Heise 12.05.2026
07:48 Uhr

Südkorea: Börse stürzt wegen Ruf nach KI-Gewinnbeteilung der Bevölkerung ab


Südkoreas Wirtschaft profitiert besonders vom KI-Boom und die Debatte über den Umgang mit den Gewinnen wird lauter. Jetzt hat ein Vorschlag für Unruhe gesorgt.

Südkorea: Börse stürzt wegen Ruf nach KI-Gewinnbeteilung der Bevölkerung ab

Ein hoher Berater des südkoreanischen Präsidenten hat am Montag für Aufruhr an der dortigen Börse gesorgt, als er vorgeschlagen hat, Bürger und Bürgerinnen eine Dividende aus den Steuern auf die erheblichen KI-Gewinne der Industrie zu bezahlen. Nachdem Kim Yong-beom, der für Politik zuständige Stabschef des südkoreanischen Präsidenten, das in einem Facebook-Beitrag ausgeführt hat, stürzte Südkoreas Börsenindex KOSPI vorübergehend um mehr als fünf Prozent ab, berichtet Bloomberg. Erst als der einflussreiche Politiker später klarstellte, dass es ihm um Steuermehreinnahmen ging, erholte sich der Aktienindex wieder und machte die Verluste weitgehend wieder wett, ergänzt der Finanznachrichtendienst.

„Die Früchte des Zeitalters der KI-Infrastruktur sind nicht allein das Verdienst einzelner Unternehmen, sondern beruhen auf dem industriellen Fundament, das die gesamte Nation im Laufe des letzten halben Jahrhunderts geschaffen hat“, zitiert die Korea Times aus der Begründung des Stabschefs für den Vorschlag. Vorgebracht habe er auch das norwegische Beispiel, dort fließen Öleinnahmen über den Staatsfonds an die Gesellschaft. Dieses Prinzip solle auch für Südkoreas KI-Gewinne gelten. Das Geld könnte als Startkapital für junge Menschen, für ein Grundeinkommen im ländlichen Raum, die Unterstützung von Künstlern und Künstlerinnen, für die Stärkung der Altersversorgung oder Bildungsmaßnahmen für den Wandel in der KI-Ära genutzt werden, hat er demnach noch vorgeschlagen.

Südkoreas Wirtschaft hat zuletzt besonders stark vom KI-Boom profitiert, das gilt vor allem für die beiden Konzerne Samsung und SK Hynix. Die dominieren den Speichermarkt, insbesondere bei Arbeitsspeicher (DRAM), wo sie zwei Drittel des weltweiten Umsatzes ausmachen. Zusammen haben die Aktien der beiden Konzerne den KOSPI zuletzt auf immer neue Rekordwerte getrieben, Südkoreas Aktienmarkt insgesamt konnte dadurch gleich mehrere westliche Staaten überholen. Parallel dazu wird die Diskussion über die Verteilung der immensen Gewinne immer lauter und Samsung könnte deshalb sogar bald einen Arbeitskampf von Rekordlänge erleben.

(mho)