spektakulär zu sein, wäre da nicht eine ungewöhnliche Bezeichnung. Mit genai.apple.com – entdeckt von Bloggern der Nachrichtenseite MacRumors – bedient sich Apple einer Bezeichnung für generative KI, die man bei Apple bislang Mitbewerbern wie Google und OpenAI überlassen hat. Vorausgesetzt, die entdeckte URL ist nicht nur eine Nebelkerze, könnte sich eine mögliche Abkehr oder Neuausrichtung der Marketingbegriffe abzeichnen.

Im Jahr 2024 wollte Apple die englischsprachige Abkürzung AI (Artificial Intelligence) mit seiner eigenen Bezeichnung Apple Intelligence neu definieren. Angesichts des langen Wartens auf Funktionen, die es mit den Mitbewerbern aufnehmen können, und der neu eingegangenen Kooperation mit Google, dessen KI-Modelle Verwendung finden sollen, könnte die Marketingabteilung Apples dem Kind einen neuen Namen geben wollen.

Passend dazu berichtet Bloomberg-Reporter Mark Gurman unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen bei Apple, dass die KI-Verbesserungen auch die bildgenerierende App Image Playground und die Genmojis betreffen sollen. Während die KI-generierte Mischung aus Emojis und eigenen Ideen und Fotos gerade bei der jüngeren Klientel auf positive Resonanz stößt, fiel Image Playground im ersten Anlauf mit deutlichen Einschränkungen bei der Gestaltung auf. Bis heute stellt Apple nur eine kleine Auswahl von Bildstilen zur Verfügung – sie alle eint, dass keine real anmutenden Bilder herauskommen können.

Mit der Erweiterung um bildgenerative Fähigkeiten von ChatGPT wurde zwar die Qualität der Ergebnisse besser. Nutzer haben seither die Auswahl, ob sie auf Apples KI setzen oder auf ChatGPT. Anders als Apples eigenen Modelle, die Bilder lokal auf dem Gerät generieren, nutzt ChatGPT die Server von OpenAI. Dennoch reicht auch dies nicht an das heran, was Nutzer mit den Bild-KI-Modellen von Google (Nano Banana) oder OpenAI (ChatGPT Images) im Web erreichen können.

Dass Apple infolge der Kooperation mit Google dessen Gemini-Bild-Modelle bereitstellt, klingt wahrscheinlich. In Gurmans Bericht ist von zusätzlichen KI-Modellen von Drittanbietern die Rede. Fraglich ist, ob Apple gleichzeitig die Zügel lockert, was Nutzer mit den Modellen anstellen können. Bislang reduziert sich der Mehrwert von Apples Bild-KI-App vor allem auf den Ansatz, anstelle von Textprompts auf grafische Elemente zu setzen, was vor allem bei KI-unerfahrenen Nutzern willkommen sein dürfte.

Veränderungen bei Apples KI-Fähigkeiten in den Betriebssystemen werden vor allem bei der Sprachassistenz durch Siri erwartet. Die Kurzbefehle-App soll künftig KI-gestützte Erstellung neuer Aktionen ermöglichen. Bereits in Aussicht gestellt wurden KI-unterstützte Funktionen für die Barrierefreiheit.

(mki)