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29.04.2026
16:00 Uhr
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Der Mova P70 Pro Ultra wäscht seine Wischmopps mit 100 Grad Celsius – sonst nur ein Feature von Premium-Geräten. Was der Saugroboter sonst kann, zeigt der Test.

Bereits im zarten Alter von fünf Jahren hatte Jonas seinen ersten PC und hat glücklicherweise noch die Zeit von Kassetten, CDs und Disketten miterlebt. Seitdem hat ihn Technik und der Spaß an Gadgets nicht mehr losgelassen. Angefangen hat er 2023 als Volontär bei TechStage, das 2024 in heise bestenlisten übergegangen ist. Seit 2025 ist er dort nun fest als Redakteur im Team tätig und allen voran Experte für Mini-PCs. Weiterhin testet er für allerlei PC-Zubehör, Saugroboter, Ladegeräte und Powerbanks. Privat ist er Vielleser, Bahn-Nerd und Musikliebhaber, wobei sein Musikgeschmack so vielfältig ist wie er selbst.
Der Mova P70 Pro Ultra wäscht seine Wischmopps mit 100 Grad Celsius – eigentlich ein Feature von Premium-Geräten. Was der Saugroboter sonst kann, zeigt der Test.
Saugroboter mit voll ausgestatteter Reinigungsstation kosten meist deutlich über 1000 Euro. Der Mova P70 Pro Ultra durchbricht diese Logik: Zum Marktstart heute kostet er 599 statt 699 Euro – und wäscht seine Wischmopps trotzdem mit 100 Grad heißem Wasser, was sonst nur Topmodelle wie der Roborock Saros 20 bieten.
Mova stammt aus dem Kosmos um die Marke Dreame: Entsprechend stehen die Mova-Saugroboter den Dreame-Geräten technisch sehr nahe – ein Vorteil aus Marktstrategie-Sicht, denn Mova übernimmt bewährte Technik. So entstehen Geräte mit erprobter Basis.
Wir haben den P70 Pro Ultra getestet und zeigen, ob das Gesamtpaket aufgeht oder ob der Hersteller an den falschen Stellen gespart hat.
Beim Design bleibt Mova der bewährten Linie treu. Der P70 Pro Ultra ähnelt stark den Modellen V50 Ultra und Z60 Ultra Roller. Roboter und Station haben abgerundete Kanten, die Station ist zweigeteilt: ein glatter weißer Korpus und ein abgesetzter Deckel mit Schraffur in Silber als Akzentfarbe. Erhältlich ist der Roboter in zwei Farbvarianten: Schwarz oder Weiß-Silber.
Die Verarbeitung wirkt solide, aber nicht außergewöhnlich. Alles ist aus Kunststoff, die Kanten sind sauber verarbeitet – nur der Deckel der Station fühlt sich etwas dünn an. Positiv fällt der Roboterdeckel auf: Er ist über einen Klappmechanismus fest verbunden, klappt sauber auf und bleibt offen stehen. Allerdings birgt das auch ein Bruchrisiko bei unvorsichtigem Umgang.
Die Schmutzwassertanks sind intuitiv gefärbt – durchsichtig für Frischwasser, schwarz für Schmutzwasser. Mova hat dieses Jahr absolute Top-Modelle herausgebracht, und die solide Bauweise zeigt sich auch hier. Der Roboter selbst wirkt flach; die Gesamthöhe von 10,38 cm ergibt sich erst durch den Laserturm. Die Station misst 458 × 470 × 420 mm und nimmt 3,2 l Staub, 4 l Frischwasser und 3,5 l Schmutzwasser auf. Eine herausnehmbare, teils mit Silikon überzogene Auswaschwanne erleichtert die Reinigung.
Die Inbetriebnahme läuft wie bei anderen Mova-Modellen. Roboter einschalten, QR-Code mit der App scannen, Dock- und Punktreinigungs-Taste drei Sekunden gedrückt halten und mit dem WLAN verbinden. Erfreulich: Der P70 Pro Ultra unterstützt nicht nur 2,4-GHz-, sondern auch 5-GHz-Netze. Das ist bei Saugrobotern leider noch immer selten.
Nach der Verbindung mit dem Geräte-Hotspot folgt die App-Konfiguration. Sie fragt typische Haushaltsangaben ab: Haustiere im Haushalt, gründliche Kanten- und Eckenreinigung, Nicht-stören-Modus. Anschließend lässt sich ein Sprachassistent aktivieren oder überspringen. Nach einem rund zehnminütigen Firmware-Update startet die Kartierung, die in unserem Test etwa 25 Minuten dauerte – abhängig von der Wohnungsgröße.
Datenschutz-kritische Funktionen sind ab Werk deaktiviert. Die fotografische Dokumentation erkannter Hindernisse lässt sich nur nach explizitem Einverständnis in der App aktivieren. Dasselbe gilt für die Videofunktion, die wir von vielen anderen Modellen kennen: Über das Smartphone schaltet man sich live auf die Roboterkamera, kann ihn fernsteuern, gezielt in Bereiche schicken oder auf Patrouille fahren lassen. Aktivieren lässt sich das nur nach Festlegen eines Video-Passworts – das verhindert einen unbemerkten Fremdzugriff auf die Hauskamera. Weniger ideal: Karten- und Nutzungsdaten landen in der Hersteller-Cloud. Das ist grundsätzlich angreifbar, und ohne erreichbare Server fallen smarte Funktionen wie Kartensteuerung oder Zonenreinigung aus.
Mova hat einen lange von uns kritisierten Fehler behoben: Das Auswahlfeld für Zonenreinigungen ruckelt nicht mehr beim Verschieben, sondern bewegt sich flüssig. Die App ist allgemein deutlich übersichtlicher als früher. Die Suchfunktion in den Einstellungen hilft, einzelne Funktionen schneller zu finden. Die Reinigungsoptionen sind umfangreich: nur saugen, nur wischen, beides gleichzeitig, wischen nach dem Saugen oder pro Raum individuell. Mit Clean Genius gibt es eine Funktion, die die Reinigungsparameter automatisch anpasst und dafür an der Reinigungshäufigkeit orientiert.
Der Mova P70 Pro Ultra setzt auf LDS-Lasernavigation in Kombination mit einer KI-gestützten Hinderniserkennung. Die Objekterkennung umfasst mehr als 300 erkannte Objektklassen bei Mova-Topmodellen; beim P70 Pro Ultra sind es laut Hersteller über 280. Ein monokulares 3D-Strukturlichtsystem in Verbindung mit RGB-Sicht erkennt Kabel, kleinere Objekte und Möbel zuverlässig.
In der Praxis funktioniert die Erkennung größtenteils gut. Hindernisse werden frühzeitig in der Karte vermerkt. Allerdings ist Vorsicht trotzdem geboten: Auf freischwebende Stühle mit Metallstandfuß fuhr der Roboter mehrfach gewaltsam auf, blieb darunter „eingesperrt“ und forderte Hilfe an. Anschließend wies er uns sogar darauf hin, alle Hindernisse zu entfernen – obwohl er die Stühle selbst als Hindernis markiert hatte. Hindernisse bis 22 mm überwindet er problemlos.
Auffällig ist dabei die Navigation: Der Roboter wirkt teils etwas konfus und lässt immer wieder Stellen aus. Hätte er das nicht gemacht, wäre der Teppich auch beim ersten Anlauf schon nahezu sauber gewesen – tatsächlich sparte er aber zwei Mehlflecken zunächst teils aus. Auch auf Hartboden fällt uns dieses Verhalten auf. Teilweise dreht der Roboter unmotiviert Kurven oder fährt plötzlich eine Diagonalbahn, selbst bei der Reinigung kleinerer ausgewählter Zonen. Dadurch bleibt mitunter Material am Boden liegen.
Im Alltag fiel uns ein zweites seltsames Verhalten auf: Der Roboter blieb regelmäßig stehen, klappte die Wischpads mehrfach hoch und runter, drehte sich langsam herum – und fuhr dann nach bis zu 30 Sekunden weiter. Eine Ursache kommunizierte er dabei nicht. Außerdem schleppt er Schmutz wie Mehl mitunter unter sich her und verliert ihn an der nächsten Bodenschwelle, weil er auf seinem Weg zur Station mitten durch den verschmutzten Bereich fährt.
Ein weiteres Ärgernis betrifft den Umgang mit der Karte: Der Roboter hält sich nicht zuverlässig an sie. Für den Test haben wir in der Redaktion – wie bei jedem Saugroboter-Test – extra die Türen vieler Büros geschlossen und nur den Gang kartieren lassen. Sobald die Türen wieder offen waren, fuhr der Roboter trotzdem in die Räume hinein und begann eigenmächtig, die Karte zu erweitern sowie die Bereiche zusätzlich zu reinigen. Und das bei einer explizit ausgewählten Raumreinigung, bei der wir nur einen einzelnen Raum vorgegeben hatten – nicht den gesamten Bereich.
Das ist nicht nur unerwartet, sondern kann in Haushalten mit empfindlichen Räumen auch zum Problem werden. Wir empfehlen in solchen Fällen direkt die Einrichtung von No-Go-Zonen oder das Einfügen von unsichtbaren Wänden in der App.
Die Saugleistung von 30.000 Pa zählt zu den höchsten am Markt. Auf Teppich überzeugt der P70 Pro Ultra: Er erklimmt Teppichkanten ohne Probleme, faltet nichts auf und entfernt rund 95 Prozent der groben Partikel im ersten Anlauf. Feine Partikel wie Mehl verschwinden meist erst beim zweiten Durchgang. Auf Hartboden zeigt sich derselbe Eindruck: ordentlich, aber nicht perfekt.
Allerdings kämpft auch der P70 Pro Ultra mit dem Standardproblem vieler Saugroboter: Mit seiner Seitenbürste schleudert er immer wieder wie ein Katapult Schmutz aus dem Reinigungsbereich heraus, der so in der Wohnung verteilt liegen bleibt. Abhilfe würden eine reduzierte Rotationsgeschwindigkeit sowie der Einsatz von zwei statt nur einer Bürste schaffen – eine links, eine rechts –, um eine Art Schaufelbewegung zur Absaugeinheit hin in die Mitte des Roboters zu erzeugen. Immerhin ist die Seitenbürste beim P70 Pro Ultra ausklappbar, was besonders in Engstellen oder Ecken sinnvoll ist. Davon macht der Roboter regelmäßig sehr klug Gebrauch: Er dreht sich dabei um die eigene Achse hin und her auf der Stelle, um alles herauszuschaufeln.
Beim Wischen setzt der P70 Pro Ultra auf zwei rotierende Wischteller. Diese drehen sich mit 260 Umdrehungen pro Minute und werden mit 12 Newton an den Boden gedrückt. Grundsätzlich gilt: Das System mit Wischteller ist bewährt, hat aber im Unterschied zur modernen Wischwalze einen Nachteil: Je nach Art der Verschmutzung und mit zunehmender Sättigung verteilen die Teller den Dreck nur noch, statt ihn wirklich aufzunehmen. In unserem Test zeigt sich das deutlich: Bei Mehl verschmiert das System schon nach wenigen Metern. Zur Reinigung muss der Roboter regelmäßig zur Station zurückfahren, unterwegs geht das nicht – in unserem 60 m²-Bereich passiert das bis zu vier Mal pro Reinigungsdurchgang.
Eine Wischwalze dagegen wird während der Fahrt durch eine Lamelle abgestreift und mit frischem Wasser benetzt. So bleibt sie länger sauber und trägt Schmutz tatsächlich vom Boden ab. Für Parkett ist die Walze allerdings eher ungeeignet, da sie zu viel Wasser auf den Holzboden aufträgt und dieser dadurch aufweichen kann. Hier hat das Mopp-System die Nase vorn.
Das Highlight des P70 Pro Ultra ist die Heißwasserwäsche bei 100 Grad Celsius. Während im Preisbereich um 600 bis 700 Euro meist nur 50 bis 70 Grad üblich sind und selbst Topmodelle über 1000 Euro selten 90 Grad erreichen, kocht der P70 Pro Ultra die Mopps regelrecht aus. Das ist hygienisch ein deutlicher Fortschritt, weil Bakterien und Gerüche effektiver bekämpft werden.
Der Hersteller verweist auf TÜV-Rheinland-getestete Sterilisationsraten von bis zu 99,9999 Prozent gegen typische Keime wie E. coli und S. aureus. Die als JetSpray Dryboard bezeichnete Waschwanne verteilt über 20 Düsen das Wasser gleichmäßig, ein zentraler Filter trennt den Schmutz vom Wasser. Anschließend trocknet die Station die Mopps mit Heißluft in standardmäßig zwei Stunden – das verhindert Schimmel und unangenehme Gerüche.
Der 5,2-Ah-Lithium-Ionen-Akku liefert laut Hersteller bis zu 250 Minuten Laufzeit. In unserem Test mit erhöhter (nicht maximaler) Feuchtigkeit und hoher Saugkraft zeigt der Roboter am Ende des Reinigungsdurchgangs in unserem rund 60 m² großen Testbereich noch 33 Prozent Restakku – ein solider Wert, der genug Reserve für Nachreinigungen lässt. Die volle Ladedauer beträgt 3,5 Stunden – das ist durchschnittlich, aber unauffällig. Konkurrenten wie der Ecovacs T90 Pro Omni sind hier deutlich schneller. Ob das im Alltag relevant ist, hängt vom Nutzungsverhalten ab: Da der Roboter ohnehin meist im Standby auf seinen nächsten Einsatz wartet, fällt die Ladezeit für die meisten Haushalte kaum ins Gewicht.