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22.05.2026
08:00 Uhr
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Musikkopfhörer, Headset, Aufnahmegerät und Schallblocker: Der Soundcore Liberty 5 Pro von Anker will alles sein. Dabei helfen soll ein KI-Chip aus Deutschland.

Die neuen In-Ear-Kopfhörer des chinesischen Herstellers Anker fallen auf: Die Cases von Soundcore Liberty 5 Pro und Pro Max sind mit OLED-Bildschirmen bestückt. Damit kann man die Medienwiedergabe und Telefonate steuern. Das eigentlich Spannende allerdings ist unsichtbar. Im Inneren steckt ein KI-Chip aus deutscher Fertigung. Wir haben die Max-Variante ausprobiert.
Das Case der Pro Max ist mit einem touchsensitiven 1,78 Zoll OLED-Bildschirm bestückt. Mit dem etwas träge reagierenden Bildschirm kann man das Pairing anstoßen, die Medienwiedergabe steuern oder Einstellungen an den Kopfhörern vornehmen. Die Nicht-Max-Variante ist im Unterschied zum großen Bruder mit einem kleineren Bildschirm bestückt; außerdem fehlt ihrem Case die Aufnahmefunktion. Abgesehen davon sind die beiden Geräte technisch identisch.
Den bohnenförmigen In-Ears liegen fünf verschieden große Silikonaufsätze für den richtigen Sitz bei. Außerdem sind sie mit einer weichen Gummilippe bestückt, die für zusätzlichen Halt im Ohr sorgt. Dadurch verrutschen sie auch bei ruckartigen Bewegungen kaum und sind dank IP55-Zertifizierung für den Sport geeignet.
Anker setzt den Dolby-Atmos-fähigen In-Ears 9,2 Millimeter große Audiotreiber ein. Diese sind klar auf eine satte Basswiedergabe und einen spaßbetonten Sound getrimmt. In der App kann man den Klang anpassen und zum Beispiel den Höhen mehr Raum geben. Insgesamt weiß der Sound zu gefallen, an die differenzierte Tieftonwiedergabe bis in den Subbassbereich und die klaren Höhen der Sony WF-1000XM6 kommen die Liberty 5 Pro (Max) aber nicht ganz heran.
Für die Geräuschunterdrückung und die Telefonie erfassen insgesamt acht Mikrofone, vier pro Seite, die Umgebungsgeräusche und die eigene Stimme. Dabei hilft auch der von Anker entwickelte und in einem Werk in Dresden gefertigte Thus-KI-Chip, der in den Liberty 5 Pro und Pro Max erstmals zum Einsatz kommt. Dabei handelt es sich um einen wenige Quadratmillimeter kleinen NOR-Flash-Speicherbaustein ohne klassische CPU-Kerne oder Matrix-Einheiten, der mit wenigen Milliwatt Leistung auskommt.
Laut Anker wird auf Basis von 384.000 Berechnungen pro Sekunde der passende Antischall erzeugt. Im Zusammenspiel mit einem neuronalen KI-Modell, den Mikrofonen und Knochenschallsensoren sollen die Kopfhörer die Stimme präzise erkennen und von störendem Umgebungslärm trennen können. So weit die Theorie.
Auf die Probe gestellt haben wir die Kopfhörer an einem belebten Bahnhof, im Zug, am Flughafen und in einem Flugzeug. In jeder Disziplin können sich die Liberty 5 mit unserer In-Ear-ANC-Referenz Sony WF-1000XM6 messen, ohne neue Bestmarken zu setzen. Gleichbleibenden, tieffrequenten Störschall, zum Beispiel Motorengeräusche, bügeln die Anker-Kopfhörer besonders rigoros weg, in manchen Situationen einen Hauch besser als die Sony-Konkurrenz. Diese wiederum ist besser gegen plötzlich auftretende hochfrequente Störgeräusche gewappnet, etwa schreiende Kinder. Das dürfte auch an der durch die Schaumstoffaufsätze besseren passiven Dämpfung der Sony-Kopfhörer liegen. Ähnlich gut funktionieren die Liberty 5 Pro (Max) für Telefonate in wuseliger Umgebung. Von dieser kommt beim Gegenüber so gut wie nichts an. Nur in sehr lauten Umgebungen wird die Stimme mitunter digital verzerrt übertragen oder die KI ist etwas übereifrig und operiert auch einen Teil der Stimme heraus.
Anders als die Pro-Variante ersetzen die Pro Max auch einen Sprachrekorder. Dazu kann man das mit Mikrofonen bestückte Case bei einem Gespräch in die Mitte legen und dieses aufzeichnen lassen. Nach der Aufnahme überträgt das Case die Aufnahme an die zugehörige App. Die Mikrofonqualität ist passabel, die automatische Transkribierung recht akkurat. In Sachen Sprachererkennung stachen die Liberty 5 Pro Max ein parallel aufzeichnendes Plaud Note Pro aus.
Beide Varianten kommunizieren per Bluetooth 6.1 und beherrschen neben AAC und SBC auch LDAC. Allerdings fehlen LE Audio und Auracast auf der Ausstattungsliste. Anker beziffert die Laufzeit der Kopfhörer bei aktivierter Geräuschunterdrückung auf 28 Stunden. Ohne Nachladen im Case soll ein Bud 6,5 Stunden durchhalten. Neben USB-C kann man das Case auch per Qi laden.
Für die Pro-Variante ruft Anker 179 Euro auf, die Pro Max kosten 249 Euro und damit genauso viel wie Apples AirPods Pro 3.
(rbr)