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19.08.2026
05:45 Uhr
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Der CO2-Ausstoß der US-Stromproduktion könnte um bis zu einem Drittel steigen, werden 99 geplante Gaskraftwerke für KI-Datenzentren realisiert.

Der KI-Hype droht, zur Umweltkatastrophe zu werden. Nicht nur fallen große Mengen Elektronikschrott an, es gibt auch viel Lärm und hohen Wasserverbrauch – nicht nur in Hyperscale-Datenzentren selbst, sondern auch bei den dafür notwendigen Kraftwerken. Und diese heizen den Ausstoß von Treibhausgasen an, handelt es sich doch meist um neue, weniger effiziente Gaskraftwerke.
Darauf weist Bloomberg New Energy Finance (BloombergNEF) hin. Die Marktbeobachter wissen von 99 Gaskraftwerken, die in 22 US-Staaten geplant oder in Bau befindlich sind. Sie sollen aber nicht ans Stromnetz angeschlossen werden sollen, da sie ausschließlich Strom für Hyperscale-Datenzentren für KI erzeugen sollen. Sofern alle 99 Inselanlagen verwirklicht werden, würde das den CO2-Ausstoß der US-Stromerzeugung um mehr als ein Fünftel, vielleicht sogar ein Drittel erhöhen. Letzteres entspräche größenordnungsmäßig dem doppelten CO2 aus der gesamten Verbrennung von Jet Fuel in den USA.
BloombergNEF schätzt den CO2-Ausstoß der 99 neuen Gaskraftwerke auf 318 Millionen Tonnen pro Jahr, sofern sie mit einer bei netzdienlichen Gaskraftwerken typischen Auslastung zwischen 60 und 100 Prozent laufen. Diese 318 Millionen Tonnen wären mehr als 21 Prozent des gesamten CO2 aus Stromerzeugung in den USA 2025. Sollten die KI-Kraftwerke hingegen durchgängig mit voller Leistung fahren, würde der CO2-Ausstoß sogar um ein Drittel zulegen. Damit könnte die US-Stromerzeugung beim Kohlendioxid den Verkehrssektor wieder überholen, die Fortschritte aus der Reduktion der Kohleverstromung würden zunichte gemacht.
Die geplanten KI-Kraftwerke setzen meist auf Gasturbinen im offenen Prozess. Dabei werden die heißen Abgase direkt in die Umwelt geblasen. Das ist weniger effizient als Gas-und-Dampfturbinen-Kombikraftwerke, welche die Hitze ihrer Abgase für Dampfturbinen nutzen. So kann aus der selben Menge Erdgases mehr Strom herausgeholt werden.
Die Betreiber der Hyperscale-Datenzentren hätten natürlich lieber die effizienteren Kombikraftwerke, doch müssten sie auf die dafür notwendigen Bauteile jahrelang warten. Das wollen sie dann auch wieder nicht.
Dass die 99 Gaskraftwerke tatsächlich alle gebaut werden, glaubt Bloomberg nicht. Mehr als ein Drittel sei in Texas geplant, und dort habe der Republikanische Gouverneur jüngst eine Pause für die Genehmigung neuer Datenzentren verlautbart. Dabei übersieht Bloomberg, dass diese Pause nur für Projekte gilt, die mehr als 75 Megawatt aus dem öffentlichen Netz beziehen möchten – also gerade nicht jene Hyperscaler, die ihre eigenen Kraftwerke bauen.
Stand Anfang August lagen in Texas Anträge auf dicke Stromanschlüsse für insgesamt 474 Gigawatt auf. Das ist eine absurde Menge: Der Rekord der in Texas gezogenen Stromleistung datiert vom 22. Juli und beläuft sich auf 91 Gigawatt. Zirka 90 Prozent der neuen Anträge stammen von Datenzentrumsprojekten. US-weit sind Anträge auf neue Stromanschlüsse für insgesamt mehr als 1.000 Gigawatt bekannt, von denen ein Achtel bereits genehmigt worden ist.
Kritiker halten selbst die vom texanischen Gouverneur angekündigte Pause für Theater, weil sie zu viele Schlupflöcher habe und bereits beantragte Projekte sowieso nicht betreffe. Wasser auf die Mühlen der Kritiker sind mehrere Presseaussendungen, laut denen Hyperscaler die texanische Hyperscale-Pause loben.
Allerdings gibt es immer stärkeren Gegenwind gegen die Megaanlagen. Lärm, Boden- und Wasserverbrauch, sowie explodierende Strompreise erzürnen Wähler beider US-Parteien. Einige Republikanische Abgeordnete in Texas wollen neuerdings ländlichen Gebietskörperschaften mehr Macht geben, damit diese etwas gegen neue Datenzentren tun können.
Umweltschützer fordern, Datenzentren abgasrechtlich nicht länger getrennt von ihren Kraftwerken zu behandeln. Weil die Kraftwerke rechtlich gesehen andere Eigentümer haben, fallen die Datenzentren unter Ausnahmebestimmungen, die für kleine Betriebe wie etwa Waschsalons gedacht sind, schreibt der San Antonio Current. Nimmt man das Kraftwerk hinzu, drohe ein neues Hyperscale-Datenzentrum der Amazon Web Services (AWS) in Westtexas samt neuem Kraftwerk von bis zu 7,65 Gigawatt zum größten Luftverschmutzer der USA zu werden.
Etwa 50 Kilometer davon entfernt baut Chevron ein neues 2-GW-Gaskraftwerk für Microsoft. Nur diese beiden Anlagen werden zusammen mehr Strom für KI erzeugen, als ganz New York City an einem heißen Sommertag benötigt, merkt Bloomberg an.
Für den Bundesstaat New York hat dessen Demokratische Gouverneurin im Juli ein einjähriges Moratorium für neue Anträge auf Datenzentren ab 50 Megawatt verfügt. Es gilt, im Unterschied zu Texas, auch für nicht ans Stromnetz angeschlossene Projekte.