Heise 05.06.2026
08:52 Uhr

Computex: Das Beste von der größten "Computer"-Messe


Was ist da los auf der Computex? c't 3003 hat den KI-Sirenengesängen widerstanden und fasst rational die Messe zusammen.

Computex: Das Beste von der größten

Trotz der allgegenwärtigen KI-Massenpsychose gab es auf der Computex natürlich auch Produkte ohne KI. c’t 3003 hat die interessantesten herausgesucht.

(Hinweis: Dieses Transkript ist für Menschen gedacht, die das Video oben nicht schauen können oder wollen. Der Text gibt nicht alle Informationen der Bildspur wieder.)

Guckt mal hier, ich bin hier auf der Computex in Taiwan und was ich überhaupt nicht verstehe: Hier gibt es überhaupt nichts zum Thema KI! Scherz, es ist geradezu absurd, wie viel KI-Zeug einem hier begegnet. Das ist fast wie eine Karikatur. Ich wäre mir nicht mehr sicher, ob es überhaupt einen einzigen Stand gibt, wo nicht irgendwo AI dransteht. Und wie das eben so ist mit solchen Überhypes: Alle denken, sie müssen mitmachen. Wie hier zum Beispiel, der erste agentische Monitor. Ja, puh, ich habe zwischendurch wirklich laut lachen müssen – zeige ich euch gleich.

Tatsächlich hat man hier auf der Computex manchmal das Gefühl, als würde man direkt in ein KI-Rechenzentrum reingehen. Was ja auch Sinn ergibt, denn alle Firmen wollen da offenbar auch rein, also in das KI-Server-Business, weil gerade absurd viel Geld in den Bau von KI-Rechenzentren fließt. Dann werden die PC-Komponenten für Nicht-Rechenzentrum-Produkte knapp und teuer, vor allem Speicher. Weshalb immer weniger Privatleute PCs kaufen – ein Teufelskreis. Und hier auf der Computex sieht man nun, wie alle versuchen, um das KI-Ramageddon drumherum zu arbeiten. Wie kreativ die Branche das macht, seht ihr in diesem Video und außerdem auch noch ein paar andere sehr interessante Produkte hier auf der Computex. Bleibt dran.

Liebe Hackerinnen, liebe Internetsurfer, herzlich willkommen hier bei...

Ja, die Computex in Taiwan nannte sich ja mal die größte Computermesse der Welt. Ruhe in Frieden, CeBIT. Aber wenn man heute auf die Website geht, dann steht da gar nichts von Computern. Also, nur noch hinter AI steht „AI and Computing“. Und sonst steht da nur, Computex ist die führende globale Messe, fokussiert auf AIoT and Startups. AIoT, hä? Artificial Intelligence of Things. Ganz ehrlich, das habe ich vorher noch nie gehört. Aber okay, liegt vielleicht an mir. Egal, rein hier in die Computex zusammen mit meinen ganzen heise-Kolleginnen und Kollegen. Wir sind hier nämlich dieses Jahr mit einem riesigen Team aufgeschlagen. Nice!

Für mich war auf jeden Fall die größte Überraschung, dass es hier große Notebook-Neuvorstellungen gab, die tatsächlich standardmäßig mit 8 GB RAM in den Handel kommen. Noch vor einem Jahr gab es 8 GB nur in der absoluten Billig-Klasse für weniger als 100 Euro. Ab der Mittelklasse waren 16 GB Standard. Und nun gibt es das Acer Swift Air 14, das kommt in Europa für 800 Euro und zwar ausschließlich mit 8 GB, weil um die Preise niedrig zu halten, wird die Hauptplatine in hohen Stückzahlen nur in einer Konfiguration gefertigt, eben mit aufgelöteten 8 GB. So ist halt die Realität, kann man Acer jetzt auch nicht vorwerfen, die Firmen müssen um das KI-Ramageddon halt herum improvisieren. Auch Apple, die ja ihr offenbar ziemlich erfolgreiches MacBook Neo auch mit 8 GB für 700 Euro anbieten. Und Acer will da ziemlich offensichtlich in dieser MacBook-Neo-Zielgruppe wildern, das sieht man auch an der Werbung, die ja schon ein bisschen an Apple erinnert.

Fühlt sich auf jeden Fall wertig an, also mit Alu-Gehäuse und so, aber das Acer Swift Air 14 kostet 100 Euro mehr als das Neo, dafür gibt's aber einen Inch mehr Display-Diagonale, es gibt bessere Anschlüsse, nämlich zweimal USB-C mit vollem Thunderbolt 4 und einer USB-A-Buchse. Beim MacBook Neo gibt es nur zweimal USB-C mit jeweils USB 3 und USB 2, also sehr abgespeckt. Und das Acer-Display macht 120 Hertz, bei Apple gibt es nur 60. Das Problem ist nur: 8 GB unter Windows 11 und unter macOS fühlen sich möglicherweise dann doch anders an. Also, wenn ihr viele Tabs im Browser offen habt, dann werden beide Betriebssysteme mit so wenig Speicher in die Knie gehen. Aber generell würde ich dann doch sagen, dass Windows 11 Stand heute mit 8 GB weniger gut zurechtkommt als macOS.

Auch Dell zeigt mit dem XPS 13 einen MacBook-Neo-Konkurrenten. Das hat auch ein Alu-Gehäuse, kostet wohl auch 800 Euro in Europa mit 8 GB RAM, hat aber auch zumindest 120 Hz und sogar eine beleuchtete Tastatur. Trotzdem, kurze c't 3003-Empfehlung: Kauft euch keinen Computer mit 8 GB RAM. Wenn ihr nicht so viel Geld ausgeben könnt oder wollt, dann nehmt lieber was Gebrauchtes.

Ja, und neue PC-Handhelds gab es auch, zum Beispiel das Asus ROG Ally X20 mit fettem 7,4-Zoll-OLED-Display und AMD Ryzen AI Z2 Extreme oder das MSI Claw 8 EX AI+ – kurzer Einschub, ohne AI geht es nicht, auch in den Typbezeichnungen – mit dem Intel-Konkurrenten Arc G3 und 9-Zoll-LC-Display. Das sind eigentlich interessante Geräte, finde ich, aber weil da eben so viel RAM drin ist, also 24 bzw. sogar 32 GB, werden die Teile voraussichtlich so teuer werden, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass sich viele Menschen so etwas zulegen werden. Ja, ist leider so.

Das Gleiche gilt auch für die auf jeden Fall meistdiskutierten Computer auf der Computex, nämlich die ersten Notebooks mit Nvidia-CPU und -GPU, den RTX-Spark-Rechnern. Also das mit den Preisen ist eine Prognose von uns, weil es gab so gut wie keine Infos zu den Teilen bislang, obwohl wirklich jeder relevante Notebook-Hersteller so ein Teil angekündigt hat und die auch schon im Herbst kommen sollen. Mein c't-Kollege Florian hat auf der Messe zumindest ein bisschen mehr herausgefunden, als die Hersteller sagen wollten. Zum Beispiel, dass er davon ausgeht, dass der große Nvidia-Notebook-Chip Codename N1X um die 45 bis 85 Watt verheizen darf. Das Kühlsystem im Microsoft Surface Laptop Ultra mit dem N1X ist sogar auf 110 Watt ausgelegt. Es wird aber auch eine abgespeckte Version des ATX Spark Chips geben, der heißt dann N1, also ohne X. Der wird sich so im Bereich 18 bis 45 Watt tummeln.

Und die große Frage ist jetzt natürlich: Wie wird die Akkulaufzeit? Weil die quasi Desktop-Version des RTX Spark, also der DGX Spark, den haben wir schon getestet, und da haben wir damals im Leerlauf schon 20 Watt gemessen. Das wird also auf jeden Fall interessant.

Apropos interessant: Ich fand die schönen OLED-Monitore, die man hier wirklich an jeder Ecke sehen kann, bemerkenswert. Das Besondere ist, dass die nicht mehr wie noch in der Vergangenheit nur in recht dunkler Umgebung gut aussehen, sondern dass sie helligkeitsmäßig richtig reinballern. Tandem ist das Stichwort. Das bedeutet, dass zwei oder sogar mehr organische Leuchtschichten übereinander liegen und so mehr Helligkeit bringen. Laut den Herstellern sinkt damit auch das Einbrennen-Risiko, was ja bei OLED immer ein Thema ist. Zwei Hersteller bauen diese OLED-Panels, nämlich einmal Samsung – da heißen die QD-OLED, also Quantum Dots OLED – und einmal LG. Was auch neu ist: Es gibt OLED-Monitore jetzt in sehr, sehr vielen Größenklassen. Das war in der Vergangenheit ja noch ziemlich begrenzt.

Kurios fand ich zum Beispiel den ROG Strix OLED XG259QWPG, der als eSports-Monitor vermarktet wird, mit 24,5 Zoll für OLED sehr klein ist und tatsächlich nur 1080p Auflösung zeigt, dafür aber 540 Hertz hat. Was mich bei OLEDs immer ein bisschen genervt hat: Die haben immer gespiegelt. MSI hatte jetzt aber auf der Computex so ein Apple-Studio-Display-mäßiges Gerät am Start – mit OLED, 27 Zoll, 4K, 120 Hertz und mattiert. Der Preisbereich wird wohl so um die 650 Euro sein.

Ich habe ja am Anfang von unnützen KI-Funktionen geredet. MSI hat tatsächlich den ersten agentischen KI-QD-OLED-Monitor der Welt am Start. Der Punkt ist, dass man da halt einen PC anschließen kann, auf dem OpenClaw beziehungsweise die von MSI angepasste Variante namens Lucky Claw läuft. Und der kann dann Parameter des Monitors ändern. Also, statt den Knopf für die Helligkeit zu drücken, kann ich meinem Claw-Assistenten texten: „Mach mal Helligkeit höher“ – oder per Sprache halt. Ich sage mal, das macht mein Leben jetzt nicht unbedingt besser.

MSI hatte mit dem MEG Vision X2 AI+ auch direkt einen Komplett-PC am Start, auf dem LuckyClaw nicht nur vorinstalliert ist, sondern wo auch im Gehäuse so ein Display eingebaut ist, wo dann so ein animiertes Hologramm – also LC-Display – mit diesem MSI-Drachen. Und mit dem kann man dann auch sprechen. Konkret hatten die das auf der Computex so eingestellt, dass OpenClaw mit dem chinesischen Cloud-KI-Modell Minimax lief und die Sprachausgabe über 11 Labs. Und bei der Stimme, da hat MSI also, ich sage mal, nicht unbedingt die entspannteste Variante ausgesucht.

Und generell: Man sollte eine sowieso potenziell gefährliche Software wie OpenClaw, die nahezu täglich Sicherheitsupdates bekommt, vielleicht nicht in einer Variante eines anderen Herstellers verwenden, bei der die Updates nicht zeitgleich durchgereicht werden. Wäre jetzt meine Einschätzung. Aber der Drache ist natürlich ganz niedlich. Was meint ihr? Gerne in die Kommentare schreiben. Mehr über die Computex gibt es übrigens auch bei unserem 4004-Podcast, auch hier auf dem Channel und überall, wo es Podcasts gibt. Tschüss!

c't 3003 ist der YouTube-Channel von c't. Die Videos auf c’t 3003 sind eigenständige Inhalte und unabhängig von den Artikeln im c’t Magazin. Die Redakteure Jan-Keno Janssen, Lukas Rumpler, Sahin Erengil und Pascal Schewe veröffentlichen jede Woche ein Video.

(jkj)