Heise 12.05.2026
13:26 Uhr

Rechenzentrum in Georgia entnimmt unbemerkt 110 Millionen Liter Wasser


Eine US-Serverfarm bezog monatelang Wasser, ohne dafür zu bezahlen. Die Behörden bemerkten den immensen Verbrauch erst nach Beschwerden von Anwohnern.

Rechenzentrum in Georgia entnimmt unbemerkt 110 Millionen Liter Wasser

Nahe der US-Metropole Atlanta hat ein Rechenzentrum fast 110 Millionen Liter Wasser entnommen, ohne dass die lokalen Behörden das erfassten. Wie das US-Magazin Politico berichtet, fielen die unangemeldeten Wasseranschlüsse auf, nachdem Anwohner eines angrenzenden Viertels in der Stadt Fayetteville über ungewöhnlich niedrigen Wasserdruck klagten. Zu dieser Zeit forderten die lokalen Behörden die Bürger auf, Wasser zu sparen, da in weiten Teilen des Bundesstaates Georgia moderate bis schwere Dürre herrschte.

Dem Politico-Bericht zufolge hat der Betreiber Quality Technology Services (QTS) dem Wasserversorger des Fayette County (entspricht etwa einem Landkreis) knapp 150.000 US-Dollar geschuldet. Ein Anschluss habe komplett ohne Wissen der Behörde bestanden, ein zweiter sei nicht mit dem Kundenkonto des Unternehmens verknüpft gewesen. Ein QTS-Sprecher teilte mit, das Unternehmen habe alle nachträglichen Gebühren beglichen, sobald die Behörde es informierte. Der nicht gemessene Verbrauch soll in einer Phase stattgefunden haben, in der die Verwaltung auf Smart Meter umgestellt habe.

Die Direktorin des Wasserversorgers, Vanessa Tigert, machte ein technisches Versehen und Personalmangel für den Vorfall verantwortlich. Das County weise ohnehin wenige gewerbliche Zähler auf. „Also haben wir nicht gemerkt, dass unser Anschlusspunkt nicht funktionierte“, wird die Direktorin zitiert. Trotz der ungenehmigten Wasserentnahme verhängte der Versorger keine Strafzahlung gegen das Tech-Unternehmen. Tigert verteidigte diese Entscheidung mit den Worten: „Sie sind unser größter Kunde und wir müssen Partner sein. Das nennt man Kundenservice.“

Diese Haltung stieß bei den Anwohnern auf Kritik. Der Anwalt James Clifton bemängelte dem Bericht zufolge, die Behörden würden die Bürger zum Wassersparen drängen, während das Rechenzentrum der größte Verbraucher im County sei. Es wäre frustrierend, wenn große Tech-Konzerne ungestraft Gesetze brechen könnten. Das Unternehmen QTS hat hingegen einen übermäßigen Kühlwasserverbrauch bestritten und angegeben, der hohe Wasserbedarf stamme von vorübergehenden Bauarbeiten. Der Stadtrat von Fayetteville hat im vergangenen Monat neue Rechenzentren im Stadtgebiet verboten, um den enormen Strom- und Wasserbedarf zukünftig einzudämmen.

Mit der Errichtung immer neuer Rechenzentren im Zuge des KI-Booms steigt der Wasserverbrauch massiv an. Das Ausmaß lässt sich aber aufgrund fehlender Transparenz der Tech-Konzerne oft nur schwer beziffern. Einer Studie der Gesellschaft für Informatik zufolge könnte der weltweite Wasserverbrauch durch KI-Anwendungen bis zum Jahr 2027 auf 4,2 bis zu 6,6 Milliarden Kubikmeter anwachsen. Die Wissenschaftler kritisieren besonders die Standortwahl der Betreiber, da der Bau neuer Anlagen in Regionen mit bereits bestehender Wasserknappheit zu lokalen Nutzungskonflikten führe.

(egia)