SZ 05.10.2026
14:56 Uhr

(+) Ägypten: Eine Stimme weniger


Die Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi lässt sechs Journalisten des staatskritischen Portals „Matsadaash“ festnehmen. Der Vorwurf: Terrorismus. Das ist selbst für ägyptische Verhältnisse ein Schock.

(+) Ägypten: Eine Stimme weniger
Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi (Archivbild).
Foto: Amr Abdallah Dalsh/Reuters

„Präsident al-Sisi legt Kränze am Denkmal für die Gefallenen der Streitkräfte sowie an den Gräbern von Sadat und Nasser nieder“, berichtet das ägyptische Portal Egypt Today am Montag. Es ist eine Berichterstattung, wie sie sich Präsident Abdel Fattah al-Sisi wohl vorstellt, der auch gleich in einem weiteren Text vorkommt: „Präsident al-Sisi und sein ghanaischer Amtskollege erörtern Möglichkeiten zur Stärkung der bilateralen Beziehungen.“

Al-Sisi hat die wenigen Freiräume, die es selbst unter seinen Vorgängern wie Husni Mubarak gab, stetig eingeengt, Journalisten verhaften lassen und die meisten Medien auf seine Linie getrimmt. Doch selbst für ägyptische Verhältnisse war die Verhaftung von sechs Journalisten am Ende der vergangenen Woche ein Schock. Es traf fast die gesamte Redaktion des Portals Matsadaash, das zwar eine überschaubare Redaktion hat, aber mehr als eine Million Follower auf Facebook.

Die sechs Journalisten der Plattform – Abdallah Qadri, Mohamed Ashraf, Mohamed Adel, Islam Barakat, Mohamed Mahmoud und Omar Helal – wurden im Laufe von zwei Tagen von Sicherheitskräften festgenommen. Nur von Ashraf kennt man den Aufenthaltsort. Er sei von zehn Uhr abends bis acht Uhr morgens verhört worden, berichtet eine ägyptische Menschenrechtsorganisation. Ihm werde wie allen anderen Terrorismus und die Verbreitung von Falschnachrichten vorgeworfen. Die Journalisten, so die Regierung, sollen Agenten der Muslimbruderschaft sein, die Ägypten bis 2013 für kurze Zeit regierte und dann von Sisi gestürzt wurde. Terrorismus ist seitdem ein gängiger Vorwurf, der viele Gegner trifft.

Abdelrahman Mansour, ein Mitgründer der Plattform, der sich im Ausland befindet, bezeichnete die Festnahmen als „einen der schwerwiegendsten Angriffe auf den Journalismus in der jüngeren Geschichte Ägyptens“. Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) forderte: „Die internationale Gemeinschaft darf nicht wegsehen, während die ägyptischen Behörden unabhängige Medien systematisch einschüchtern und zum Schweigen bringen.“

„Matsadaash“ heißt so viel wie „nicht glauben“. So nannten sich die ägyptischen Journalisten, als sie im Jahr 2018 mit ihrer Plattform begannen. Erst untersuchten sie Nachrichten und Gerüchte, die wirklich kaum zu glauben waren, darunter die in Ägypten nicht unheikle Frage, ob der ehemalige Präsident Husni Mubarak womöglich an der Ermordung seines Vorgängers Anwar al-Sadat beteiligt war. (Nein.)

In den folgenden Jahren wurde Matsadaash zu einem der nur noch höchstens einer Handvoll ägyptischer Medien, die nicht vom Staat kontrolliert wurden und kritische Fragen stellten. 2023 berichtete Matsadaash über ein Flugzeug, das in Ägypten gestartet war und in Sambia mit großen Summen an Bargeld und Gold an Bord gestoppt wurde. Sechs Ägypter wurden damals in Sambia festgenommen, einige sollen ehemalige Militärs gewesen sein. Wenig später kam auch ein Matsadaash-Journalist kurz in Haft. Es war wohl der erste Warnschuss.

Nun sind sechs Kollegen verhaftet worden. Keiner weiß, wann und ob sie wieder freikommen. Auf Facebook veröffentlicht Matsadaash weiter: „Und wir sind hier. Wir werden hier bleiben. Mit unserem Leid, unseren Träumen, unseren Erfolgen und unseren Misserfolgen. Und genau das liegt nun in euren Händen, vor euren Augen: Die Machthaber versuchen, ein ägyptisches Projekt zu zerstören – auf ägyptischem Boden, mit ägyptischen Journalisten, die Geschichten über Ägypten veröffentlichen. Doch wir werden immer und ewig hier bleiben, in unserem Land, unserer Heimat, unserem Land. Wir träumen von einer Presse, die die Wahrheit unterstützt, und von einer Heimat, die Platz für alle bietet.“

Der US-Präsident will die Sender CNN und MS Now sowie „Politico“ aus dem Weißen Haus werfen, weil ihm deren Berichterstattung nicht gefällt. Die Verbannten erinnern an die Verfassung.

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