Heise 04.06.2026
12:08 Uhr

„Masters of the Universe“: Zum Fremdschämen platt und schlecht gespielt


Der neue He-Man ist ein Film wie eine Pelz-Unterhose: Ganz witzig, aber sinnlos. Diesen zerfahrenen Quatsch hätte man wenigstens kürzen können.

„Masters of the Universe“: Zum Fremdschämen platt und schlecht gespielt

Der neue He-Man-Film heißt „Masters of the Universe“, er läuft jetzt im Kino, und er ist 142 Minuten lang. Das ist viel Zeit. Genug, um sich sechs Folgen der Fernsehserie von 1983 anzuschauen. Wer sich aber für den Film entscheidet, der bekommt etwas ganz anderes geliefert. Im bunten Kessel schwimmen eine Parodie auf die simple Vorlage mit ihren legendär schlichten Heldennamen, eine ernst gemeinte Geschichte über die Bedeutung von Macht und Männlichkeit, ein heißer Haufen Fantasy-Action, teure Spezialeffekte und ziemlich alberne Kostüme. Stars wie Idris Elba und theoretisch auch Jared Leto spielen tragende Rollen.

Doch die Schauspieler können diesen Film nicht tragen, sie wirken selbst ratlos. In aller Regel müssen sie ernst schauen, aber vorsorglich eine ironische Augenbraue heben. Denn in jeder Szene passiert prinzipiell alles.

Beispielsweise bricht plötzlich ein schrecklicher Krieg in die Fantasy-Idylle, dann treten unerschrockene Helden wie Ram-Man und Fisto auf, und dann fühlt sich auch der Film verpflichtet, diese unfreiwillig komischen Bezeichnungen für Action-Figuren der frühen 1980er nachträglich zu kommentieren, oder wenigstens zu versuchen, dem Publikum zuzuzwinkern. Also wird es wieder albern.

Aber jederzeit könnte Idris Elba ins Bild kommen und ernstgemeinte Männergefühle ausdrücken. Oder Jared Letos Skeletor könnte als sadistischer Superbösewicht schlimme Dinge tun und einen gemeinen Witz machen. Vielleicht macht sich aber auch der Film über Skeletor lustig. Ohne erkennbare Logik schlingert der Ton. Statt Spannung gibt’s Gehacktes.

Amazon MGM/Sony Pictures

Nicht nur He-Man arbeitet anfangs im Großraumbüro eines irdischen Unternehmens, auch der Film wirkt wie das Ergebnis einer höllischen Brainstorming-Session, bei der wirklich alle Ideen durchgewunken werden. Keine der Ideen ist neu. Eine funktionierende Dramaturgie entsteht eher nicht. Das Abenteuer beginnt mit einer langatmig erzählten Rahmenhandlung, in der man zuerst den schwächlichen Hänfling Adam in Eternia kennenlernen muss, bevor man den verweichlichten Erwachsenen Adam in der Personalabteilung erträgt. Dass er heimlich Schwerter googelt, wird als Witz ausgespielt. So richtig scheint der Film nicht zu wissen, ob er sich über Softies lustig macht oder über die Fantasy-Nerds im Publikum.

Vielleicht weiß es auch He-Man-Darsteller Nicholas Galitzine nicht. Schon vor seiner Verwandlung sieht er muskulös aus, aber er trägt halt ein Hemd. Mal spielt er eher das traumatisierte, aus Eternia geflohene Kind, mal eher einen Halbgott an der Schwelle zur Selbstparodie. Von woanders abgeschaut sieht beides aus. Zum Fremdschämen platt geschrieben und schlecht gespielt ist die ganze Office-Komödie in der wertschätzenden Personalabteilung. Als endlich wieder Action eintrifft, ist man vor allem dankbar für die Abwechslung, aber sonderlich originell sind die Prügeleien mit fliegenden Autos nicht.

Immerhin wird es in Eternia besser. He-Mans Heimat hat am ehesten so etwas wie einen nostalgischen Reiz, es ist ein prototypisches Fantasyreich mit starken Designbezügen zu Spielzeug und Zeichentrickserie. Hier knallen die Spezial-Effekte, und alles ist erlaubt, was je auf einem Metal-Plattencover der 1980er zu sehen war. Monsterhorden, Raumschiffe und Explosionen in Burgen, Urwäldern und Lava-Höhlen rauschen vorbei. Nicholas Galitzine darf endlich den Lendenschurz anziehen. Dazu gibt es Camila Mendes als kompetente Jugendfreundin Teela, Idris Elba als Man-At-Arms und ein ganzes Ensemble charakterloser Helden und Monster von früher zu sehen. Auch daran ist nichts spannend, aber es gibt wenigstens ein buntes Spektakel.

Die Heldennamen von damals werden im Film als Fantasien eines Zehnjährigen erklärt. Natürlich heißen Ram-Man und Fisto nicht wirklich so. Sie reagieren beleidigt bis belustigt, als die Namen hören. Darüber hinaus haben sie aber keine Eigenschaften. Sie tauchen mehrfach auf, und sie identifizieren sich zunehmend mit den schlüpfrigen Witzen, sie bleiben Ram-Man und Fisto. Charaktere wie Mekaneck (der mit dem ausfahrbaren Hals) erschöpfen sich komplett in witzig gemeinten Actionszenen, in denen sie ihre Spezialkraft einsetzen.

Skeletors Horden dagegen scheitern auf lustige Weise an ihren Spezialkräften. Ihre Kostüme erinnern an die finnischen Latex-Fantasy-Rocker Lordi. Anfangs sind sie womöglich einschüchternd gemeint. Später zappelt der Stachelmann hilflos aufgespießt in der Decke.

Doch alles hier sieht aus wie aus besseren Fantasyfilmen und Komödien abgeschaut. Nichts hat ein Gewicht oder eine Bedeutung. Mal gibt’s Conan, mal eher Bud Spencer. Viele Charaktere sterben, nie ist es schlimm. Im Lauf der Handlung wird früh deutlich, dass bis auf den Protagonisten alles egal ist. Wenn sich Adam mal zusammenreißt, ist He-Man ungefähr so übermächtig wie Superman. Als es endlich um alles geht, wird der Film besonders langweilig.

Immer wieder deutet sich an, dass „Masters of the Universe“ etwas Profundes über Männlichkeit sagen möchte. Idris Elba hadert als Man-At-Arms damit, dass er Eternia nicht schützen konnte, Adams Vater scheitert an der Erziehung seines schwächlichen Sohnes, und der einfühlsame Adam selbst ist über den halben Film ein laufender Witz. Als sich die Charaktere endlich ein Herz fassen und sagen, was sie fühlen, kommen aber nur Binsenweisheiten heraus. Was bleibt, sind Männerprobleme und Witze über Softies.

Doch zumindest im Kinosessel kann man etwas erleben, solange man nur versucht, nicht dabei zu denken. Der Film mag brutale Längen haben, aber es gibt auch sehr viel Action. Das macht vor allem Spaß, wenn der unbesiegbare Superheld alles kaputt machen darf. Als sich Adam das erste Mal in He-Man verwandelt, sieht man zu schmetternden Gitarrenriffs, wie ihm die blitzumzuckten Muskeln anschwellen – aber mit einem Augenzwinkern.

Wer noch Power-Metal mag und sich früher in einschlägigen Plattencovern verloren hat, der könnte von dieser Ästhetik abgeholt werden. „Masters of the Universe“ ruft klassische, einfachere Fantasy für leuchtende Kinderaugen wach. Das kann unterhaltsam aussehen. Wenn niemand spricht und die Gitarren singen, dann klingt es auch gut.

Doch leider wird viel gesprochen, und der Film verirrt sich auf seiner Spiellänge immer wieder. Irgendwo in diesem Szenenhaufen steckt vielleicht ein kurzweiliger Actionfilm mit ein bisschen Selbstironie. Herausgekommen ist ein Fragezeichen mit Überlänge.

(dahe)