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03.06.2026
17:47 Uhr
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Der WDR beschließt, einen sprachlich und kulturell einzigartig vielfältigen Sender einzustampfen: Cosmo soll sich unter dem Namen 1Live Street nun auf Hip-Hop konzentrieren. Schlechter kann man nicht sparen.

Nicht abschalten, sondern weiterentwickeln wollte der WDR in Köln seinen Sender Cosmo. Und macht ihn jetzt zur Unkenntlichkeit klein. Oliver Berg
Mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland ist es so: Jede und jeder soll sein Programm finden. Das wird in diesem Land vor allem regional verstanden, deswegen haben in der alten, linearen Welt des BR-Fernsehens die Schwaben ein etwas anderes Programm als die Oberbayern. Und die Bremer haben sogar eine ganz eigene Rundfunkanstalt. Für nur 700 000 Einwohner einen inhaltlich immer wieder verdienstvollen, aber eben auch eigenen bürokratischen Apparat mit Intendantin, Direktoren, Personalabteilung, der Radio Bremen heißt.
Das wäre kein Problem, müsste der Rundfunk nicht dringend sparen. Der Reform der Öffentlich-Rechtlichen ist beschlossen, sieht jedoch weniger große strukturelle Streichungen und Umbauten vor, die der Rundfunk insbesondere in seiner Verwaltung brauchen könnte. Sondern ein Wegknipsen hier und da, an einfacheren Stellen. Etwa wird die Anzahl der Radiosender verkleinert. Wie viel damit gespart wird? Völlig unklar, wie ein Gutachten bescheinigte.
Die ARD muss die Zahl ihrer Radiosender deutlich reduzieren. Die finanzielle Ersparnis ist gering. Doch was verschwindet - und geht dabei wirklich Vielfalt verloren?
Nun gibt es unter den derzeit noch 70 Radiosendern der ARD auch Verzichtbares, 17 sollen bis 2027 wegfallen. Doch beim WDR trifft es ausgerechnet Cosmo. Der bislang eigenständige Sender wird ein Unterprogramm des erfolgreichen Popsenders 1Live und dort inhaltlich entkernt. Das verwundert und hat zu breitem Protest geführt, denn Cosmo sendet in eine riesige Marktlücke. Er richtet sich an einen großen Bevölkerungsanteil, der von den Öffentlich-Rechtlichen eher vernachlässigt wird: Migranten und Menschen mit Migrationsgeschichte. Ein Drittel bis ein Viertel der Menschen in diesem Land also, ein Millionenpublikum.
Cosmo sendet unter dem Claim „Der Sound der Welt“. Das sei ein mehrsprachiges, altersübergreifendes, interkulturelles Programm und eine „emotionale Heimat für alle, die Vielfalt als Normalität leben“ leben, so die Cosmo-Moderatorin Evren Zahirovic von der Initiative #saveCOSMOradio, die 90 000 Unterschriften gesammelt hat. Unter ihnen Claudia Roth, der Rapper Trettmann, oder Herbert Grönemeyer, der sagt: „In Zeiten eines erstarkenden Nationalismus mit all dem Horror, den wir tagtäglich erleben, und eines spießigen Retrodenkens für unser Zusammenleben ist es fatal und ein merkwürdiges Signal, einen solchen Sender abzudrehen. Vielmehr braucht es das genaue Gegenteil: viel mehr davon!“
Der WDR erklärte bereits im vergangenen Sommer umständlich: „Im Moment prüfen alle Landesrundfunkanstalten in der ARD ihre Optionen, wie sie den Anforderungen des Reformstaatsvertrages nachkommen können.“ Und: „Mit Blick auf COSMO können wir sagen: Wir wollen COSMO nicht abschalten, sondern weiterentwickeln. Denn wir sehen bei der Reichweite, dass wir das Potenzial des Programms noch nicht ausgeschöpft haben. Gleichzeitig ist es uns wichtig, Menschen mit Einwanderungsgeschichte weiter anzusprechen – immerhin ein Drittel der Bevölkerung in NRW.“
Doch Weiterentwicklung bedeutet nun offenbar: Als Unterprogramm von 1Live wird Cosmo auf die Zielgruppe unter 30 Jahren verengt und soll sich auf Hip-Hop fokussieren. Wie sollte man durch eine solche Verengung mehr Potenzial ausschöpfen? Cosmo wird neben „1Live Diggi“ unter den Popsender 1Live „gebündelt“, wie der WDR verkündet hat. Außerdem steht eine Umbenennung an: „Aus COSMO soll 1LIVE STREET, aus 1LIVE DIGGI 1LIVE LOUNGE werden.“ Der Rundfunkrat des Senders hat dem am Mittwochnachmittag zugestimmt, „nach intensiver Diskussion“, 25 Ja-Stimmen, 20 Nein-Stimmen und einer Enthaltung.
Ein neuer sperriger Name und ein erklärungsbedürftig klischeehaftes Branding mit dem Wort „Straße“ bedeuten außerdem, dass die muttersprachlichen Radioangebote wegfallen – bis auf ein digitales türkisches Angebot in noch zu definierender Form, wie Zahirovic von der Protestinitiative sagt. Das soll offenbar in Kooperation mit dem Social-Media-Format WDRforyou entstehen, das auch Inhalte auf Arabisch und Farsi macht. Gestrichen würden Programme auf Italienisch, Serbisch, Kroatisch, Bosnisch und Kurdisch. In der ganzen ARD gibt es sonst nur beim RBB nichtdeutsches Programm in weit verbreiteten Sprachen wie Arabisch oder Polnisch.
Bislang konnte man den Sparbemühungen in der ARD vor allem Ineffizienz vorwerfen. Am Beispiel von Cosmo sieht man, dass es tatsächlich die Programme trifft, die den öffentlich-rechtlichen Auftrag auf einzigartige Weise erfüllen.
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