Heise 05.06.2026
11:27 Uhr

Cobalt: Forscher entwickeln Smartphone-App für Robotertraining aus der Ferne


Wissenschaftler wollen Robotertrainingsdaten per Crowdsourcing sammeln. Über ein Smartphone mit der App Cobalt soll prinzipiell jeder dazu beitragen können.

Cobalt: Forscher entwickeln Smartphone-App für Robotertraining aus der Ferne

Ein Forschungsteam unter Federführung der Georgia Tech (mit Beteiligung von UC Berkeley, NYU Abu Dhabi, University of Toronto und Nvidia) hat die App Cobalt zur Steuerung von Roboterarmen entwickelt, die mit einem Smartphone von jedem Ort der Welt aus angesteuert werden können. So könne prinzipiell jeder Mensch ohne technische Vorkenntnisse einen Roboter bedienen. Dahinter steckt das Ziel, die dabei entstehenden Steuerungsdaten für das Training von Steuerungsalgorithmen für verschiedene autonome Aufgaben des Roboters zu sammeln und zu verwenden.

Die Cobalt-App für Smartphones arbeitet vergleichsweise einfach: Über eine sichere WLAN-Verbindung stellt sie übers Internet eine Verbindung zu einem Teleoperationsserver her, über den ein Roboterarm angesteuert werden kann. Zur Steuerung müssen die Nutzer lediglich das Mobiltelefon im Raum bewegen. Über die internen Sensoren werden die Bewegungen abgebildet und vom Roboterarm nachgeahmt. Das Resultat können die Nutzer sofort über eine Live-Videoverbindung mit geringer Latenz ansehen. Die Datenübertragung werde über WebRTC (Web Real-Time Communication) realisiert, schreiben die Forscher in der Studie „COBALT: Crowdsourcing Robot Learning via Cloud-Based Teleoperation with Smartphones“, die auf Arxiv im Preprint veröffentlicht ist. Der Hauptautor, Ayush Agarwal, hat die Ergebnisse auch auf der „IEEE International Conference on Robotics and Automation“ in Wien vorgestellt, die am 5. Juni 2026 endet.

Der Teleoperationsserver kann von jedem Ort auf der Welt erreicht werden, sodass eine große Nutzerbasis gewonnen werden kann. Schließlich verfügen weltweit rund fünf Milliarden Menschen über ein Smartphone, so die Forscher.

Die Nutzer können über die Cobalt-App etwa den Roboterarm anweisen, ein Objekt zu greifen, zu bewegen und loszulassen. Es seien eine Vielzahl von Objektmanipulationen möglich. Das geschehe über ein Smartphone intuitiver als über andere Eingabegeräte.

Dahinter steckt die Idee, dass auch unerfahrene Menschen mit einem Roboter arbeiten können. Die von ihnen dabei erzeugten Steuerungsdaten zeichnen die Wissenschaftler auf. Damit wollen sie Robotersteuerungsalgorithmen trainieren, um die Durchführung bestimmter Aufgaben mit einem Roboter automatisieren zu können.

Die Forscher stellen sich vor, mit einem solchen System die Datenerfassung für das Training von Robotern mittels Crowdsourcing zu ermöglichen. Das würde das Problem lösen, die im großen Maßstab erforderliche Erfassung von Daten für das Training von Robotern für die Massenherstellung in den Griff zu bekommen. Denn das Training von selbstständig agierenden Robotern lässt sich in der erforderlichen Qualität nicht allein durch Simulationen erreichen.

Die Wissenschaftler haben ihr System mit Probanden aus neun verschiedenen Ländern ausprobiert. Darunter Menschen, die keine Erfahrungen mit Robotern hatten, und Schüler der Midtown Highschool aus Atlanta. Die erfassten Daten ergaben, dass sie sich qualitativ für ein Robotertraining eignen und solchen, die mit professionellen Virtual-Reality-Headsets, Controllern, Tastaturen oder Computermäusen aufgezeichnet werden, in nichts nachstehen.

(olb)