Heise 21.05.2026
09:22 Uhr

US-Start-up bietet Reinigungs-Service mit humanoiden Robotern an


Statt menschlicher Putzkräfte setzt Gatsby auf humanoide Roboter bei der Wohnungsreinigung. Ein erster Versuch habe geklappt. Es bleiben aber Fragen offen.

US-Start-up bietet Reinigungs-Service mit humanoiden Robotern an

Das in San Francisco ansässige US-Start-up Gatsby hat nach eigenen Angaben von einem humanoiden Roboter Mitte Mai erstmals eine Reinigung eines Appartements als per Smartphone buchbaren Service durchgeführt. Der Roboter habe die Wohnung selbstständig und ferngesteuert aufgeräumt und eine Grundreinigung erledigt. Einige Fragezeichen gibt es jedoch, denn die Durchführung autonomer Reinigungsaufgaben in einer unstrukturierten Umgebung ist für Roboter mehr als herausfordernd.

Aron Frishberg gründete Gatsby im Januar 2026 und wird von Nvidia Inception, dem Start-up-Programm von Nvidia, sowie Entrepreneurs First, einem international tätigen Talentinvestor, unterstützt. Der Dienst funktioniert vergleichsweise simpel: Über eine Smartphone-App können Aufräumunwillige einen humanoiden Roboter anfordern, der dann ihre Wohnung aufräumt und reinigt. Die Buchung erfolgt ähnlich einfach wie eine Essensbestellung. Zu Beginn hat Gatsby eine zufällige Wohnung aus einer Warteliste mit Personen in San Francisco, die den Service ausprobieren wollen, gewählt.

Der humanoide Roboter, zunächst ein Unitree G1, wird dann mit einem Uber-artigen Service zur Wohnung gebracht, um dort seine Arbeit zu erledigen. Die Arbeiten werden teilweise autonom, teilweise bei komplexeren Aufgaben über Teleoperation durchgeführt. Genauere Angaben macht Gatsby in einer Mitteilung nicht. Vermutlich wird der Roboter in der Wohnung an bestimmten Stellen positioniert, damit er zuvor trainierte Aufräum- und Reinigungsvorgänge autonom durchführt. Klappt das nicht zufriedenstellend, greift ein Operator aus der Ferne ein und erledigt den Rest.

Unklar ist, wie lange das Aufräumen und Reinigen dauert und wie gut das funktioniert. Denn dazu sagt Gatsby nichts, Videos gibt es ebenfalls nicht und von dem Wohnungsbesitzer ist auch nichts über dessen Zufriedenheit mit den Aufräum- und Reinigungsarbeiten überliefert.

Zumindest ist Gatsby beim Preis wettbewerbsfähig. Zunächst will das Unternehmen lediglich 150 US-Dollar für eine Wohnungsreinigung haben – unabhängig von deren Größe. Für Verhältnisse in San Francisco ist das ein moderater Preis. Herkömmliche menschliche Reinigungsservices kosten dort zwischen 150 und 300 Dollar. Die Preise richten sich dann auch nach der Wohnungsgröße.

Gatsby will seinen Service als Alternative zum Kauf eines Haushaltsroboters anbieten. Die gibt es derzeit zwar noch nicht als kommerzielles Produkt zu kaufen, aber zumindest 1X will seinen humanoiden Roboter Neo noch 2026 an erste private Haushalte ausliefern. Der Preis dafür ist allerdings nicht ganz gering: Mindestens 20.000 Dollar müssen Kaufwillige berappen oder sie mieten ihn sich für 500 Dollar pro Monat. Gatsby will Reinigungen dagegen nur als Cleaning-as-a-Service anbieten. Der Kunde muss sich dann um nichts selbst kümmern. Er zahlt für die Leistung, nicht für den Roboter. Verwendet werden sollen unterschiedliche humanoide Roboter verschiedener Unternehmen, auf die Gatsby die antrainierten Fähigkeiten überträgt. Sobald aktuellere und leistungsfähigere Roboter erhältlich sind, könne Gatsby schnell auf bessere Robotermodelle umstellen, so der Plan des Start-ups.

Bis ein solcher Reinigungsservice mit humanoiden Robotern jenseits von Early Adopters in der Breite ankommen kann, müssen aber noch viele Fragen geklärt und gelöst werden – selbst dann, wenn das Angebot nur lokal begrenzt in einer Stadt angeboten wird. Das reicht etwa vom Vorhalten mehrerer Roboter über den Transport zu den Einsatzorten und die Wartung und endet nicht bei der Hilfe bei etwaigen Problemen mit einer ungenügenden Reinigungsleistung.

(olb)