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29.08.2026
10:00 Uhr
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Wildlife Photographer of the Year zeigt erste Bilder, Ricoh plant GR mit 40mm, OM System kündigt Kamera an, Fotolegende Jay Maisel stirbt mit 95.

Das Natural History Museum in London hat einen ersten Vorgeschmack auf die diesjährigen Gewinner des „Wildlife Photographer of the Year 2026“ gegeben, und die Bilder sind spektakulär. Von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen zwei Tierarten bis zu einem tollpatschigen Leoparden ist alles dabei. Der Wettbewerb gilt als „Oscar der Naturfotografie“ – und beweist wieder einmal, dass die besten Geschichten noch immer die Natur selbst schreibt.
heise
Eines der bereits veröffentlichten Highlights: ein Leopard, der bei einem Sprung alles andere als elegant aussieht. Ein seltener Moment, der zeigt, dass selbst die geschmeidigsten Raubtiere mal danebenspringen. Buchstäblich. So etwas gelingt nicht per Zufall. Dahinter stecken Geduld, Können und nicht selten tagelanges Warten in unbequemen Verstecken.
Berührend ist auch die Aufnahme einer „unwahrscheinlichen Freundschaft“ zwischen zwei Tierarten, die normalerweise nichts miteinander zu tun haben. Das Natural History Museum macht damit deutlich, was Naturfotografie leisten kann: technisch perfekt, emotional packend und obendrein wissenschaftlich relevant.
Mit über 59.000 Einsendungen aus 117 Ländern gehört der „Wildlife Photographer of the Year“ zu den größten und renommiertesten Fotowettbewerben überhaupt. Die kompletten Gewinnerbilder sind ab Oktober im Natural History Museum in London zu sehen, danach geht die Ausstellung auf Welttournee. Die Jury hatte die Qual der Wahl – und man merkt es den ersten Bildern deutlich an.
Und noch etwas zeigen diese Aufnahmen: Naturfotografie ist längst mehr als das schöne Tierporträt. Sie dokumentiert, sie mahnt, sie macht Hoffnung.
Von der Wildnis in die Stadt: Ricoh kündigt die Entwicklung der GR IVx an, und das ist durchaus bemerkenswert. Die klassische GR-Serie setzt seit Jahrzehnten auf ein 28mm-Objektiv, doch die neue x-Variante bekommt ein 40mm-Äquivalent, wie es auch schon die GR IIIx hatte.
Ricoh argumentiert, dass 40mm näher an der menschlichen Wahrnehmung liege und sich besser für Porträts und dokumentarische Fotografie eigne. Das stimmt zwar, klingt aber auch nach einem Eingeständnis: Wer im Markt der Kompaktkameras bestehen will, muss sein Angebot breit aufstellen. Die GR IVx läuft parallel zur normalen GR IV, sodass Puristen weiter ihre 28mm bekommen. Clever gelöst – so bedient man beide Lager.
Technisch bleibt Ricoh dem bewährten APS-C-Sensor mit rund 26 Megapixeln treu, Bildstabilisierung inklusive. Kompakt soll sie sein, also jackentaschentauglich, denn genau das ist der große Vorteil gegenüber Systemkameras. Wann die GR IVx erscheint und was sie kosten soll, verrät Ricoh noch nicht. Die Ankündigung aber macht klar: Totgesagte leben länger, jedenfalls im Kompaktkamera-Segment.
Auch OM System, ehemals Olympus, meldet sich mit einem Teaser zurück. Für den 9. September kündigt das Unternehmen eine neue Kamera an, und in der Werbung steht der elektronische Sucher (EVF) im Mittelpunkt. Bemerkenswert, denn zuletzt setzte OM System vor allem auf kompakte Gehäuse ohne Sucher, etwa bei der PEN-Serie.
Jetzt deutet vieles auf eine Rückkehr zum klassischen PEN-Formfaktor hin, dieses Mal mit EVF. Die PEN-Kameras waren einst die Antwort auf Fujifilms X-Serie: kompakt und retro, aber mit Micro-Four-Thirds-Sensor. Der Teaser zeigt unmissverständlich einen Sucher – ein Hinweis darauf, dass OM System die Lücke zwischen den kleinen PENs und den professionellen OM-Modellen schließen will.
Zusammen mit Ricohs GR IVx zeichnet sich ein Trend ab: Kompaktkameras mit großen Sensoren und klassischen Bedienelementen sind eben nicht tot. Eine Nische, ja, aber eine profitable. Wer heute noch zur eigenständigen Kamera greift, erwartet mehr, als ein Smartphone bieten kann – bessere Haptik, bessere Optik, mehr Kontrolle. Beide Hersteller haben das offenbar verstanden.
Die traurige Nachricht der Woche kommt aus New York: Jay Maisel ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Wer den Namen nicht kennt, kennt trotzdem wahrscheinlich seine Bilder – oder zumindest das eine: Das Cover von Miles Davis' Album „Kind of Blue“ stammt von Maisel. Bis heute eines der ikonischsten Jazz-Cover überhaupt.
Maisel war ein Meister der Farbe und des Lichts. Seine New Yorker Straßenfotografie ist legendär, genauso wie sein jahrzehntelanges Domizil: ein ganzes Gebäude in der Bowery, das er 1966 für 102.000 Dollar kaufte und 2015 für 55 Millionen wieder verkaufte. Dazwischen lagen fast 50 Jahre, in denen er dort lebte, arbeitete und Workshops gab.
Seine Philosophie war denkbar schlicht: „Geh raus und fotografiere. Jeden Tag.“ Keine komplizierten Theorien, keine Ausreden. Maisel fotografierte, was er sah – und er sah mehr als die meisten. Seine Bilder leben vom genauen Blick auf das Alltägliche, das er in etwas Besonderes verwandelte. Licht, Farbe, Geste, das waren seine Werkzeuge.
Stephen Wilkes, selbst ein renommierter Fotograf, würdigte Maisel als Mentor und Freund. Der habe ihm beigebracht, dass Fotografie eben nicht nur Technik sei, sondern vor allem Sehen. Womöglich ist das die wichtigste Lektion, die man von ihm mitnehmen kann: Die beste Kamera ist die, die man dabeihat – das beste Bild aber entsteht im Auge. B&H würdigte beide Fotografen in einem langen Podcast [Youtube].
Diese Woche zeigt die ganze Bandbreite der Fotografie: atemberaubende Naturaufnahmen, technische Innovation und der Tod einer Legende. Vielleicht liegt genau darin die Verbindung. Denn Fotografie ist nie bloß Technik. Immer gehören auch Geduld, Leidenschaft und die Bereitschaft dazu, wirklich hinzusehen – ob in der Wildnis Afrikas oder auf den Straßen New Yorks.
Jay Maisel hat das ein Leben lang getan. Die Naturfotografen des Wildlife Photographer of the Year tun es heute. Und Ricoh und OM System? Die setzen weiter darauf, dass es Menschen gibt, die hinschauen wollen – mit einer richtigen Kamera in der Hand.
(tho)