Heise 22.05.2026
11:49 Uhr

ProcessOS: Agentisches Betriebssystem optimiert Geschäftsprozesse


Auf seiner Hauskonferenz kündigte Camunda ein agentisches Betriebssystem an, das eigenständig aus Geschäftsprozessen lernen und sie verbessern soll.

ProcessOS: Agentisches Betriebssystem optimiert Geschäftsprozesse

Camunda hat auf seiner Hauskonferenz das agentische Betriebssystem ProcessOS angekündigt. Als Intelligence Layer für die bisherige Camunda-Plattform soll es bestehende Geschäftsprozesse erkennen, diese ausgehend von definierten Geschäftsergebnissen neu konzipieren und kontinuierlich anhand von Leistungskennzahlen optimieren. Dabei generiert ProcessOS vollständige Prozessartefakte, etwa BPMN-Modelle, Datenmappings, Agenten-Prompts, Entscheidungsregeln und UI-Formulare.

Der Intelligence Layer baut auf das im April veröffentlichte Camunda 8.9. Mit dem Update erweiterte das Berliner Unternehmen seine Orchestrierungsplattform um einen integrierten MCP-Server im Orchestration Cluster. Ebenfalls ergänzte es Agent-zu-Agent-Konnektoren und ermöglichte so eine Kommunikation zwischen verschiedenen KI-Agenten.

Außerdem umfasst Camunda 8.9 eine erweiterte Prozessmigration für Ad-hoc-Subprozesse – jene BPMN-Konstrukte, die dynamisches Agentenverhalten in laufenden Instanzen erst praktikabel machen. Hinzu kommen BPMN Conditional Events, mit denen Prozesse auf Bewertungen oder Anomalien eines Agenten reagieren können, ohne den Pfad fest verdrahten zu müssen.

Dem Anbieter zufolge pflegt ProcessOS eine wachsende Wissensdatenbank. Sie umfasst Designmuster, Konnektoren und Richtlinien von Prozessen. Mit jedem neuen Prozess soll sie neue Informationen gewinnen, sodass der Intelligence Layer ein Verständnis für die Vorgehensweisen im Unternehmen entwickelt.

Für den Enterprise-Einsatz zielt der Hersteller auf drei Governance-Eigenschaften: Visuelle BPMN-Modelle sollen sichtbar machen, an welchen Stellen künstliche Intelligenz eigenständig handelt und wo Menschen einbezogen werden. Ebenfalls sollen Menschen jede Prozessänderung vor dem produktiven Einsatz prüfen. Zudem soll das System bevorzugt geprüfte Muster und Konnektoren wiederverwenden.

ProcessOS läuft nativ auf Amazon Web Services und ist in zahlreiche AWS-Dienste integriert, darunter Amazon Bedrock und Bedrock AgentCore für Foundation Models, Agent Memory sowie Identity- und Gateway-Services. Außerdem liegen Referenzarchitekturen für die AWS-Dienste EKS, ECS und EC2 vor.

Für ausgewählte Unternehmen steht ProcessOS ab sofort als geschlossene Beta bereit. Interessenten können sich über die Camunda-Website auf eine Warteliste eintragen. Ein konkretes Veröffentlichungsdatum für die finale Version nannte das Unternehmen bislang nicht. Zuletzt stellte auch Red Hat ein Betriebssystem vor, das als Basis für KI-Agenten dienen soll.

(sfe)