Heise 09.04.2026
11:52 Uhr

Elektroauto Xpeng P7+ im ersten Fahrbericht: Chinas stille Überraschung


Die Reiselimousine Xpeng P7+ bietet ruhiges Design, hohe Ladeleistung und viel Komfort. Gegen einige Schwächen der Bedienung hilft aber nicht einmal Gewöhnung.

Elektroauto Xpeng P7+ im ersten Fahrbericht: Chinas stille Überraschung

Dass ich die ultraschnelle Ladesäule bereits bei 62 Prozent SOC anfahre, ist reine Neugier, denn XPeng verspricht für den P7+ mit 446 kW eine Ladeleistung weit oberhalb der üblichen Werte. Die meisten europäischen Schnellader geben deutlich weniger her, deshalb nutze ich die Gelegenheit eines Ladeparks des niederländischen Anbieters Fastned, an dessen Säulen immerhin bis zu 400 kW fließen können. Es dauert nur wenige Sekunden und die Anzeige auf der Ladesäule steigt auf 268 kW – trotz des hohen, anfänglichen Ladestands.

Für die meisten aktuellen E-Autos wäre das ein Spitzenwert, für den Xpeng P7+ sind es gerade mal 60 Prozent der möglichen Ladeleistung. Aber: Die Batterie ist noch mehr als halbvoll, das Thermometer zeigt gerade mal 15 Grad und die Batterie-Vorkonditionierung war auf dem Weg hierher nicht aktiv. Letztere sollte bei der kälteempfindlichen LFP-Zellchemie Pflicht sein, obwohl es immer noch Hersteller gibt, die das nicht anbieten.

Schon die Standard-Version des P7+ schafft beachtliche 350 kW, der Testwagen ist die noch schneller ladende und weiter fahrende, sogenannte Long-Range-Variante mit Heckantrieb. Sie soll laut Datenblatt unter idealen Bedingungen zwölf Minuten benötigen, um von 10 bis 80 Prozent zu laden. Nach fünf Minuten Ladezeit zeigt die schmale Anzeige hinter dem Lenkrad bei der eingangs beschriebenen Zwischenladung 100 km mehr Reichweite an, es geht weiter.

Dirk Kunde

Mit dem bereits in Deutschland erhältlichen XPeng P7 hat der P7+ nicht viel zu tun. Er basiert auf einer neuen technischen Plattform, bietet 800-Volt-Batterietechnik und ist neun Zentimeter länger. Der P7+ ist eine Limousine mit viel Platz und großem Komfortangebot. Unter anderem ein adaptives Fahrwerk (DCC), Akustikglas sowie Heizung, Lüftung und Massagefunktion für alle Sitze sollen Reisen entspannt gestalten. Markus Schrick, Geschäftsführer von XPENG Deutschland, mag beim P7+ nicht von Premium sprechen, obwohl die Ausstattung es rechtfertigen würde. Die Marke soll hierzulande aber „der deutscheste aller chinesischen Anbieter werden“. 2026 soll die Zahl der Händlerstandorte von 60 auf 110 wachsen, mit 8000 Autos als Absatzziel. 2027 sollen es 15.000 werden.

Der beste Platz ist hinten rechts. Dort kann man die Fahrt unter dem großen Glaspanoramadach und mit einem soliden Klapptisch am besten genießen. Bei drei Metern Radstand ist die Beinfreiheit hier auf Oberklasseniveau. Der Bildschirm zwischen beiden Sitzen ermöglicht ein Verschieben sowie Einklappen des Beifahrersitzes. Hier zeigt sich, dass das Auto als Chauffeurs-Wagen konzipiert wurde. Hinter der Rückenlehne, die sich zehn Grad nach hinten verstellen lässt, ist Raum für 573 Liter Gepäck. Mit umgeklappter Rückenlehne werden daraus 1931 Liter. Es überrascht, dass es keine ausziehbare Kofferraumabdeckung gibt. Aber ein Kontrollblick zeigt: Durch die getönte Heckscheibe kann man nicht in den Kofferraum schauen.