Heise 01.09.2026
08:43 Uhr

Vor dem unvermeidbaren Absturz: NASA-Weltraumteleskop Swift forscht wieder


Das Neil Gehrels Swift Observatory wird nicht gerettet. Deshalb hat die NASA die Instrumente an Bord wieder aktiviert, auch wenn das den Absturz beschleunigt.

Vor dem unvermeidbaren Absturz: NASA-Weltraumteleskop Swift forscht wieder

Nachdem die Rettungsmission für das NASA-Weltraumteleskop Swift gescheitert ist, hat die US-Weltraumagentur zwei der drei Instrumente an Bord wieder angeschaltet. An der Reaktivierung des dritten arbeite man noch, erklärte die NASA jetzt. Dem Neil Gehrels Swift Observatory bleiben damit jetzt ein bis zwei Monate Zeit für wissenschaftliche Arbeit, schätzen die Verantwortlichen. Dann dürfte es abstürzen und in der Erdatmosphäre verglühen. Das sollte ein robotisches Raumfahrzeug verhindern, indem es das Instrument in einen höheren Orbit schiebt. Der ambitionierte Versuch hat aber nicht geklappt, die Rettungsmission wurde vor zwei Wochen abgeblasen.

Das Weltraumteleskop Swift umkreist die Erde seit 2004 und wurde erst später nach seinem verstorbenen Forschungsleiter benannt. Es untersuchte primär Gammastrahlenblitze. Von großem Wert war es dabei vor allem als Frühwarnsystem, das Observatorien auf der Erde dank des Burst Alert Telescopes rasch Bescheid geben kann, damit diese die stärksten Explosionen im Universum ins Visier nehmen können. Dieses Instrument ist bislang nicht wieder aktiv. Weil Ausläufer der Erdatmosphäre es infolge zunehmender Sonnenaktivität aber stärker abgebremst haben, als zuvor erwartet, hat die NASA die beispiellose Rettungsmission in die Wege geleitet. Um der mehr Zeit zu geben, war Swift im Frühjahr weitgehend deaktiviert worden. Vor dem endgültigen Aus darf es nun doch noch einmal ran.

Für die NASA hatte das US-Raumfahrtunternehmen Katalyst Anfang Juli die Raumsonde LINK gestartet. Die sollte sich dem Weltraumteleskop nähern, es greifen und dann in einen höheren Orbit schieben. Stattdessen ist sie aber selbst ins Trudeln geraten und von der Erde aus konnte sie nicht stabilisiert werden. Vor anderthalb Wochen wurde der Versuch dann für gescheitert erklärt, das Weltraumteleskop ist seitdem dem sicheren Absturz geweiht. Deshalb kann es jetzt ohne Rücksicht auf den atmosphärischen Widerstand wieder gedreht und auf unterschiedliche Forschungsziele ausgerichtet werden und der Astronomie noch ein letztes Mal seine Dienste erweisen.

(mho)