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19.05.2026
17:31 Uhr
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Es klingt wie ein Paradox: Die Verringerung von Aerosolemissionen verbessert die Luftqualität und trägt gleichzeitig zum Anstieg der Temperatur bei.

Gute Luft ist schlecht fürs Klima: In den vergangenen Jahren sind die Emissionen an Feinstaub und anderen Aerosolen zurückgegangen. Das steigert die Luftqualität, könnte laut Forschungsergebnissen aber auch für steigende Temperaturen verantwortlich sein.
In der Luft schwebende Teilchen wie Reifenabrieb oder Verbrennungsrückstände sind schädlich für die Gesundheit. Doch die Teilchen haben auch Auswirkungen auf das Klima: Sie streuen und reflektieren einen Teil des Sonnenlichts und fördern die Wolkenbildung. Ein Team von Wissenschaftlern aus China und den USA hat versucht zu ermitteln, wie stark der Einfluss der Aerosole auf das Klima ist.
Zwischen 2013 und 2023 gingen die Aerosolemissionen stark zurück. Im gleichen Zeitraum beschleunigte sich auch die Klimaerwärmung: Von 1970 bis 2012 betrug sie 0,179 Grad pro Jahrzehnt, von 2013 bis 2023 stieg sie auf 0,263 Grad. Die natürlichen Temperaturschwankungen sind dabei berücksichtigt und herausgerechnet.
Der Effekt sei schwierig zu bestimmen, schreibt das Team um Drew Shindell von der Duke University in Durham im US-Bundesstaat North Carolina und Bin Zhao von der Tsinghua University in Peking in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS): „Während Treibhausgasemissionen langfristig der dominierende Faktor bleiben, stellen Aerosole eine der unsichersten Komponenten im Klimasystem dar.“
Hinweise gibt es dennoch: So wurde in China nach 2013 eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die zu einer deutlichen Verbesserung der Luftqualität führten. Für den Zeitraum von 2013 bis 2023 ermittelten die Forscher dort einen Temperaturanstieg von 0,018 Grad zur Erderwärmung. Über den übrigen Landflächen, wo die Luftverschmutzung verringert wurde, lag der Temperaturanstieg bei 0,013 Grad.
Ein weiterer Faktor sind die von der International Maritime Organization (IM) erlassenen Richtlinien für Schiffstreibstoffe: Seit 2020 dürfen diese nur noch 0,5 Prozent Schwefel enthalten. Vorher waren es 3,5 Prozent. Dadurch stoßen die Schiffe deutlich weniger Schwefeloxide in Form von Aerosolen aus.
Diese drei von der Forschergruppe untersuchten Quellen zur Verringerung von Aerosolen zusammen wären demnach zwischen 2013 und 2013 für einen Temperaturanstieg von 0,044 Grad verantwortlich. Das entspräche 52 Prozent der beschleunigten Erwärmung von 0,084 Grad, also des Unterschieds zwischen der Erderwärmung von 1970 bis 2012 (0,179 Grad pro Jahrzehnt) und von 2013 bis 2023 (0,263 Grad pro Jahrzehnt). In Simulationen bis ins Jahr 2050 erhöhte sich der Beitrag der Aerosolreduktion an der Erderwärmung auf 0,078 Grad.
Dennoch ist die Reduktion von Aerosolen unverzichtbar: Nach dem Ende April von der Europäischen Umweltagentur (EUA) veröffentlichten Bericht zur Luftqualität ist die Luftverschmutzung in Europa seit der Jahrtausendwende deutlich zurückgegangen. Doch noch immer meldeten 20 Prozent der Messstationen Werte, die über den geltenden Richtlinien für die Luftqualität lagen.
(wpl)